FDP: Gestatten, Lindner. Christian Lindner Doppelnull.

FDP-Chef Christian Lindner (Foto:Imago)

FDP-Chef Christian Lindner hat nach den Sondierungsgesprächen mit den Koalitionären in spe verbal derartig abgeschleimt, daß man glatt meint, er habe das Sprechen bei Angela Merkel gelernt. Die Kommentierung.

Auf Facebook schrieb gestern Lindner, Christian:

Soeben haben wir gemeinsam mit SPD und Grüne das Ergebnis der Sondierungen vorgestellt.

… na sowas.

Die letzten Tage waren geprägt von einem besonderen Stil.

… es waren die vergangenen Tage. Schön wäre es, wenn es eure letzten als Trio gewesen wären.

Es haben sich drei politische Kräfte getroffen, die in einem sehr diskreten Rahmen sehr ernsthaft mit Neugier auf die Positionen des Gegenübers Gespräche organisiert haben.

… was so viel heißt, daß sich drei für Sondierungsgespräche getroffen haben müssen, die vorher absolut keine Ahnung von den Positionen des jeweils anderen gehabt haben können. Mir gehen diese aalglatten Lügen sowas von auf den Sack. „Gespräche organisieren“. Und diese Schaumsprache, in der sie vorgetragen werden, noch viel mehr. Außerdem seid ihr keine drei politischen Kräfte, sondern der dreifache politische Kraftverlust. Ungefähr so etwas wie ein kapitaler Motorschaden.

Aalglatte Lügen des politischen Kraftverlustes

Allein dieser Stil markiert schon eine Zäsur in der politischen Kultur Deutschlands.

… Zäsur: Schlimmer geht immer.

Wir haben gemerkt, dass die Art und Weise, wie wir uns mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigen, viele Menschen in unserem Land beeindruckt hat.

… Auf „Herausforderung“ hat Merkel das Copyright. Alle anderen müssen von Problemen sprechen, es sei denn, sie hätten Lizenzgebühren an Merkel abgedrückt. „Angeekelt“ ist auch etwas anderes als „beeindruckt“.

Dass alleine durch die Ernsthaftigkeit, in der wir gesprochen haben, viele Menschen Hoffnung geschöpft haben, dass ein neuer Aufbruch für unser Land möglich ist.

… wenn überhaupt, dann wären es natürlich Menschen, die etwas geschöpft hätten, weil die Schöpfkelle nicht vom Rindvieh erfunden worden ist, Christian Lindner. Aufbrüche sind übrigens immer neu, weil sie sonst keine wären. Was soll das geschwollene Gerede?

Das hat bei uns und, wie mein Eindruck ist, bei allen Beteiligten den Möglichkeitsraum erweitert und neue Phantasie, neue politische Phantasie erzeugt.

… daß Deutschland schon längst zu Phantasialand auf dem Planeten Utopia geworden ist, in dem es Phrasen wie „erweiterter Möglichkeitsraum“ besonders leicht haben, ist nun wirklich keine sensationelle Neuigkeit, Christian Lindner.

Die FDP versteht sich als eine Partei der politischen Mitte.

… eben. Phantasialand. Gerade sage ich es noch. Als was sich die FDP verstehen will, ist uninteressant. Interessant ist, was sie ist. Das ist sie: Als liberale Gesamtpartei mangels eines liberalen Rückgrats komplett überflüssig.

Die FDP im Phantasialand

Diese Gesprächskonstellation auf der Bundesebene ist für uns neu.

… und inwiefern ändert die „Gesprächskonstellation“ etwas an Inhalten und Sprache? Muß man Wörter wie „Gesprächskonstellation“ erfinden, wenn man bei der FDP etwas werden will? Und wer würde das wollen? Vertrauenswürdige Personen vielleicht? Schwere Zweifel, Christian Lindner.

Wir sehen darin aber eine Chance.“

… ich auch, Christian Lindner. Ich sehe die Chance, daß ihr in vier Jahren endgültig weg vom Fenster seid. Ich freue mich darauf. Sich erst in den Jahren 2009 – 2013 von Merkel zermantschen zu lassen, um sich als nächstes in den Jahren 2021 – 2025 zwischen Roten und Grünen wie eine gelbe Banane mit dem Gurkenhobel in Scheibchen schneiden zu lassen, zeigt ein Maß an gewollter Kurzsichtigkeit, daß es 2025 hoffentlich unwiderruflich vorbei ist mit der gelben Überflüssigkeit.

Wenn so unterschiedliche Parteien sich auf gemeinsame Herausforderungen und Lösungsangebote verständigen könnten, dann liegt darin eine Chance, unser Land insgesamt zusammenzuführen. Dann besteht die Chance, dass eine mögliche Koalition größer wird als nur die Summe ihrer Teile.

… nope. Wenn die FDP mit der SPD und den Grünen zusammen eine Regierungskoalition bildet, dann ist sie für alle Zeiten unten durch. Im Zusammenhang mit Roten und Grünen überhaupt von „Größe“ zu reden, ist schon versuchter Betrug.

Wir haben intensiv gesprochen und uns dabei nicht um Formelkompromisse bemüht.

… so-so, „intensiv“ gesprochen habt ihr? Sagenhaft. Das macht euch so schnell keiner nach. Kommen „Formelkompromisse“ sonst wohl häufig vor in „Gesprächskonstellationen“, die „im Bund neu“ sind? Ich frage für einen Freund.

Wir haben mit der Eigenart gebrochen, politische Unterschiede zuzudecken, sondern wir haben uns um klare Richtungsentscheidungen bemüht.

… das Todesurteil in jedem Arbeitszeugnis: Herr Lindner zeigte sich bemüht … (leider erfolglos).

Brei ohne liberale Geschmacksspuren

Dabei kommt es immer zu einem Geben und Nehmen.

… ach? Bei drei Köchen nennt man dieses „Geben und Nehmen“ anders. Viele Köche verderben den Brei, heißt es da. Ich nehme an, daß der Brei spätestens in zwei Jahren nicht einmal Reste liberaler Geschmacksspuren mehr aufweisen wird.

Aber Fortschritt setzt voraus, dass es klare Richtungsanzeigen gibt – und solche klaren Richtungsanzeigen, die haben wir erreicht.

… was für ein inhaltsleeres Gerede. Was für eine abgehobene Phrasendrescherei. Was für eine Intellektsimulation. Sagenhaft. „Wir haben Richtungsanzeigen erreicht“ – Wahnsinn.

– Aus meiner Sicht will ich hervorheben, dass es klare finanzielle Leitplanken gibt, die die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen mit dem Respekt vor den Grenzen der Belastungsfähigkeit der Menschen verbinden. Auch Entlastungsperspektiven, etwa im Bereich der Stromkosten, werden aufgezeigt.

… ob wohl viele Phantasie nötig gewesen ist, um Entlastungsperspektiven im erweiterten Möglichkeitsraum der Gesprächskonstellation zwischen den klaren Leitplanken etwa bei den Stromkosten aus der hervorgehobenen Sicht aufzuzeigen? Ich meine, wenn es doch alles so neu gewesen ist „im Bund“? War bestimmt saumäßig schwer.

– Wir haben zum Zweiten ein Programm skizziert für die Entbürokratisierung und Entfesselung unseres Landes, damit private und öffentliche Vorhaben wieder möglich werden.

… Grüne und Rote haben dabei darüber bestimmt, welche privaten und öffentlichen Vorhaben das überhaupt noch sein dürfen, stimmt´s?

– Wir wollen uns bemühen um Wettbewerbsfähigkeit auch durch private und öffentliche Investitionen in einem erneuerten sozial ökologischen Ordnungsrahmen der Marktwirtschaft.

… der FDP-Chef hätte sich um einen liberalen Ordnungsrahmen der Marktwirtschaft zu bemünen, nicht um einen „sozial ökologischen“. Pseudoliberale, die den in Phantasialand gängigen Narrativen hinterhecheln, braucht kein Mensch.

Pseudoliberale, die kein Mensch braucht

– Wir wollen einen Neustart für den sozialen Aufstieg erleichtern von Zuverdienstgrenzen bei einem neuen Bürgergeld, über Initiativen in der Bildung bis hin zu Verbesserungen bei der Altersversorgung der Menschen.

… von über bis hin. Alles klar. Zuverdienstgrenzen? – Klasse. Nicht, daß da einer zu viel dazuverdient. Boah, und dann diese „Initiativen“: Ein Wortschatz wie aus dem APO-Duden. Wieso in der Bildung? Wo soll die sein? „Für die Bildung“ wäre es gewesen, Christian. Oma, schnell! Schau, der gelbe Christian! Er will Verbesserungen bei der Versorgung der Alten! Halt, Moment, stimmt nicht ganz. Er will Verbesserungen bei der Altersversorgung der „die Menschen“! Ist der Christian nicht ein feiner Kerl für die nicht mehr ganz so jungen Menschen?

– Und nicht zuletzt haben wir ein gemeinsames Verständnis dafür gewonnen, dass unsere Gesellschaft insgesamt eine Liberalisierungs-Schub benötigt, dass wir eine Modernisierung unserer Gesellschaftspolitik brauchen, dass also wir die Freiheit der Individuen stärken wollen.

… eine Freiheit, die erst von eurem Trio „gestärkt“ werden muß, war von vornherein keine – und wird auch keine werden. „Freiheit der Individuen“ – was soll das sein? Individuelle Freiheit? Gäbe es auch eine andere? Daß ihr hinter dem Rücken der Bürger recht geringschätzig über „diese Individuen“ redet, ist ein Verdacht, den ich schon länger habe. Besonders gern vermutlich über „einzelne Individuen“. Beispielsatz: Gut, daß uns der Verfassungsschutz vor diesen Individuen von der AfD schützt.

Wir sind überzeugt nach diesen Gesprächen, dass es lange Zeit keine vergleichbare Chance gegeben hat, Gesellschaft, Wirtschaft und Staat zu modernisieren.

… und ich bin davon überzeugt, daß es alle vier Jahre nach der Wahl das immerselbe Gelaber zu hören und zu lesen gibt.

Mit diesem Mindset: Keine Chance!

Lange Zeit hat es keine vergleichbare Modernisierungschance gegeben wie jetzt.

… na ja, es soll ja angeblich auch keinen vergleichbaren Fortschritt geben. Mit Richtungsanzeigen im erweiterten Möglichkeitsraum sogar. Da wird man um „keine vergleichbare Modernisierungschance“ kaum herumkommen, wenn es etwas werden soll zwischen der klaren finanziellen Leitplanke und den Entfesselungs-Initiativen für die Verbesserung, gelle?

Deshalb wollen wir diese Chance nicht verstreichen lassen.

… wille-walle-wolle. Ihr habt keine Chance. Nicht mit einem solchen „Mindset“. Das läßt sich heute schon anhand der Lindnerschen Rhetorik erkennen.

Unser Sondierungsteam wird den Gremien der FDP am Montag empfehlen, in Koalitionsgespräche einzutreten. Wir glauben, der große Gewinner einer solchen Koalition würde am Ende nicht eine einzelne Partei sein – sondern unser Land.

… mein Sondierungsnerv meldet, daß es außer drei Parteien keine Gewinner geben wird – und daß deren Gewinn an den Futtertrögen der Macht, sehr unterschiedlich verteilt, der einzige – und von kürzester Dauer sein wird. Die FDP wird die erste Partei sein, die komplett draufzahlt – und ich freue mich darauf. Die Marotte, von „unser Land“ zu reden, werden SPD und Grüne dem FDP-Chef gleich als allererstes austreiben.

Es ist wohl so: Jeder der drei verhandelnden Parteien geht es um möglichst viel Macht und Einfluß der jeweils eigenen Partei zum Wohl und Frommen jener Parteifunktionäre, die dann in das kommen, was man früher „Amt & Würden“ nannte. Die Sondierungsgespräche dienten dazu, herauszufinden, wie groß die Kröten jeweils sind, die jeder einzelne zu schlucken bereit ist. Und meinereiner tendiert zu der Annahme, daß Christian Lindner die mit Abstand größte Kröte schlucken würde. Er ist einfach der absolute Krötentyp.

FDP – der Fußpilz Deutscher Patrioten.

5 KOMMENTARE

  1. Beleidigt mir den Lindern nicht.
    Immerhin hat er es mit Charme geschafft, die Bevölkerung, vorgeblich Frauen, nachhaltig über den Tisch zu ziehen. Dabei konnte doch jeder, ich betone jeder, wissen, dass die FDP die einzige jemals existierende Umfallerpartei in Deutschland war und ist. Wie man weiß, sind konträr zum Volk die Fresströge gut gefüllt, ein sich Heranschleichen, wie auch immer war geboten.
    Dass der Wähler das nicht gut findet, ist normal, aber die nächsten Wahlen sind eh erst wieder in 4 Jahren. da wird viel vergessen, und vielleicht steht dann ja sogar kein alter weißer Mann mehr an der Spitze…

  2. Unerträglich: „Wir haben gemerkt, dass die Art und Weise, wie wir uns mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigen, viele Menschen in unserem Land beeindruckt hat.“.

    Mich empört es! Beeindrucken können mich diese Leute längst nicht mehr.

    • Na ja ,die Folgen von derem Tun werden Sie schon gewaltig beeindrucken :Kein Strom,kein Gas,kein Öl,keine Kohle,keine Heizung,kein Auto,kein Haus,kein Fleisch,keine Arbeit,kein Einkommen ,kein etc,.

  3. Wer bei der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ,das die Grünen bereits vor der Wahl als deren Ziel vorgegeben haben ,mitmacht ,muß mituntergehen.Das Ende der FDP ist alternativlos.Merkwürdig ,die FDP scheint nur aus Lindner zu bestehen.

  4. Copyright ist ein angelsächsischer Begriff. Wir verwenden das Urheberrecht und das Verwertungsrecht.

    Als Finanzminister wird Herr Lindner mit der schwarzen Doppel-Null laborieren, um zu verschleiern, dass aufgrund der Schattenhaushalte die Finanzen des Bundes am A… sind.

    Die ignoranten grünen Ideologen haben bereits seit Monaten einen ausgearbeiteten Plan für 100 Prozent „erneuerbare“ Energien, der in den ersten 100 Tagen durch die kommende Bundesregierung auf den Weg gebracht werden soll.

    Das Klimaschutz-Sofortprogramm mit 49 Seiten wurde von 18 Mitarbeitern der Stiftung Klimaneutralität, der Agora Energiewende und der Agora Verkehrswende (Denk- und Politiklabore) ausgearbeitet. Nur zwei Autoren haben ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen. Keiner verfügt über Erfahrungen in der Wirtschaft. Sie waren nur in Hochschulen und in staatlichen Verwaltungen tätig.

    Die Stiftung Klimaneutralität und die Agora-Organisationen werden weitgehend von Stiftungen und staatlichen Zuschüssen finanziert. Diese grünen politischen Berater haben in dem Programm bereits Gesetze für die kommende Bundesregierung unter möglicher grüner Beteiligung vorbereitet.

    Das Klimaschutz-Sofortprogramm, um die BRD in den nächsten 100 Tagen an die Wand zu fahren, ist seit Monaten fertig. Es ist völlig unerheblich, ob und wann Olaf Scholz über Cum-Ex stolpert, der Kurs ist festgezurrt.

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