Im rechten Licht: Wenn Gegendemonstranten Nazis spielen

Linksradikaler „Nazi“ zeigt Hitlergruß in Chemnitz (Foto:Youtube/AfDBielefeld)

Je näher die Wahlen heranrücken, desto härter werden auch die Bandagen, mit denen die Medien kämpfen, um buchstäblich alles ins „rechte Licht“ zu rücken. Da nutzt es auch nichts, auf Falschmeldungen hinzuweisen – denken wir nur an den „Nazi“ von Chemnitz, der sich relativ rasch als stadtbekannter, linksdrehender Provokateur entpuppte, der nach Erreichen des notwendigen Bierpegels richtig warm lief und der Kamera zeigte, wie hoch der Schnee liegt. Obwohl dieser Hintergrund längst aufgedeckt ist, taucht das Bild noch immer als „Beweis“ für angebliche Naziaufmärsche in der sächsischen Stadt auf.

In dieser Woche nun hieß es, am Rande einer Wahlkampfveranstaltung Björn Höckes seien Hitler-Gruß-zeigende Fans – die selbst als „rechts“ attackierte Bild-Zeitung bezeichnete sie gar als „Jünger“ – aufgetaucht. Skandal, Skandal! Die Meldung erschien quer durch den Blätterwald, denn irgendwie hatte man schließlich auch nichts anderes erwartet, oder?
Hatte der Verfassungsschutz zugeschlagen um die AfD zu diffamieren? Oder handelte es sich tatsächlich um ein Nazi-Event? Die Lösung ist weitaus banaler, wie der YouTuber Jonas Künzel herausfand: Der eigentliche Skandal liegt in der Arbeitsweise der beteiligten Journalisten. Wie man am fehlenden Tageslicht im Video sieht, war Björn Höckes Rede tatsächlich längst zuende, als sich der „Grußskandal“ ereignete. Und die Jungs, die sich daneben benahmen, gehörten mitnichten zu Höckes Fans: Es handelte sich vielmehr um ein übrig gebliebenes Häuflein Gegendemonstranten, das – mit einem AfD-Fähnchen ausgestattet, Nazi spielte.

Nur schlechte Recherche? Konnte man als erfahrener Medienschaffender wirklich nicht erkennen, was hier tatsächlich vor sich ging? Wohl kaum. Auch den Filmenden dürfte nicht entgangen sein, dass das Objekt der Begierde und Skandalisierung längst nicht mehr auf der Bühne stand. Dazu war mit Sicherheit keine aufwändige Recherche nötig.
Darauf reden sich Journalisten allerdings gern heraus, wenn sie beim Schummeln erwischt werden. „Im Internet-Zeitalter müssen Meldungen blitzschnell veröffentlicht werden!“ oder „Sparmaßnahmen in den Redaktionen verhindern gute Hintergrundrecherche“ mögen in manchen Fällen zutreffende Begründungen sein, reichen aber nicht aus, um den Belastungseifer zu erklären. Beim Attentat von Würzburg etwa dauerte es Tage, bis Details veröffentlicht wurden – man wolle keine Vorurteile schüren und zunächst abklären, was genau geschehen war. Es geht also, wenn man denn nur will und das Ziel Vertuschung heißt.

Das Ziel heißt Vertuschung

Es ist Krieg, wenn auch nur medialer, und bekanntlich stirbt die Wahrheit im Krieg zuerst. Die Dämonisierung der Gegenseite ist dabei ein Klassiker, der schon im römischen Bürgerkrieg Anwendung fand: Aus der eher burschikosen Kleopatra etwa wurde eine betörende Sexgöttin, um Julius Caesar daheim in Rom als heimatvergessenen Ehebrecher darzustellen, der die Interessen des Imperiums im Bett vergaß. Im deutsch-französischen Krieg wurden fleißig die Vorurteile des einen Volks über das andere geschürt: Schmuddelige Franzosen, grobschlächtige Deutsche, man schenkte sich nichts. Der Zweck ist unschwer zu erraten: Die Hemmschwelle, die Gegenseite zu attackieren, sollte auf Null sinken.
Früher lag diese Aufgabe oft in den Händen erfahrener Propagandisten, aber natürlich eigneten sich Zeitungen als Massenmedium besonders dafür. Und vor den Zeitungen machten Flugblätter mit gedruckten Karikaturen die Runde – auch dabei ging es häufig darum, dem Opfer sexuelle Verfehlungen anzuhängen: Katharina von Bora als entlaufene Nonne regte die Fantasie der Menschen nur wenig subtiler an als eine Nackedei-Show bei RTL2.

In einer Zeit, in der Sexualität schon im Vorabendprogramm stattfindet, braucht es einen anderen Prickelfaktor – und dazu taugen Nazi-Fantasien allemal. Sie sind längst Teil der Popkultur. Ein bisschen Hitler geht immer und Nazi-Schurken erst recht (wobei diese auch des öfteren Sadomaso-Fantasien bedienen). Ich möchte wetten, dass Björn Höcke weit seltener als Projektionsfläche genutzt würde, wenn er von kleiner, fülliger Statur wäre. Bei Alice Weidel sieht es ähnlich aus.

Aber um Realität geht es ohnehin nicht. Ziel ist längst nicht mehr die Aufdeckung von Skandalen, sondern deren Erschaffung. Es geht auch nicht um legitime Kritikpunkte – es geht um den Abbau von Hemmungen und die Preisgabe von Menschen an die sensationslüsterne Menge. Mögen dabei auch moderne Kommunikationsmittel zum Einsatz kommen – der Geist dahinter ist uralt.

4 KOMMENTARE

  1. Tagtäglich empören wir uns über Artikel der Mainstream Medien, über Falschdarstellungen, über Unterlassungen, über Propaganda und Hetze. Wir leben mit der Verzerrung der Wirklichkeit, leben mit Lügen und Provokationen. Wir leben in einer Diktatur der Meinungshoheit der Politik und Medien, für welche es keine Gerichtsbarkeit gibt. Judikative, Legislative und Exekutive sind ideologisch „gleichgeschaltet“ und per Gesetz in einem geschlossenem System unanfechtbar. Es gibt keine Gesetze, die Falschmeldungen der Journalisten verbieten, kein Untersuchungsausschuss gegen verbrecherische Politik. Nach dem Prinzip Davide et impera werden Gesinnungen, Meinungen. Haltungen, Einstellungen und Wissen manipuliert. Das ist fundamental für den Erfolg der Manipulation. Im Denken der Bevölkerungen existiert keine Vision einer gesellschaftlichen Alternative. Nach der ideologischen Zerschlagung der sozialistischen Staatengemeinschaft und der Idee des Sozialismus /Kommunismus als alternative Gesellschaftsform gibt es keine neuen Visionen, wonach der Mensch streben könnte. Schlichtweg fehlen die Vordenker, die Philosophen, es fehlt der humane Geist, welcher zu einer Erneuerung der Gesellschaften führen könnte, die Menschen in ihrem Bestreben vereint. Eine Korrektur des alten Systems ist nicht möglich – Kapitalismus birgt immer den Wandel zum Faschismus in sich. Adorno „Es gibt kein richtiges Leben in einem falschen“. Die „Herrschenden“ haben eine Vision, sie wissen genau, was zu tun ist, um im Geist der Bevölkerungen ein ideelles Vakuum zu schaffen und zu erhalten. Wir leben in einer geistigen Kleinkrämerei, wehren uns gegen Angriffe, Einschränkungen, Ungerechtigkeiten – jeder für sich. In der Bevölkerung herrscht das Prinzip „Jeder gegen Jeden“. Das Prinzip des anerzogenen und ausgeprägten Individualismus bestimmt unser Denken, kollektives Denken landete gemeinsam mit der Idee des Christentums und der Idee des Kommunismus auf dem Müllhaufen der Geschichte. Jene Alternativlosigkeit bestand auch zur Zeit des 30 jährigen Krieges, als jeder gegen jeden kämpfte, jeder gegen jeden denunzierte, als Hexe, Hexer oder Ketzer angezeigt wurde. Wenn wir uns gegen die Allmacht der Medien und Politiker wehren wollten, bräuchten wir zunächst ein Ziel, für welches es sich lohnt, zu kämpfen, für welches es sich lohnt, die Wirklichkeit der Geschehen zu kennen und verbreiten. Ohne Begeisterung der Menschen für eine neue Idee eines gesellschaftlichen Miteinanders findet sich auch kein offener Geist für die Wahrheit. Dann werden wir ewig in geistigen Enklaven existieren und jederzeit manipulierbar sein.
    Wer heute nicht selbst recherchiert bleibt auf der Strecke. Wer der allgemeinen Berichterstattung folgt, den kann man nur noch als mind controlled bezeichnen. Wer sein eigenes Denkvermögen an der Garderobe abgibt und sich mit dem Strom der Masse treiben lässt, hat keine eigene Meinung. Denn er übernimmt, was ihm vorgesetzt wird. Er schluckt den Köder, der ihm durch stete Wiederholung immer schmackhafter erscheint. Auch der scheinbar Intellektuelle durchschaut das Spiel oft nicht, denn was nicht sein kann, darf nicht sein. Diese „Gutmenschen“ glauben alles, was man ihnen vorsetzt und halten für Verschwörung, wenn jemand anderer Meinung ist und die Dinge hinterfragt.

  2. Wann kapiert es der schlauste Journalist, die Nazis waren linke Dreckssozialisten!
    Die dümmsten Journalisten, also alle anderen, können das nicht verstehen.
    Genau so, wie mein Kanarienvogel, der kommt da auch nicht mit!

  3. Jep,und wer keine Tomaten auf den Augen hat,der weiß schon lange WER die vielen Hakenkreuze überall hin schmiert ! Und das die Altparteien den Nerv haben eine lesbische Frau,die mit einer dunkelhäutigen Frau deren Söhne großzieht noch in die rechte Ecke zu schieben,sagt mehr über die Altparteien aus als über Frau Weidel. Klar will man jemanden der die Faust in die Wunde legt schlecht machen.Aber hier zeigt sich nur,was das entEierte Parlament nicht mehr zustande bringt.Ich bin selbst eine Frau mit Mig-Hintergrund,und werde ganz klar die AFD wählen.ALLE INTEGRIERTEN würden das tun! Siehe Feroz Khan auf Achseostwest.

  4. So, auf diese perfide Art und Weise führt man die Alten, die als kleine Kinder noch den Krieg erlebt haben, hinter die Fichte ! Ich kenne das von zuhause – wenn einer im Fernsehen „Nazi“ ruft, klingeln bei meiner 84 jährigen Mutter sämtliche Alarmglocken ! Das ist wie ein Affekt ! Und die Altparteien, hauptsächlich die GROKO, wissen das, daß man SO die Alten ganz einfach manipulieren kann. Ich habe schon wie oft versucht zu erklären, daß die heutige SPD ( Mutters Stammpartei seit 1954 ) NICHT mehr die Partei von Willy Brandt und Helmuth Schmidt ist sondern ein ultralinker Haufen von Esken und Kühnert ! Vergeblich ! Man muß es leider so sagen, erst wenn diese Generation nicht mehr da ist, wird sich das hoffentlich ändern .

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