Ist die Deindustrialisierung Deutschlands noch aufzuhalten?

„Was, hier wurde mal produziert?” Leerstehende Werkshalle in Deutschland (Symbolbild:Imago)

Um es vorwegzunehmen: Die drohende Deindustrialisierung hat schwergewichtig die Vorgängerregierung Merkel zu verantworten. Diese Hypothek wurde als „Erbe“ durch die Ampel-Koalition übernommen. Der Ausstieg aus der Atomenergie, bevor auch nur ansatzweise alternative Energien zur Verfügung stehen, kann nur mit den Prädikaten „übereilt”, „unüberlegt”, „dumm” und „verantwortungslos” belegt werden. Wer jedoch glaubt die neue Regierung, mit der ach so riesigen Wirtschaftsexpertise der FDP, würde diesen Schlamassel korrigieren, irrt. Im Gegenteil: Sie baut diesen Schlamassel sogar noch aus. Die Annahme, dass die ökonomische „Kernkompetenz“ der FDP helfen würde, die ideologiegetriebenen Phantasten der Grünen in Schach zu halten, hat sich als fataler Irrglaube erwiesen! Einzig dem geforderten Tempolimit auf Autobahnen konnte sie sich widersetzen – dank des Porsche-Freaks Lindner.

Zur Zeit agiert diese Regierung primär allenfalls durch Identifizierung und anschließende Vernebelung von Problemen, durch Bevormundung der Bürger und mittels Verboten. Was die harten Fakten anbelangt, bleibt sie jedoch stur und setzt ihre Geisterfahrt fort: Am 15. April 2023 sollen die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen, ab 2035 werden die Verbrennungsmotoren verboten, zwischen 2030 und 2038 sollen die Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Ab dem Jahre 2045 soll als Letztes auch das Gas als Energieträger wegfallen. Ersetzt werden sollen diese fossilen Energieträger durch die „Erneuerbaren”. Diese decken derzeit, Stand Dezember 2022, ausweislich der Arbeitsgemeinschaft für Energiebilanzen e.V. gerade einmal 17,2 Prozent des Primärenergieverbrauches ab (gerade einmal 5,5 Prozent entfallen dabei auf die Solar- und Windkraftwerke). Also fehlen immer noch 82,8 Prozent.

Erhöhung der Solar- und Windkraft um den Faktor 15?

Diese heutige Lücke soll nun in nur 23 Jahren mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien geschlossen werden. Um dieses abenteuerliche Unterfangen zu realisieren, müsste die Menge der heutigen Solar- und Windkraftanlagen mindestens um den Faktor 15 erhöht werden. Dabei sind Reserven für die wetter- und windtechnischen Risiken, welchen derartige Anlagen ja unterliegen – Stichwort Flatterstrom -, noch gar nicht berücksichtigt, weil jede Infrastruktur an Speicherkapazitäten und erforderlichen neuen Hochspannungstrassen fehlt. Und selbst wenn es sie bis dahin gäbe, wäre damit lediglich der heutige Strombedarf abgedeckt. Die unverdrossen weiterbetriebene vollständige Elektrifizierung des Verkehrs, die Umstellung der Industrie – weg vom Gas, hin zu „nachhaltiger“ Energieversorgung – und die Umstellung der Heizungen auf Wärmepumpen werden bis dahin laut Experten allerdings mindestens eine Verdreifachung der Stromnachfrage mit sich bringen.

Eine der größten und unsichersten Variablen ist dabei die Stromspeicherung. Wie groß muss die Menge an zu speicherndem Strom denn sein, um das Netz stabil zu halten und die naturbedingten Lücken zu schließen? Der kalkulatorische Bedarf an Strom würde sich auf rund 40 Petajoule belaufen – das entspricht einer Größenordnung von mehr als 11 Milliarden Megawattstunden. Rechnet man mit einer zu speichernden Menge von nur 10 Prozent, müssten demnach rund eine Milliarde Megawattstunden gespeichert werden. Der größte Energiespeicher Europas, das Kraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz, speichert gerade mal 50 Megawattstunden – und hat schon über 25 Millionen Euro gekostet. Also müsste man diese Anlage 20 Millionen mal (!) bauen – was rechnerisch eine Summe in der Größenordnung einer halben Billiarde (500 Billionen) Euro bedeuten würde. Völlig utopisch – selbst dann, wenn irgendwann günstigere Speicherlösungen zur Verfügung stehen sollten: Selbst bei einem Tausendstel dieser Kosten landet man immer noch bei rund 500 Milliarden Euro.

Pragmatische Übergangslösungen sind dauerhaft nicht „ideologiefest”

Deshalb muss festgestellt werden, dass die vielbeschworene Versorgungssicherheit – jedenfalls nach heutigen Maßstäben und technischen Voraussetzungen – nicht gewährleistet werden kann. Die einzig denkbare Alternative wäre (neben einer Rückkehr zum Ausbau der Atomkraft), Gas- und Kohlekraftwerke weiterhin zu betreiben, so dass sie im Not- oder Bedarfsfall sofort in Betrieb genommen werden könnten – wie es mit grünem Segen derzeit, in der vor allem selbstverschuldeten „Energiekrise“ und unter Verweis auf den Krieg in der Ukraine, ja auch geschieht. Ob diese angebliche „Übergangslösung“ allerdings noch mit den Ideologiephantasten der grünen Basis zu bewerkstelligen ist, wenn daraus dann doch eine Dauerlösung werden soll, ist mehr als ungewiss.

Für den Industriestandort Deutschland sind diese Aussichten desaströs. Den Unternehmen fehlt jede Planungssicherheit. Wie wir heute schmerzlich sehen, gehen die Energiepreise durch die Decke. Zudem kommt, dass Deutschland bezüglich natürlicher Ressourcen ein armes Land ist. Die deutsche Industrie muss sich also darauf einstellen, nicht nur temporär, sondern permanent weit mehr für Energie bezahlen zu müssen als ihre Konkurrenz in Asien und Amerika. Dazu kommt, dass die Energie selbst nicht vor Ort verfügbar ist: Sie muss herbeigeschafft oder importiert werden, mit allen damit verbundenen Risiken – Nord Stream 1 und 2 lassen grüßen.

Abwanderung der Industrie wohl unvermeidlich

Die zwingende Folge: Energieintensiven Industriebetrieben wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als sich nach anderen Standorten umzusehen, um irgendwie wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Subventionierung der Energie („Doppel-Wumms”) wird auf Dauer nicht durchführbar sein. Folglich wird sich die traditionelle deutsche Industrie – neben dem Mittelstand der entscheidende Garant von Wohlstand und sozialem Frieden, der Deutschland nach dem Krieg zu einem der reichsten Länder der Welt gemacht und einen hohen sozialen und Lebensstandard erst ermöglicht hat – wohl verabschieden müssen. In dem Maße, wie diese Entwicklung Fahrt aufnimmt, werden wiederum die Steuereinnahmen ausbleiben. Bürger und Neubürger, die sich an die Wohltaten des Subventions- und Sozialstaates gewöhnt haben, werden dann den Gürtel deutlich enger schnallen müssen; mit allen sich daraus ergebenden Folgen.

Zur Zeit ist bezüglich dieses Szenarios weit und breit keine Lösung in Sicht. Durchhalteparolen helfen hier nicht. Wünschenswert wäre es, endlich die klügsten Köpfe des Landes – und die sitzen nicht in den Ministerien – in einer Taskforce zu vereinen, um dieser wirklich existentielle Krise zu begegnen. Doch weil nichts dergleichen geschehen wird, steuert eine schlafwandlerische Politik das Land unweigerlich auf den Abgrund zu.

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18 Kommentare

  1. Seit die rotbunte Regierung an der Macht ist, geht es rassant in den Keller. Fast jede Branche stöhnt unter den immer irre werdenden Bestimmungen und Regelwerken.

    Für Soloselbstständige bleibt kaum noch genug zum Leben und die Handwerker müssen die Mondpreise im Handel weitergeben. Die hausgemachte Inflation und die Mangelwirtschaft zollen bei jedem Tribut.

    Arbeiten lohnt sich sowieso nicht mehr. Insofern geht es hier nicht um eine Deindustialisierung, sondern um den Abgesang der handwerklichen Arbeit insgesamt.

    Wer in Deutschland händisch arbeitet ist der Arsch auf dem die selbsternannten Kopfarbeiter sitzen und sich beschwehren, weil es hier nach Scheiße riecht. Deshalb ist die Arbeiterklasse igitt. Lieber studieren mit irgendwas mit Medien, als die Straße kehren.

    Auch deshalb sollen die, die noch händisch arbeiten, bis 70 weiterarbeiten, damit sich die Kopfarbeiter blos nicht die Hände schmutzig machen und die Pensionen weiter reichlich fließen.

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  2. Gegenfrage, was bringt es überhaupt noch, seine Meinung
    kund zu tun?
    Absolut nichts, denn damit ändert sich die faschistische Politik
    nicht und die Ar…l….. machen eh weiter, weil die Meinung
    der Masse des Volkes denen am Ar… vorbei geht.

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  3. Nein! Die Deindustrialisierung Deutschlands ist längst beschlossen worden und wird durch die jetzige Regierung, die man bewusst dorthin installiert hat, vollzogen.

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  4. Morgentau wollte 1945 Deutscland in einen Agrarstaat umwandel.
    Das hatte er nicht erreicht.
    Nun ist es so weit.
    Das einzige Werkzeug, das die Deutschen dann haben: eine Sense!

  5. Wir schaffen das ! Nun, Schatz trete mal fester in die Pedalen, ich will mir noch die Neujahrsansprache anhören.

  6. nö ist nicht mehr aufzuhalten, schon lange nicht, da die Meisten Grün Kommunistisch sind, zu blöde sind um zu begreifen was WEF ist und Beispielsweise selbst als Ingenieur in der Autoindustrie Grün wählt. Das ist schon lange nach 12 und geht seinen Gang, da gibts keinen Zweifel mehr. also von daher nur eine rhetorische Frage, im Grunde überflüssig, da die Antwort schon länger offensichtlich ist…

  7. Bevor man weiterhin die These vom „menschengemachten Klimawandel“ als Mantra, gar als einzige Ursache, durch die weltweiten und vor allem deutsche Gefilde blökt, sollte man einmal untersuchen, was es mit der sich seit einigen Jahren verschiebenden Erdachse, der verändernder Sonnenstrahlung und der Wolkenbildung, samt „Windflüssen“ auf sich hat!

    Alle diese – und womöglich auch noch andere – Aspekte haben nachgewiesenermaßen komplexe Auswirkungen auf das Erdklima. Bekanntlich gab es auch deutliche Schwankungen im Laufe der gesamten Erdgeschichte, so dass im 19.Jahrhundert schon mal weniger Gletscher vorhanden waren als heute. Hannibal ist nach neuer Forschung „im Grünen“ über die Alpen gezogen und Grönland heißt auch nicht so, weil es dort Schnee und Eis gab. Heute wird die Arktis wärmer, aber die Antarktis deutlich kälter. Von letzterem hört man natürlich auch nichts, da auch dies der herrschenden Ideologie widerspricht. Nur eines dürfte feststehen: Mit dem weltweiten Umfang/der Ausdehnung an Wäldern hängt sehr viel mehr vom Klima ab als von der Nutzung von Gas und Öl.
    Und da sehe man sich auch einmal den „Flächenverbrauch“ durch Infrastrukturen (Städtebau, Autobahnen, Windräder! etc.) und die weltweite riesige Monokulturen an. Allesamt durchaus „satte Erhitzer“! – Steht dem eine ausgleichende Aufforstung gegenüber ? Gewiss nicht, und mit dieser Erkenntnis ist man schon weiter als viele „Wissenschaftler“ mit ihren gekauften „Klimaprognosen samt Ursachenzuschreibungen“!

    Gegen eine „ergebnisoffene Untersuchung“, was denn nun mit welchem Anteil zur Erderwärmung beiträgt, ist gewiss nichts einzuwenden. Aber leider ist die Wissenschaft heute längst nicht mehr so frei, wie man uns glauben machen will. Corona und das gesamte Drumherum ist das aktuelle, beste Beispiel für manipulierte „Wahrheiten“, wie sich demnächst immer deutlicher abzeichnen wird. Früher war es vor allem die Religion, die sich als Hemmschuh aller wissenschaftlichen Forschung entgegenstellte, heute sind es die zahlungsmächtigen „Ideologen“ – aus welchen Gründen sie auch meinen, eine Strategie durchsetzen zu dürfen, sollen oder müssen -, die einfach die Wissenschaft und damit das Bild der Öffentlichkeit von ihrer Welt kaufen können.

    Und eines steht ohne all diese Bedenken ohnehin fest: Eine gesicherte Grundlage für die gegenwärtige, gar noch durch den angeblich gerechtfertigten Ukraine-Krieg (aus Sicht der Sanktionierer und Waffenlieferer) übereilte Geisterpolitik (Weg von Öl, Gas und Atom), die die einschneidenden und verdummenden Maßnahmen rechtfertigen könnte, gibt es einfach nicht. Schon die einfachsten Wahrscheinlichkeitsrechnungen lassen die politischen Führungsriegen in strahlender Blödheit erleuchten. Und Deutschland ist dabei vor allem nicht der Kopf der Welt, der alles steuert, sondern eher das, was sich in der Mitte des Körpers hinten befindet …

  8. Stromspeicherung?
    Also, der Strom wurde – so die „Grünen“ – bis vor kurzem noch im Netz gespeichert.
    Als dann den „Grünen“ ihre „Der-Strom-wird-im-Netz-gespeichert“-Blödheit deuchte, wurde die „Wasserstoffwirtschaft“ erfunden. Die gibt es zwar nirgends auf der Welt (und nach dem, was man chemisch und physikalisch über Wasserstoff weiß, wird es auch keine mit akzeptablen Wirkungsgrad geben), aber das stört einen bornierten Grundsatz-Ideologen nicht.
    Das Ulkige ist: Wenn der Strom gemäß der „Grünen“-Blödheit wirklich im Netz gespeichert werden könnte, dann würde deren (auf dieser Blödheit beruhende) bemerkenswert weit getriebene (!) „Energiewende“ funktionieren. D.h. die „Wasserstoffwirtschaft“ (dieser aufgeblasene, virtuelle Hoffnungsträger) wird auch gebraucht, damit sich nicht eine ganze Nation eingestehen muss, auf welch außergewöhnliche Blödheit sie reingefallen sind bei der Verschandelung ihrer Natur- und Kulturlandschaft und der exorbitanten Verschleuderung von Steuergeld.

  9. @ Diese Hypothek wurde als „Erbe“ durch die Ampel-Koalition übernommen.

    Das ist für die Ampel keine Hypothek, sondern Fortführung ihrer Wünsche und Ziele !

  10. „Die einzig denkbare Alternative wäre (neben einer Rückkehr zum Ausbau der Atomkraft), Gas- und Kohlekraftwerke weiterhin zu betreiben, so dass sie im Not- oder Bedarfsfall sofort in Betrieb genommen werden könnten … “

    Ich kann mich täuschen, aber ich habe einmal gelesen, dass das Zuschalten von Kohle/Gas bei Bedarf nicht so einfach ist. Man kann nicht einfach nur einen Schalter umstellen oder einen Knopf drücken. Im Buch „Blackout“ ist genau beschrieben, wie Kraftwerke durch Computer austariert werden müssen, um die entsprechende Spannung zu halten. Ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger, kann sehr schnell zum Zusammenbruch des Stromnetzes führen. Ich drücke das mal recht laienhaft aus.

  11. Machen wir uns nichts vor: die ganze erneuerbare Energie ist bis jetzt nur dazu gut einen gewissen prozentualen Anteil am Strommix beizusteuern. Wobei natürlich Windräder und ähnliches extrem unökologisch aufgebaut sind und hinterher ebenfalls schwer zu entsorgen, von den Schmierstoffen und Elektromotoren mal ganz zu schweigen. Wer solche Pläne macht, hat keine technische Ausbildung, kennt ökonomische Zusammenhänge nicht. Lieferketten, Rohstoffe und Recycle Möglichkeiten ebenso wenig. Was uns hilft, und uns als Ingenieursnation auszeichnen würde, wäre intensive Forschung in neue atomare Energieformen, Kern-Fusionsforschung, Forschung nach alternativen Kraftstoffen bei gleichzeitiger Beibehaltung unserer bestehenden Kohle-, Gas- und Kernkraftwerken!
    Wir waren immer abhängig von ausländischen Energielieferanten! Also warum der Bohai neuerdings, dass wir von Russland so unglaublich abhängig wären? Jetzt sind wir von Amerika abhängig: Unsouverän, ein Versallenstaat und gesegnet mit fünf Mal teurerem und wesentlich dreckigerem Fracking Gas, eine Alternative, die die Grünen bis vor kurzem weit von sich gewesen hätten, genauso, wie die Lieferung von Waffen in Kriegsgebieten.

  12. „Bürger und Neubürger, die sich an die Wohltaten des Subventions- und Sozialstaates gewöhnt haben, werden dann den Gürtel deutlich enger schnallen müssen“ – eben nicht! Die steuerzahlenden Bürger werden ihre Gürtel bis ins letzte Loch verkürzen müssen. Und welche Kosten der Subventionswettbewerb um Industrieansiedlung bzw. -erhalt mit unseren Freunden, die uns die Energieversorgung weggebombt haben mit sich bringt, wird einer Mehrheit der „normalen“ Leuten die Tränen versiegen lassen.

  13. @IST DIE DEINDUSTRIALISIERUNG DEUTSCHLANDS NOCH AUFZUHALTEN?

    Will denn jemand in entscheidender Stelle die De-Industrialisierung aufhalten ?

    Ich meine : Nein !
    Weder die US-Stichwortgeber noch unsere Politik will sie aufhalten – im Gegenteil, sie fördern sie nach Kräften.
    Die Sprengung der Pipelines war dabei ein großer Erfolg !

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