Kanzleramt-Protzbau: Alptraumhaftes politisches Preis-Leistungs-Verhältnis

Es reicht nicht, es reicht noch lange nicht: Aktueller Habitus des Kanzleramts (Foto:Imago)

Es begann mit Helmut Kohls Geltungsbedürfnis und Gigantomanie, sich persönlich – kaum der Enge des provinziellen Bonner Kanzler Bungalows bzw. des Palais Schaumburg entflohen – in der alten/neuen Hauptstadt Berlin eine gebührende Machtzentrale zu errichten. Unter seinen Nachfolgern wurde das überdimensionierte Kanzleramt weiter ausgebaut. Und nun setzt die Scholz-Regierung mit der (bereits unter Merkel vorbereiteten) nochmaligen Vergrößerung des Kanzleramtssitzes zur dann mit weitem Abstand voluminösesten Regierungszentrale der Erde die unheilvolle Tradition fort, die mit Albert Speers „Neuer Reichskanzlei“ in Berlin ihren  Anfang genommen hatte. Ob Hitlerdeutschland oder Buntland: Wann immer die Mächtigen das Selbstverständnis durchdringt, im „besten Deutschland, das es je gegeben hat“ zu leben – ob im Jahr 1936 oder im Jahr 2022 -, gehen mit ihnen die Gäule durch, und es drängt sie nach baulicher Verewigung.

Weder Krieg noch Energiekrise noch Inflation können die deutsche Regierung davon abhalten, die ihr angemessen erscheinende Verwaltungszentrale des Großkotz-Kanzleramterweiterungsbaus zu errichten. Wie nun bekannt wurde,
steigen die ohnehin schon grotesk hohen Kosten für den Ausbau allerdings deutlich höher, als bereits befürchtet wurde: Waren sie bislang mit rund 600 Millionen Euro veranschlagt, so sollen sie nun nochmals um etliche Millionen steigen. Wie ein Regierungssprecher auf „Bild”-Anfrage mitteilte, führt an dieser Kostenexplosion angeblich kein Weg vorbei. Die vermeintlich alternativlosen „Notwendigkeiten” umfassen neben 400 neuen (!) Büros einen Hubschrauber-Landeplatz auf Stelzen und eine eigene Kindertagesstätte, um die Work-Life-Balance der Bediensteten zu pampern. Hierzu wird nun eine Planänderung vorgenommen, wonach das alte Kanzleramt mit dem Neubau nicht mehr durch eine Brücke über die Spree, sondern durch einen unterirdischen Tunnel verbunden werden soll.

Hitlers und Speers „Neue Reichskanzlei” lässt grüßen

Nach dem „Preisstand 1. Quartal”, wie der Sprecher sich ausdrückte, wird dies noch einmal 20 Millionen Euro verschlingen. Natürlich wird es dabei nicht bleiben. Die überall explodierenden Kosten werden das Vorhaben weiter verteuern, und da es sich um einen Bau handelt, der im desolaten Berlin errichtet wird, muss mit erheblichen Zusatzkosten und um viele Jahre überschrittenen Fristen gerechnet werden. Damit nicht genug, soll auch noch ein „naturschutzrechtlicher Ausgleich“ vorgenommen werden, da auf der Fläche des neuen Kanzleramts mehrere Bäume gefällt werden müssen. Darum will die Regierung Bäume verpflanzen und im Berliner Bezirk Lichtenberg die „Renaturierung einer Grünfläche“ vorantreiben. Alleine dafür und für weitere Baumaßnahmen wie Dach- und Fassadenbegrünung und die öffentliche Erschließung der Südbrücke will die Regierung weitere 10,5 Millionen Euro verschwenden.

Zum neuen deutschen Größenwahn, der der Welt in allem ein leuchtendes Vorbild sein will, gehört es offenbar, die bereits jetzt größte Regierungszentrale in einer an finstere Zeiten erinnernden Megalomanie durch einen stetig weiterwuchernden Monsterbau zu vergrößern, an dem der bereits erwähnte Speer seine helle Freude gehabt hätte. Weniger euphorisch zeigte sich der Chef des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, der erklärte: „Das gesamte Baukonzept passt nicht in diese Zeit.“ Der Anbau sei zu teuer, zu groß und ökologisch zweifelhaft.

Merkels unseliges Erbe

Thorsten Frei, der Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, sagte, angesichts von Inflation, Krieg und Gasknappheit passe „eine Kostenexplosion im Kanzleramt und ein Ausbau zur größten Regierungszentrale der Welt nicht ins Bild“ – wobei er die Urheberschaft der irrwitzigen Pläne unter seiner CDU-Kanzlerin Merkel unterschlägt.

Der Bundesrechnungshof geht von weiteren versteckten Kosten aus. Damit lässt sich schon jetzt konstatieren: Nie wurde in Deutschland für so wenig politischen Output – im Sinne von produktivem Nutzen und politischer Leistung – so viel Geld zum Fenster hinausgeschmissen. Alleine der Neubau wird mit einer Nutzfläche von 25.000 Quadratmetern ebenso groß wie das jetzige Kanzleramt. Dass man weiter daran festhält, wird unter anderem mit „akutem Büromangel“ begründet. Unter Merkel war die Zahl der Mitarbeiter von 460 auf 750 erhöht worden. Dieser Trend soll sich offenbar fortsetzen. Wenn die Ampel-Regierung ihren Kurs weiterfährt, werden die neuen Mitarbeiter, wie die alten, jedenfalls nur noch den Mangel zu verwalten zu haben. Doch dafür kann man in dem Land, in dem Beamtentum und öffentliche Jobs auf safe-play-Basis die beliebtesten Karriereziele darstellen, nie genug bekommen.

13 Kommentare

  1. relativ harmlos.
    wesentlich kostenintensiver sind die Ausgaben für die Schmarotzer aus Afrika, Orient, Asien.
    Da sollte mal der Rotstift angesetzt werden.

  2. „Unter Merkel war die Zahl der Mitarbeiter von 460 auf 750 erhöht worden. Dieser Trend soll sich offenbar fortsetzen. “

    Unter dem „guten alten“ CDU/CSU Vorsitzenden F. Merz würde sich auch kaum etwas ändern. Merz ist zu einem Merkelianer mutiert und zwar schon vor ca. 2 Jahren. Merz ist ein großer Fan der feministsichen Außenpoilitikm geworden.
    https://jungefreiheit.de/politik/2022/merz-ist-jetzt-fan-der-feministischen-aussenpolitik/

    Er will in der CDU/CSU tortz des großen Widerstandes eine Frauenquote einführen und er ist ein großer Fan der Grünen Politik und der grünen Transformation (laut Journalistenwatch).
    Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass all die westlichen Politiker, die in Westdeutschland sozialisiert wurden (vor allem in der CDU/CSU/SPD) den Zerstörungskurs von Merkel immer mitgetragen hatten und dabei sogar die Merkel verteidigten und bei Parteitagen ihr immer brav applaudierten.

  3. 630 Mio Euro für 400 weitere Arbeitsplätze, das macht 1,5 Mio € pro Arbeitsplatz. 400 Luxus-Villas von unserem abgepressten Steuergeld.
    Schlesinger ist dagegen ein armes Waisenkind.

  4. die „Neue Reichskanzlei“ -optisch mit klaren Linien und wertigen Materialien durchaus ansprechend- hatte tuttocompletto 90 Mio. Reichsmark gekostet. Kann man ungefähr x 4,1 nehmen, zur Umrechnung in Euro. Also deutlich billiger, als das heutige Gedöns.

  5. Ist es nicht erstaunlich? Alle paar Jahrzehnte erblüht in deutschen Polit-Herrscherkreisen der Größenwahn, gepaart mit dem Drang andere Nationen als minderwertig und vernichtenswert darzustellen. Bemerkenswert, aktuell sind es wieder die Slawen – konkret die Russen – die in westliche und deutsche Ungnade gefallen sind. Aber auch andere osteuropäische Staaten werden (aus)genutzt, um diese Ziele zu erreichen. Besonders die Ukrainische Bevölkerung soll wohl verheizt werden? Besonders auch die EU nimmt neben dem „Marionettenboss“ USA, unter Führung der Eliten – NGOs, Philanthropen etc., eine ähnliche Rolle ein.

  6. Es ist das Zeichen erfolgreicher Diktaturen und grottenschlechter Demokratien: Es geht alles Maß verloren!

    Je kleiner das eigene intellektuelle Angebot, desto größenwahnsinniger die Bauvorhaben (Stuttgart 21, u.v.a.m.) und die personelle Ausstattung:
    Ein Parlament aus derzeit 736 Abgeordneten, die innerhalb ihrer Parteien dem Fraktionszwang unterliegen; eine Aufblähung mit Staatssekretären und anderen Taschenträgern mit Bestbezahlung; gleichzeitig ins Uferlose schießende Anzahl an Beraterverträgen für jeden Mist aus Scheu vor eigener Verantwortung; Lobbyismus und Nebenverdienste als Beschäftigungstherapie und Freizeitspaß usw.).

    Das deutsche Volk hat nicht mehr den geringsten Überblick über das, was sich die Regierenden und Selbstversorger auf seine Kosten alles leistet.
    Wahlen tragen dazu bei, dass sich im Rahmen des Partenspektrums Verschiebungen ergeben, aber sie tragen auf keinen Fall dazu bei, irgendetwas Grundlegendes, Strukturelles, Schwerpunktmäßiges zu verändern.

    Warum wird in Deutschland nicht verstaatlicht, wenn ein angeblich systemrelevanter Konzern oder eine Bank scheitern? Warum dann nicht die Gas-Konzerne (Uniper) verstaatlichen als mit Umlagen diese zu retten und damit allein deren Gewinne in Zukunft sichern? Die Bezeichnung „systemrelevant“ sollte man genau so verstehen, und genau so für das System sichern.
    Doch stattdessen immer: Gewinne privatisieren, Kosten und Pleiten sozialisieren (nur was die Kosten betrifft!).
    Ich weiß nicht, ob dies bei einer früheren Regierung in Erwägung gezogen worden wäre, bei dieser heutigen übersteigt dies offensichtlich den intellektuellen Horizont. Vielleicht liegt es diesmal auch nur an dem Banken-Freund O.S.

    • Ein paar Stunden Nachhilfeunterricht in Russland könnten den Herrschaften tatsächlich nicht schaden. Wenn man sich vor Augen führt, wie erfolgreich P… – aber das darf man ja in diesem freimarktwirtschaftsdemokratischen Lande nicht sagen.

  7. Ein unterirdischer Tunnel, statt einer Brücke? Das wird bestimmt der neue Führer-Bunker.

    Na hoffentlich pfuschen die Baufirmen wie beim BER, dann bleibt es eine ewige Baustelle.

    • Die kommen wahrscheinlich gar nicht mehr zum Pfuschen, weil sie sich den Sprit für ihre Baufahrzeuge nicht mehr leisten können.

  8. Der Größenwahn eines Adolf Hitler schlägt erneut zu!
    Jagd diese Pseudoregierungsidioten endlich zum Teufel!

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