Liberalismus und die Überprüfung der sogenannten Aufklärung

Der Mensch und seine roboterhafte Selbstentfremdung (Symbolbild:Pixabay)

Erst einmal will ich den Zahn ziehen, der die Kommunisten als „Linke” darstellt und die Nazis als „Rechte”. Verschiedene Köpfe haben darüber schon gegrübelt und das ausgearbeitet. Es wird weiterhin verschleiert, dass die Nazis National-„Sozialisten” waren, und der Faschismus eine wirksame Vereinigung der Regierung mit den großen Firmen darstellte, der eine Klassenunterscheidung zwischen quasi-aristokratischen Unternehmern und sogenannten Werktätigen forcierte. Und ich will erst einmal erläutern, warum das auch in einem kapitalistischen Kontext Sinn macht.

Es gibt unzählige psychologische Untersuchungen, anhand derer man Menschen beispielsweise in zwei Gruppen unterscheiden kann: Solche, denen viel mehr an Sicherheit gelegen ist und jene, die Unsicherheit als Chance begreifen und die Freiheit als unternehmerische Freiheit verstehen. Ich weiß, dies ist nur eine mögliche Unterscheidung, es gibt viele andere Möglichkeiten der Eingruppierung. Aber es ist meiner Ansicht nach eine wichtige Unterscheidung in Bezug auf die Wirtschaftssysteme, in denen wir uns bewegen. Wir wissen auch, dass Frauen viel mehr an Sicherheit gelegen ist, und Männer eher die Chancen der Unsicherheit ergreifen. Das ist kein traditionelles patriarchalisches Weltbild, sondern ererbte Biologie. Und wer das als Biologismus bezeichnet, will die Realität einfach nicht wahrhaben. Wenn die meisten Unternehmensgründer Männer sind, ist das nicht ein Ergebnis von Unterdrückung oder Diskriminierung, sondern der Normalität auf Basis unserer psychologischen Grundausstattung.

Angst vor echtem Faschismus – aus gutem Grund

Extrem rechts ist nicht ethnischer Nationalismus, nicht die Unterdrückung von Minderheiten, Frauen, Kindern, Rassen, Minderbegabten und vieles mehr, sondern die ungezügelte Freiheit von (vor allem großen) Unternehmen. Extrem rechts ist die Ansicht, dass sehr erfolgreiche Unternehmer eine neue aristokratische, unantastbare Elite darstellen sollen. Und extrem rechts ist der Faschismus (im Unterschied zum National-„Sozialismus”), der die Dominanz der Unternehmer durch eine Regierung/Bürokratie sichert. Das ist meiner Ansicht nach die sinnvollste Definition des heute vorherrschenden Neoliberalismus: Faschismus im neuen Gewand.

Es gibt also keinen Grund, vor sogenannten „Nazis” Angst zu haben, vor allem weil es Neonazis kaum noch gibt und die Wenigen praktisch keinen Zuspruch haben. Es gibt aber guten Grund, vor den Faschisten Angst zu haben. Denn das sind die Eigentümer und Chefs der großen Mega-Firmen, wie z.B. Pfizer, Microsoft, Apple, Amazon sowie allen großen Banken und deren chinesischen und sonstigen internationalen Äquivalenten.

Was der sogenannte „klassische Liberalismus” von John Locke erklärt, ist kein Versprechen, sondern eine Definition der Grundbedingungen für einen modernen Staat. Der Staat soll für die äußere und innere Sicherheit sorgen, die Gesetze, insbesondere für die körperliche und eigentumsrechtliche Autonomie der Bürger sicherstellen. Ansonsten hat laut Locke dieser Staat keine Existenzberechtigung. Ein Staat, der das nicht erfüllt, ist schlechter als eine mittelalterliche Monarchie oder Aristokratie, beziehungsweise als ein Gottesstaat. Mit Demokratie hat das nichts zu tun, sondern mit Rechten und Pflichten der Bürger – und des Staates. Es ermöglicht jedem Bürger – in den Grenzen seiner individuellen Fähigkeiten – als Arbeiter/Angestellter/Bürokrat oder als Kleinunternehmer, als mittelständischer Unternehmer oder als Großunternehmer tätig zu sein. Es ist die Definition von Freiheit im Rahmen einer Meritokratie, anstatt im Rahmen der Willkür einer Aristokratie, Monarchie oder des Klerus.

Liberalismus – das Versprechen von Freiheit?

Doch was wir bekommen haben war der klassische Liberalismus, sondern der Neoliberalismus. Dieser macht Versprechungen. Nämlich, dass etwa der Reichtum der großen Unternehmen langsam herunterträufelt auf die Arbeiterklasse, wenn diese Arbeiter die Klappe halten und einfach mitmachen. Wie das funktioniert, sehen wir derzeit: Erstmal werden die Lebenshaltungskosten erhöht. Dies geschah vorwiegend über die Mieten und die Preise für Wohneigentum. Vermietung ist nun mal eine sehr einfache Methode, leistungsloses Einkommen zu erzielen, auch wenn es in der Regeln nicht an die Profite von Unternehmen oder Aktienspekulanten heranreicht. Des weiteren erhebt man immer höhere Steuern und Zölle. Immer stellte sich aber eine allgemeine Inflation ein, auf die man mit mehr Herunterträufeln reagieren muss. Das ist kein grundsätzliches Problem. 2 – 3 Prozent Inflation sind einfach beherrschbar, aber 7 – 8 Inflation werden doch zum wirklichen Problem, wenn man sie nicht in wenigen Jahren wieder in den Griff kriegt.

Das Versprechen von Freiheit gegenüber dem Arbeiter/Angestellten/Bürokraten ist, dass er sich in Maßen alles leisten kann, was eine gutbürgerliche Existenz sich so wünscht: Eine ordentliche Wohnung, ein brauchbares Auto, genießbares Essen, Urlaub, Freizeitvergnügen und dergleichen. Der Normalbürger, der natürliche Untertan, der Nicht-Unternehmer, der Risikoscheue, der an Sicherheit Interessierte begnügt sich mit einer solchen Existenz. Der Unternehmer, der Spekulant, derjenige der Unsicherheit als Chance begreift, befindet sich in einer anderen Klasse – einer Elite, die sich diesen Untertanen überlegen fühlt.

Neoliberale Arroganz

Mit Ausnahme von Kurzstrecken fliege ich immer Business-Class. Ich kann mir das immer leisten, aber der wirkliche Grund ist, dass ich nicht mit einer „Fettsäckin”, die von ihrem Chef auf Dienstreise geschickt wurde, um die mittlere Armlehne kämpfen will. Hoffentlich kommt das genauso arrogant herüber, wie ich es gemeint habe! Ich flog ein Mal Holzklasse nach Ägypten und habe gelitten wie ein Hund. Als ich noch Vielflieger war, kam ich circa bei jedem dritten Langstreckenflug in den Genuss eines Upgrades auf die First-Class, was ich als durchaus berechtigt empfand (das nur, um den Eindruck der Arroganz noch zu verstärken).

Es ist einfach so, dass wenn man für -zig Millionen von Umsatz verantwortlich ist, der Typ, der sich einmal im Jahr einen Mallorca-Flug abgespart hat, kein adäquater Sitznachbar mehr ist. Man verachtet ihn nicht unbedingt (außer er hätte keine Manieren), aber man denkt schon insgeheim, er ist der „Untermensch” und man selbst ist der „Übermensch” (siehe Nietzsche). Ich könnte noch mehr Beispiele anführen – aber ich glaube das genügt, um dieses neue Klassenbewusstsein aggressiv deutlich zu machen. Es gibt Leute, die froh sind, sich etwas „Freiheit” leisten zu können – und es gibt Unternehmer, die sich bewusst dem Risiko aussetzen, um ungleich mehr zu verdienen. In diesem Sinne bin/war ich also extrem rechts, also: neoliberal.

Der wunderbare Gunnar Kaiser drückt es sehr gut aus, wenn er davon spricht, was wir verloren haben:

Sind wir nur noch solche unpersönlichen, konsumorientierten Menschen? Ist es unser Lebensziel, die Paella gefressen zu haben, den Daimler zu fahren, die Austern und den falsche Kaviar zu goutieren und nur Leute zu kennen, die das auch wertschätzen? Sind wir anti-soziale Roboter, die keine echte Gemeinschaft mehr brauchen? Werden wir nicht, wenn nicht körperlich, zumindest seelisch krank, wenn wir das ignorieren?

Um dieses Bewusstsein anzusprechen, habe ich den obigen Abschnitt so brachial geschrieben. Ich war tatsächlich einer von denen – und es hat mich seelisch und körperlich krank gemacht. Nach Gesprächen mit Geschäftspartnern, Kollegen, Chefs hatte ich keine Energie mehr, mit meinen Freunden zu sprechen. Ich war dauernd von Menschen umgeben, aber dennoch ganz alleine. Zum Schluss konnte ich mich nicht einmal mehr am Wochenende in die Arme der Familie fallen lassen und das Leben genießen. Ich war schon ein Roboter geworden mit nur einem Programm – einem rein materialistischen Programm.

Für die „Oberklasse”, vor allem die unvorstellbar reiche Finanzklasse, sind wir nur Roboter. Eine Art halbintelligente Affenart, die kognitiv nicht in der Lage ist, die komplexen Zusammenhänge der Welt zu verstehen. Eine Meute, die man „pazifizieren” muss, damit die Übermenschen von ihnen nicht angegriffen werden. Doch diese „Affen”, die in ihrer gutbürgerlichen Existenz (zumindest nach Umfragen) irgendwie „glücklich” sind (und auch diese Umfragen sind Propaganda): Sie wollen noch etwas anderes vom Leben, als nur gut programmierte Roboter für ein Wirtschaftssystem zu sein.

Die Illusion der Aufklärung: Sind wir mehr als kapitalistische Roboter?

In der Schule wird uns beigebracht, dass alles erklärbar, steuerbar, manipulierbar sei. Nicht nur die Natur, sondern auch die Gesellschaft und die Menschen – vor allem, wenn man ihnen ihren Glauben nimmt, der doch so irrational ist. Im Urschleim der grünen Bewegung kritisierte man etwa, dass die Bauern für viel Geld massenweise Kunstdünger auf ihre Felder verteilen müssen, damit sie den großen Ertrag erzielen, der für ihr wirtschaftliches Überleben notwendig erschien. Vor 50 Jahren war bereits klar, was die holländische Regierung jetzt unter der falschen Flagge „Klimawandel” anders umschreibt: Dass wir nämlich mit dem Dünger unsere Ackerböden nachhaltig schädigen, dass wir damit unsere Flüsse töten, dass der Landwirt immer mehr Technik und Chemie einsetzen muss, die er sich nicht mehr leisten kann – womit er am Ende gezwungen wird, an landwirtschaftliche Großbetriebe zu verkaufen. „Landwirtschaftliche Großbetriebe”, das klingt wie Kommunismus („Kolchosen”) – und die Kommunisten standen bei den Grünen auch sofort auf der Matte und haben das Ruder übernommen. Die europäische Agrarindustrie unter dem Druck globaler Niedrig-Preise, weil die Großkonzerne exportieren wollen: Die grüne Bewegung, die ursprünglich erzkonservativ war, wurde ganz schnell erst von Kommunisten, dann von Neoliberalen gekapert.

Das Ergebnis war und ist, dass man die Großbetriebe förderte und die kleinen Bauern vernichtete. Die „grüne Alternative“ damals war, dass man die Bauern mit sogenannter ökologischer Landwirtschaft umschulte, so dass sie mit Kuhmist düngen, ihre Böden sich wieder über viele Jahre erholen lassen, sie wieder mit Leben füllen, und sich damit am Ende viel nährstoffreichere Lebensmittel erzeugen lassen. Es gibt auch noch einige Ökobauern, die auch hauptsächlich „grüne“ Kundschaft haben (die sich das auch leisten können muss!) – und ausgerechnet denen will man jetzt die Kühe aus dem Stall holen, weil die angeblich zu viel Methan furzen. Die Blödheit ist kaum noch begreifbar.

Öko-Religion jenseits der Vernunft

Innerhalb der Grünen regte sich ein wenig Widerstand, weil die Politiker ja gar nicht das taten, was man wollte. Die Kolchosen nach UdSSR-Muster wurden gefördert, die Öko-Kleinbauern wurden leiden gelassen beziehungsweise soweit benachteiligt, dass sie betrügen mussten (Stichwort „Ökosiegel”), um überhaupt noch Einkommen zu erzielen. Die Wähler träumten weiterhin von der Idylle, so wie die Politiker von der Macht. Im Sinne der Aufklärung hätte man das Programm einer echten Öko-Landwirtschaft durchsetzen müssen. Aber das bringt einen nicht an die Macht. Und genau deswegen haben wir jetzt eine Öko-Religion, die sich völlig von der rationalen Aufklärung durch Wissenschaft verabschiedet hat.

Es ist doch bemerkenswert, dass sich die original-grüne Bewegung, die den Raubbau an der Natur einst beschränken wollte, weil man die Schäden wissenschaftlich nachweisen konnte, zu einer finanzwirtschaftlichen Religion gewandelt hat, die CO2 an den Börsen handelt. Das ist fast so wie bei Bhagwan Shree Rajneesh (später „Osho”), der spirituelle Erlösung versprach – aber nur, wenn man sämtliches Vermögen und Einkommen bei ihm ablieferte (nicht ganz unähnlich der katholischen Kirche im Mittelalter).

Mit den wissenschaftlichen Fakten um die Zerstörung der lebenden Erde und Flüsse kam man also nicht weiter – aber mit der Klimareligion kommt man in die Regierung. Wir sind nun mal überwiegend religiöse Menschen und meist keine Rationalisten.

Zurück zur Natur!

Ich hatte mal so ein Erlebnis in China und in Deutschland, das ich damals nicht wirklich verstand. Etwa 10 Leute hatte ich in China eingestellt und zur Schulung nach Deutschland verfrachtet. Die waren schon beim Anflug nach Frankfurt erstaunt, wie grün die BRD ist, von oben betrachtet. Als sie sich dann selbständig aus den Wohnungen getraut hatten, sind sie etwas Wandern gegangen und empfanden das als absoluten Luxus, den sie in Shanghai nie so kennen gelernt hatten. Und das, obwohl Shanghai noch relativ viel mit Parken und etwas Natur durchsetzt ist. Auf meinen Flügen in die Werkbank der Welt, in den Süden Chinas, habe ich nur endlose Betonwüsten vorgefunden. Die von mir ausgewählte Wohnung in Shanghai war in einem lokalen Park, bei Weitem kleiner und weniger luxuriös, als andere gleichwertige Wohnungen mitten in der Stadt. Die folgenden GoogleEarth-Ansichten mögen dies verdeutlichen.

Das nachfolgende Bild zeigt Guangzhou – Dongguan – Shenzhen in China, die „Werkbank der Welt”:

(Quelle:GoogleEarth)

Das folgende Bild zeigt Frankfurt und weitere Umgebung im gleichen Maßstab:

(Quelle:GoogleEarth)

Und hier Shanghai im gleichen Maßstab:

(Quelle:GoogleEarth)

Mein Wohnort in Shanghai:

(Quelle:GoogleEarth)

Einige der Mitarbeiter haben meine Wahl nicht verstanden. Die waren zu 100 Prozent im Robotermodus. Natur zu erleben war für viele dieser Leute reiner Luxus. So etwas gönnt man sich im Urlaub. Natur ist etwas, was man sich untertan macht, um Geld zu verdienen. Die Bauern, die in den chinesischen Kolchosen Unmengen an Nahrung anbauen, sind nach der Ansicht der Stadtbevölkerung übelriechende Unterklasse. Der Bezug zwischen Mensch und Natur ist verloren gegangen. Meine besten Freunde in China waren Leute, die mit mir 50 Kilometer aus der Stadt gefahren sind, um spazieren zu gehen – nicht die Sorte, die in die Restaurants und Nachtklubs gehen wollten. Ich denke, das ist auch der Grund, warum viele von denen mir 10 Jahre nach meiner Kündigung noch immer eine Einladung zur Rückkehr ausgesprochen haben. Das hat auch sie verändert.

Ich hatte das Glück, dass meine Eltern mich in meinen ersten zehn Lebensjahren in einem Naturschutzgebiet (siehe hier) aufwachsen ließen. Für mich war die Einheit mit der Natur immer normal – und kein Luxus. Vielleicht kann man das als reines Stadtkind gar nicht so nachvollziehen. Und ich konnte auch nie verstehen, warum sich angebliche „Naturschützer” an Bäume gekettet haben. Das ist ideologisches oder religiöses Verhalten – und eben nicht normal.

Liberalismus, Aufklärung und Religion

Mal sehen, ob die kommende Nahrungsmittelknappheit, bzw. Unbezahlbarkeit, uns wieder zum Kulak macht! Auf jeden Fall denke ich, dass die christliche Religion, welche aus einer Agrargesellschaft entstand, viel mehr den wirklichen Bedürfnissen der Menschen entspricht als eine technokratische Religion, die sich an der Überwindung der Natur und finanzieller Vorherrschaft hochzieht.

Liberalismus und Aufklärung waren als Grundvoraussetzung für Staatsformen entwickelt worden, um das Volk von der totalitären materiellen Herrschaft der Monarchen, der Aristokraten, der Diktatoren und der Priesterklasse zu befreien. Religion ist ein Geschenk Gottes – oder für Atheisten: der Natur – an uns, um ein inneres Leben, ein Geistesleben unabhängig vom materiellen Leben führen zu können.

Liberalismus ist nicht die Freiheit der Reichsten auf Kosten der Armen. Religion ist kein Herrschaftssystem. Und dennoch wird beides immer wieder pervertiert und missbraucht. Dieser Missbrauch macht uns krank. Was uns wieder gesund machen kann, ist die Ablehnung und Abschaffung totalitärer materieller und geistiger Herrschaft.

 

Dieser Beitrag erschien auch auf beischneider.

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6 Kommentare

  1. Aufklärung bedeutet heute, dass die Bürger getrimmt werden, bei regimekritischen Artikeln nicht mehr den Inhalt zu überprüfen, sondern nach der Quelle zu fragen. Dann gucki Wiki und siehe da, rechtsextrem. „Du, die haben das BAMF zitiert!“ „Macht nix, rechtsextrem und darum als Infoquelle toxisch!“.
    Was soll man dann noch sagen, außer die Wahrheit? Aber dann hat man garantiert einen Freund/Bekannten weniger. Gerade durchexerziert mit einem grünen Kommunisten. In beiden Beziehungen ein Heuchler aber soweit brauchte ich gar nicht zu gehen, ihm seine komplette Ahnungslosigkeit zum Vorwurf zu machen, hat völlig ausgereicht: „von nichts eine Ahnung aber zu allem eine feste Meinung!“. Da kaut er immer noch dran.

    Ist ganz genau so wie die kirchliche Indoktrination im Mittelalter, wir brauchen dringend eine weitere Renaissance!

  2. Sehr gutes Thema.
    Leider muss ich hier schon widersprechen:
    „Und ich will erst einmal erläutern, warum das auch in einem kapitalistischen Kontext Sinn macht.“
    Wir haben hier in Buntland schon lange keinen Kapitalismus, denn dieser bedeutet Rechtssicherheit und wirtschaftliche Freiheit.
    Daher schließen sich Kapitalismus aka Freie Marktwirtschaft und Faschismus gegenseitig aus!

  3. „Extrem rechts ist nicht ethnischer Nationalismus, nicht die Unterdrückung von Minderheiten, Frauen, Kindern, Rassen, Minderbegabten und vieles mehr, sondern die ungezügelte Freiheit von (vor allem großen) Unternehmen. Extrem rechts ist die Ansicht, dass sehr erfolgreiche Unternehmer eine neue aristokratische, unantastbare Elite darstellen sollen. Und extrem rechts ist der Faschismus (im Unterschied zum National-„Sozialismus”), der die Dominanz der Unternehmer durch eine Regierung/Bürokratie sichert. Das ist meiner Ansicht nach die sinnvollste Definition des heute vorherrschenden Neoliberalismus: Faschismus im neuen Gewand.“

    Dieses Problem ist auch nicht neu.
    Das gab es auch früher schon, zum Beispiel in den USA, in Großbritannien oder in den Niederlande.Früher nannte man diese Großunternehmen, oder Zusammenschlüsse von Großunternehmen, die viel Macht und Einfluss auf die Politik und auf den Staat hatten so:
    Trust, Syndikate oder auch Monopole (Monopolisten) oder Megakorporationen
    https://de.wikipedia.org/wiki/Megacorporation

    „Megacorporation (griech. μέγας: groß, corporation engl.: Unternehmen), im deutschen zum Teil auch Megakonzern genannt, bezeichnet ein meist historisches Unternehmen oder Unternehmenskonglomerat mit enormer Machtfülle. Typisch sind eine Monopolstellung sowie die Macht, Gesetze zu ignorieren, in ihrem Sinne zu verändern oder sie selbst zu verfassen. Die damit einhergehende Herrschaft wird als Corporatocracy bezeichnet.

    Die Niederländische Ostindien-Kompanie, die erste Aktiengesellschaft der Welt, bekam vom damaligen niederländischen Staat Hoheitsrechte (zum Beispiel Kriegsführung und Festungsbau) und ein Handelsmonopol verliehen. Sie war viele Jahre der wohl mächtigste Konzern der Welt; in dieser geschichtlichen Phase begann eine europäische Hegemonie im Welthandel.

    Die Britische Ostindien-Kompanie war eine Megacorporation: sie besaß eine Monopolstellung auf den Indienhandel und eine eigene Armee, erließ so genannte by-laws, hatte das Recht Krieg zu führen und Frieden zu schließen und war Lehnsherr von Bombay. “

    Es gibt noch einige andere historische Beispiele dafür , wie Megacorporationen im Westen über enorme Macht verfügten, die Gesetze ignorierten und den Staat erpressten oder dem Staat eigene Regeln diktierte.

  4. Der vergiftete „Mus“ ist und bleibt der Faschismus.

    Das Volk wird gezüchtigt, im Sinne von was auch immer erzogen, Gesetze missbraucht/gebeugt werden und zu Sklaven für niedrige Beweggründe in Tateinheit mit
    Demokratiefeindlichkeit bis hin zur Parteiendiktatur zum Machtmissbrauch forciert werden.

  5. @Deepest Purple
    Wer Marktwirtschaft und Kapitalismus für dasselbe hält, macht nicht den Eindruck, eines davon verstanden zu haben.
    Im Übrigen haben wir hier (oder hatten bzw. hätten haben sollen) die soziale Marktwirtschaft, nicht die freie Marktwirtschaft. Geht natürlich nicht, wenn hereingeschneite Horden die sozialen Systeme verfrühstücken.

    Für die Marktfundamentalisten ist immer der Kapitalismus nicht „rein“ genug wenn sich die Schattenseiten zeigen, so wie heute, da Kapital vom zigfachen des materiellen Wertes umläuft und Politik und Gesellschaft korrumpiert.

    Was den ersten Artikelabsatz betrifft, wenn Nationalsozialisten Linke waren, weil sie sich „-sozialisten“ nannten, dann muß entsprechend die „Demokratische Republik Nordkorea“ … ach lassen wir das.

    Es gibt zwar ein Goebbels-Zitat, das die braune Bewegung als „Linke“ bezeichnet, aber in „Mein Kampf“ kann man schön nachlesen, daß z.B. die rote Farbe auf der Hakenkreuzflagge gewählt wurde, um die Linken zu ärgern. Der Hauptfeind waren SPD und Marxisten (nicht daß ich mit denen sympathisiere). Bis zur Nacht der langen Messer 1934 der u.a. Röhm zum Opfer fiel, gab es zwar in der Tat sozialkritische und sozialistische Positionen, auch bei Wirtschaftstheoretikern wie Gottfried Feder. Danach war es das aber dann mit Linken.

  6. Mein Unternehmertraum scheiterte 1980. Meine Tochter wurde geboren und mein Sohn war zwei Jahre alt. Ich arbeitete ich vier Stunden in einer Verwaltung und zwei Stunden als Zeitungsträger, was damals noch richtig gut bezahlt wurde. Mein Unternehmerisches Denken war zu schwach. Dies änderte sich 2003, als mir der Versandhandel auf ebay und amazon richtig gute Umsätze bescherte. Heute schätze ich mein Ruhegehalt als Basis, Honorare, Provisionen und Gewinne als Ergänzung.

    Aufgrund meines Werdegangs war ich nie in der Hölle der Neureichen, stand also nie in der Versuchung, in einen Materialismus abzugleiten. Trotzdem fahre ich lieber eine große Limousine, weil mir der Lärm innerhalb eines Kleinwagens Stress bereitet und eine solche Blechdose einen vorzeitigen Tod oder eine Verkrüppelung bescheren kann.

    Es ist natürlich witzig, wenn ich meine Karre anhalte, um in einer kaum befahrenen Nebenstraße meiner Stadt eine Pfandflasche aufzuheben. Wenn ich mit einer Freundin durch die Bayreuther Fußgängerzone fahre, um die Stadtmission mit Lebensmitteln zu versorgen, ist es Standard, immer wieder anzuhalten und Pfandflaschen einzusammeln. Dass diese dann anderen vielleicht Bedürftigeren fehlen, ist uns schon klar.

    Mein Denken hat sich im Laufe der letzten 42 Jahre weiterentwickelt. Damals wusste ich jeden Pfennig zu ehren, heute jeden Cent.
    So kommen oft
    unverhofft
    Scheine in mein Leben.

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