Montag, 22. April 2024
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Noch Fragen? In den USA zahlen Unternehmen nur ein Achtel des deutschen Strompreises

Noch Fragen? In den USA zahlen Unternehmen nur ein Achtel des deutschen Strompreises

Energiekosten – der ultimative Killer der deutschen Industrie (Symbolbild:Imago)

Mit einer Klarheit, wie man sie von deutschen Wirtschaftsführern nur noch äußerst selten hört, hat Christian Kullmann, der Vorstandschef des Chemiekonzerns Evonik, in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) die vernichtende Bilanz der Ampel-Politik beim Namen genannt. Zwar kam er nicht ganz ohne kooperationsunerlässliche Anbiederungen aus (etwa, indem er sich zu der realsatirischen Behauptung verstieg, Robert Habeck habe das “Potential für die Schulnote 2”, nutze es aber nicht), ansonsten sprach er die Missstände erfrischend schonungslos und deutlich an. Kullmans Fazit: Um die Wirtschaftskrise zu überwinden, müsse der Staat schlanker werden und die Wirtschaft wachsen. Dafür seien zunächst einmal „schmerzhafte Einschnitte“ nötig. Die Bereitschaft dafür sei jedoch gering – denn der Wohlstand der vergangenen Jahrzehnte habe Deutschland zu einem „satt-saturierten Land“ gemacht.

Die einzige wirtschaftspolitische Diskussion, die heute noch geführt werde, gehe darum, wie noch mehr Geld umverteilt werden könne. Es werde aber darüber geschwiegen, woher dieses Geld kommen und wie der Wohlstand gesichert werden solle. Die Politik habe ein „bizarres Verhältnis zur Wirtschaft“ entwickelt. Kullmann beklagte „die lahme Bürokratie, die marode Infrastruktur und die hohen Kosten“, die dazu führten, dass immer mehr Unternehmen ins Ausland gingen. In Asien, im Nahen Osten und in Amerika seien die Investitionsbedingungen aktuell besser als in Deutschland. Wenn Habeck hier nicht nachsteuere, sei Deutschland „bald nicht nur ein ärmeres Land“, auch sein wichtiges Ziel, die “Energiewende zu schaffen”, würde er dann verfehlen. So stecke etwa in mehr als 80 Prozent aller Produkte, die in Deutschland hergestellt würden, Chemie. Evonik produziere auch Vernetzer, die etwa zwingend zur Produktion von Rotorblättern für Windräder benötigt würden und ohne die die Flügel „schlaff wie Bananenschalen herunterhängen“ würden.

Sinnieren über die “Energiewende”

Damit die Energiewende gelinge, müsse die Bundesregierung alles unternehmen, damit die Chemieindustrie weiterhin in Deutschland entwickeln und produzieren könne. Genau das sieht der Konzernchef jedoch mehr als skeptisch – auch wenn er sich nicht zu dem Eingeständnis durchringen konnte, dass die ebenso kontraproduktive, ökologisch unsinnige wie ökonomisch ruinöse Energiepolitik bereits jetzt krachend gescheitert ist. Zu soviel Offenheit traute Kullmann sich dann doch nicht, immerhin bemerkte er aber, dass die Energiepolitik der vergangenen Jahre “gegen die Interessen der deutschen Volkswirtschaft gerichtet“ gewesen sei. Dass eben jene Politik ja aber ausschließlich im Namen der ideologischen Energiewende praktiziert wurde, sagte er nicht.

Interessant wurden Kullmans Ausführungen da, wo es um die deutschen Energiepreise ging – einer der wichtigsten Treiber bei der Deindustrialisierung und Abwanderung deutscher Unternehmen ins Ausland. Bezugnehmend auf Habecks Plan eines “Industriestrompreises” rechnete Kullmann vor, dass allein die chemische Industrie mit ihren Zulieferern 50 Milliarden Euro Steuern pro Jahr zahle. Der Steuerzuschuss für die Rentenkasse liege derzeit bei gut 100 Milliarden Euro, jeder zweite Renten-Euro komme somit aus der Chemie. Die chemische Industrie in Deutschland zu halten, sei somit “eine Überlegung wert – zumindest dann, wenn man Wachstum und Wohlstand sichern und den Sozialstaat weiter finanzieren will“, unkte der Evonik-Chef in bitterer Ironie. Dass die grüne Politik diese Zerstörung der Wirtschaft bewusst betreibt, weil sie von der ökosozialistischen „Degrowth“-Ideologie geleitet ist, scheint ihm dabei offenbar nicht bewusst zu sein. Dies wäre zumindest entschuldbar, weil der Irrsinn dieses Konzepts tatsächlich jede menschliche Vernunft übersteigt.

Strompreisentwicklung als Abstiegsgarant

Die sechs Cent Industriestrompreis seien allerdings eine „Mogelpackung“, so Kullmann weiter: Dazu kämen nämlich noch die Stromsteuer und die üblichen Abgaben und Gebühren obendrauf. Am Ende lande man dann bei über 15 Cent. Im US-Bundesstaat Texas hingegen sei ihm von der Regierung ein Stromendpreis von 2 Cent angeboten worden – rund ein Achtel des deutschen Preises. Anders als offenbar etliche Firmen, die diesen Wettbewerbsnachteil Deutschlands nicht länger schultern können oder wollen,  bekundete Kullman seine Bereitschaft, durchaus mehr Steuern zu zahlen, „wenn zugleich die Unternehmen entlastet würden und damit geholfen würde, das Land in eine bessere Zukunft zu führen“. Es gebe aber auch eine Pflicht für den Staat, sparsamer zu werden – „etwa beim Gesamtumfang der Sozialleistungen“. Dass dies jedoch angesichts der unverminderten anhaltenden Massenmigration in die Sozialsysteme völlig ausgeschlossen ist, vertiefte er nicht weiter. Im Gegenteil: Mit mathematischer Gewissheit werden die Sozialausgaben dadurch sogar immer weiter steigen.

Appelle wie die von Kullman sind zwar aller Ehren wert, doch sie sind letztlich wohlfeil und kommen ohnehin viel zu spät. Das Zerstörungswerk der Ampel ist in vollem Gange, der angerichtete Schaden schon viel zu groß. Immer mehr Unternehmen, Leistungsträger und Hochqualifizierte verlassen fluchtartig das Land oder haben es vor. Laut dem Ranking des Schweizer Management-Institut IMD liegt die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland derzeit auf Platz 22 – von 64. Der weitere unaufhaltsame Abstieg ist schon vorgezeichnet.

15 Antworten

    1. Sie anscheinend nicht…
      Scheinbar kommt der Strom bei ihnen immernoch aus der Steckdose und die nächste Wirtschaft liegt unter ihrer Einzimmerwohnung …

    2. Die “ami-go-home” – Honks : den teuren Strom sollen ‘uns’ die Besatzer gefaelligst noch goennen.

  1. Nur der Schein ist wirklich rein:

    “Evonik nimmt den Klima- und Umweltschutz als zentrales Element seiner unternehmerischen Verantwortung sehr ernst.” — https://corporate.evonik.com/de/nachhaltigkeit

    Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

    Man zeige mir einen Spitzenmanager im Klimagottesstaat Deutsch, der nicht Mitglied der Klimasekte ist. Immer sind es die anderen, man selbst macht alles richtig.

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  2. Bravo, so kommt es, wenn man grün-marxistischen Hirngespinnsten Glauben schenkt. Mir ist das unverständlich, wie man solchen Rattenfänger auf den Leim gehen kann. Aber das scheint ja eine deutsche Spezialität zu sein. Aus 2 Kriegen und dem jetzigen Zusammenbruch der Wirtschaft, will man absolut nichts lernen. Das bittere Ende wird um so schmerzhafter sein.

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  3. Das sind in der Tat nur halbherzige Beschreibungen und Forderungen des Herrn Kullmanns. Ich vermute, der hat mit dem Standort Deutschland längst abgeschlossen, ähnlich wie BASF in Ludwigshafen, die ihr größtes Investitionsprojekt der Firmengeschichte jetzt in China hochziehen und hier evtl. 8.000 Beschäftigte freisetzen. Die Anhänger der Grünen jubeln darüber (über den Verlust!).

    Zuerst die Kernkraftwerke und die Kfz-Industrie, jetzt die chem. Industrie, Cem Özdemir sägt bereits an der Landwirtschaft… welche Branche ist dann an der Reihe? Gewerkschaften und die ganze Bevölkerung müssten längst auf der Straße sein und Grüne, Linke und die Ampelregierung zum Teufel jagen. Warum geschieht das nicht?

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    1. Weil die wohlstandsverwahrloste “Gesellschaft” immer noch fett und satt ist. Und solange sie es ist, macht man sich kein Kopp über den leidenden Kollarteralschaden, der diesen Abschaum nie gewählt hat. Deshalb meine Auflistung der Schuldigen:

      Medien und bereits an zweiter Stelle die Wähler.

      … und irgendwann kommen die Auftragskiller, diese Politiker und ihre Artgenossen. Hochverräter sind sie allesamt! Heute weiß ich, warum für Hochverräter eigentlich immer die Todesstrafe gelten sollte. Sie sind mit die schlimmsten und gefährlichsten Verbrecher.

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    2. » Warum geschieht das nicht? «
      Die Masse ist tatsächlich nicht in der Lage, zu sehen “was ist” bzw. die Veränderungen fortzuschreiben, weiterzudenken (»Interpolieren«).
      Ich merk es an meinen eigenen Nachkommen. Sie leben in einer anderen Welt.
      Diese Generation ist wirklich faktenresistent.
      Ich nenn’ es wohlstandsverwahrlost und toleranzbesoffen!
      Die spenden an die Ukraine und haben “Patenkinder” in Schwarzafrika!
      Ich besinne mich auf Deutschland, meine Heimat – und die meiner Vorfahren, und werde dadurch zwangsläufig zum Nazi gestempelt. Egal. Dazu stehe ich.

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    3. Weil auch die Gewerkschaften nicht über den Tellerrand hinaussehen.
      Zu blöde dafür.

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  4. “Noch Fragen? In den USA zahlen Unternehmen nur ein Achtel des deutschen Strompreises”

    Das ist doch keine Neuigkeit. Selbst der Spiegel schrieb schon in September 2020, dass Deutschland mit die höchsten Strompreise der Welt hat. Diese Energiekrise hat überhaupt rein gar nichts mit dem Ukrainekrieg zu tun. Auch was die Gaskrise udn den schnellen Anstieg von Gaspreisen angeht. Schon im Herbst 2021, vor dem Ukrainekrieg, begann die Gaskrise und der schnelle Anstieg von Gaspreisen. Unsere Polit-Clowns lügen, dass sich die Balken biegen…

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    1. Zu Ende gedacht: Am Schluss ist die Agenda – über viele verzweigte Umwege dann doch erkennbar: GERMANY MUST PERISH (Theodore N. Kaufman) oder wie der deutsche Rolf Peter Sieferle titelte: FINIS GERMANIA.
      Wer ein bisschen im Alten Testament blättert, findet bereits dort Stellen, die als eine Art NEW WORLD ORDER verstanden werden können.

  5. Das Milliardengeschenk an Intel zeigt, wie erpressbar die Bundesregierung ist
    https://www.focus.de/finanzen/news/kommentar-warum-zehn-milliarden-euro-fuer-intel-viel-zu-viel-sind_id_196847004.html

    “Der US-Chiphersteller Intel erhält eine der größten Subventionen, die Deutschland jemals an ein ausländisches Unternehmen gezahlt hat. Die Zusage zeigt, wie erpressbar die Bundesregierung geworden ist. Sie ist aus vier Gründen völlig falsch.

    Zehn Milliarden Euro. So hoch ist die Summe, die der US-Chipkonzern Intel von Land und Bund erhalten soll, wenn er das längst angekündigte Chipwerk in Magdeburg tatsächlich baut. Die Subvention ist eine der höchsten, die ein ausländisches Unternehmen jemals für eine Ansiedlung in Deutschland erhalten hat. Sie muss zwar von der EU noch genehmigt werden, doch vieles spricht für grünes Licht aus Brüssel.”

  6. Alles halb so schlimm! Dafür bekommen wir eine Chip-Fabrik. Aus dieser fließen dann die Millionen Euronen an Energiesteuer (Strom) ins deutsche Finanzamt. Außerdem dürfen wir uns dann auch noch über “zig” neue Arbeitsplätze im besten Deutschland ever freuen!
    Was nachdenklich stimmt: Kaum war die “Wärmepumpen-Empfehlung” ausgesprochen, schon war der deutsche Marktführer VIESSMANN in US-Hand!

  7. Es ist mir seit Langem ein Rätsel, warum aus der Wirtschaft kein Aufstand gegen die Brüsseler Abgasnormen und gegen alle anderen Blödheiten gemacht wurde.
    Hat von denen keiner begriffen, daß CO2 mit seinem winzigen Anteil von 0,04 % in der Luft unmöglich schädlich für das Klima sein kann. Daß beim Verbrauch von unseren Bodenschätzen das lebenswichtige Spurengas CO2 frei gesetzt wird, um das Pflanzenwachstum zu befeuern, damit die wachsende Bevölkerung ernährt werden kann.

    Die Energiewende ist ein gigantischer Irrweg. Mit einem riesigen Aufwand werden Solarheizkörper in die Landschaft gestellt, um ein wenig Strom zu erzeugen und für den Windstrom gilt das selbe. Aber auf keines ist Verlaß. Vertreiben die WKA die Regenwolken?