Sieh an: Die Tagesschau berichtet korrekt über Corona-Demos… in China

Framing mit der Tagesschau (Collage:Jouwatch)

Eine Sensation gestern Abend in der ARD um 20 Uhr: Der „Tagesschau” gelang es erstmals, korrekt über Corona-Demonstrationen zu berichten. Allerdings – und da ist der Haken – nicht über solche in Deutschland, sondern in China!  Es ist gleich der erste Beitrag in der gestrigen Ausgabe. Sprecherin Judith Rakers liest vor: „In den vergangenen Tagen waren immer wieder Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen die extrem strengen Corona-Maßnahmen zu protestieren.” Wenig später: „Wer sich auffällig verhält, wird festgenommen.” Schaulustige werden von der chinesischen Polizei „drangsaliert“ (Wortwahl der „Tagesschau”), „die Polizei nimmt Personalien auf, einige Menschen werden abgeführt”. Und dann: „In den chinesischen Nachrichten – kein Wort über die Proteste. Aus den sozialen Netzwerken verschwindet jeder Hinweis innerhalb von Minuten, Videos können nicht mehr angezeigt werden.” Einige Momente später kommt Korrespondentin Tamara Anthony ins Bild und berichtet: „Jede Form der Aufmerksamkeit für die Proteste soll verhindert werden.

Schön und gut… soweit China. Aber kommt uns das nicht alles bekannt vor? Wir erinnern uns doch an massive Probleme mit der Berichterstattung sogenannter „Qualitätsmedien“, darunter die „Tagesschau”, die gesamten vergangenen drei Jahre lang. Erstens wurden Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der deutschen Regierungen Merkel, später Scholz, am liebsten ganz verschwiegen. In den Nachrichten: „kein Wort über die Proteste“ und „Jede Form der Aufmerksamkeit für die Proteste soll verhindert werden.“ – Diese Zitate aus der genannten China-Berichterstattung galten doch eben auch für Deutschland. Immer wieder fanden Demonstrationen sowie später die berühmten „Spaziergänge” (eine Erfindung, um Demonstrationsverbote zu umgehen) statt, Innenstädte füllten sich, man war selbst dabei und erlebte riesige Veranstaltungen – und dann wurden diese Großereignisse in den Medien oft komplett ignoriert. Auch an das magische Verschwinden von YouTube-Videos, Simsalabim, kann sich jeder noch gut erinnern.

Einsortieren für Fernsehzuschauer

Nicht immer jedoch ließ sich die Berichterstattung verhindern, schon angesichts der schieren Größe der Demos. Deswegen wurde, und da wären wir bei zweitens, die Teilnehmerzahl gerne mal nach unten drastisch abgerundet – um es höflich zu formulieren. So füllte sich Berlin zum „Tag der Freiheit“ am 1. August 2020 mit vielen hunderttausend, geschätzt sogar einer halben Million Menschen. Luftbilder ließen angesichts der Menschenmengen Erinnerungen an die jährlichen Techno-Ereignisse namens Love Parade in den frühen Nullerjahren wach werden. Die „Tagesschau” jedoch sprach damals von einer Teilnehmerzahl von gerade einmal 20.000. Man hätte sich eine Software gewünscht, die automatisch ein blinkendes „L” in der rechten Ecke des Bildschirms einblendet, wenn das Fernsehen über eine Teilnehmerzahl derart lü…, äh, wenn es aus unerfindlichen Gründen zu einer derart starken Diskrepanz zwischen der Realität und der Darstellung auf dem Bildschirm kommt! Sinn war hier ganz klar ein Unterstützen der restriktiven Regierungspolitik und ein Herunterspielen der Proteste.

Und schließlich, drittens, sortierte die „Tagesschau” die Demonstranten in deutschen Städten fürsorglich für den Fernsehzuschauer ein: Es waren natürlich ganz viele Rechte und Verschwörungstheoretiker, also Leute, die sowieso gefährlich oder spinnert sind und an denen man sich kein Beispiel nehmen sollte. „Passt auf, bei wem ihr da mitmarschiert!”, war die explizit auch so formulierte Botschaft. Hier demonstrierten also angeblich nicht etwa Menschen, die um ihre Jobs bangten oder sie bereits verloren hatten, die sich um die Grundrechte sorgten, ihre Freiheit zurückhaben wollten oder die auf die Sinnlosigkeit der Corona-Politik hinwiesen, sondern zwielichtige Figuren und „Staatsfeinde”.

Defizite der „Vierten Gewalt“

Dies ist das sogenannte „Framing”, das Verpassen eines Rahmens zum Zwecke der politischen Agitation. Sinn der falschen Darstellung war es, potentielle weitere Teilnehmer von den Demonstrationen und Spaziergängen fernzuhalten. Und diese halbentmenschlichten Randgruppen durften dann auch mal „drangsaliert” und „abgeführt” werden. Nach dieser Logik hätten für die gestrige „Tagesschau” die chinesischen Demonstranten alles Anhänger einer „AfC”, einer „Alternative für China”, sein müssen. Aber das fehlte völlig: In China sind das auf den Straßen auf einmal ganz normale Menschen – ein Eingeständnis, das den deutschen Demonstranten nie gegönnt wurde.

In Deutschland durchlaufen wir gerade eine Phase von Problemen zweifacher Natur. Da ist auf der einen Seite das Handeln der Politiker, bei dem man oft die Hände über dem Kopf zusammenschlagen muß. Es brennt beispielsweise in Sachen Migration, Corona-Virus und Ukraine-Krieg, und die Politik löscht schwungvoll mit Benzinkanistern. Auf der anderen Seite ist da das Handeln der Medien als „vierter Gewalt”: Diese sollten sich eigentlich strikt an die Geschehnisse halten und bei allem, was schiefläuft, kritisch einhaken. Leider sind hier jedoch Defizite zu beobachten, und zwar gerade bei denjenigen, die sie mit dem Gebühren der Zuschauer (sofern noch eingehend) bezahlen. Es ist deswegen gut und notwendig, daß es auch sogenannte „alternative“ und freie Medien gibt, die andere Perspektiven beisteuern können.

Biblische Heuchelei

In den öffentlich-unrechtlichen Sendern kommt der Eindruck auf, Dinge seien stets nur kritikwürdig an China, Ungarn, Polen, Rußland sowieso, der Türkei, neuerdings auch Italien (falsch gewählt) und Katar. Nur selten aber an Deutschland oder der Ukraine. Selbst wenn es sich um gleiche oder zumindest frappierend ähnliche Ereignisse handelt. Das Lukas-Evangelium, 6:42, sagt zu derartigem Messen mit zweierlei Maß (zitiert nach der „Neue-Welt-Übersetzung”, da mir diese gerade zur Hand ist, auf Seite 1295): „Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge.” Übrigens: Eine Impfpflicht, die glücklicherweise im Bundestag scheiterte, sollte noch nicht einmal in China eingeführt werden. Das ist deutsch-österreichisches geistiges Terrain, zusammen vielleicht noch mit Turkmenistan und zwei, drei anderen Diktaturen.

Korrespondentin Tamara Anthony von der berühmt-berüchtigten ARD-Nachrichtensendung für Klimawandel, Lottozahlen und Sport, teilt uns dann am Ende des „Tagesschau”-Beitrags noch wissend mit, daß „in vielen Ländern weltweit“ das Vorgehen Chinas sehr kritisch verfolgt werde. Ja, und die Covid-Politik Deutschlands auch, möchte man ergänzen! Noch immer gibt es beispielsweise die völlig absurde Maskenpflicht in Zügen. Wenn dann der Zug von Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz oder Polen aus über die Grenze rollt, muß die Maske auf; anscheinend fangen die Viren im Reich von Killervarianten-Karl dann auf einmal an zu wirken. Deutschland hat neun Nachbarländer. Daß es sich nicht nur zu deren Gespött macht, sollte einmal in einer anderen „Tagesschau” thematisiert werden. Wir brauchen objektive Berichterstattung, nicht nur über Weißrußland oder China, wo Kritik billig zu haben ist, sondern müssen damit im eigenen Land anfangen! Denn dazu sind Medien da.

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9 Kommentare

  1. @ Denn dazu sind Medien da.
    in einem freien Land !
    In einem totalitären Besatzerregime sind sie nur Besatzer-Propagandisten !

  2. Es ist doch klar, dass über die Corona-Demos in China korrekt (?) berichtet wird. Schließlich ist das eine Diktatur, die die grundlegenden Menschenrecht missachte und rassistisch ist. Da Deutschland gegen Rassismus und für Menschenrechte auf der ganzen Welt eintritt, muss das ÖR und die Privaten Haltung zeigen. Haltung ist das Wichtigste, was heutzutage die Ehrendiversen zeigen müssen. Diejenigen, die hier gegen Corona demonstrieren, sind doch welche, die nur Fake-News verbreiten. Das muss natürlich unterbunden werden. Schließlich kann es nicht angehen, dass diese segensreiche Impfung in Verruf gerät durch Spinner, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextremen. Gerade wir als Deutschland sind wegen unserer Vergangenheit geradezu verpflichtet, immer Fake-News und Rechtsextreme zu bekämpfen. Wenn Deutschland das nicht machen würde, wurden Tür und Tor für ein neues Reich geöffnet, was die Menschenrechte auf Gesundheit untergräbt. Das wollen wir doch wohl alle nicht. Deshalb ist es schon ein riesengroßer Unterschied, wenn man von China und von uns berichtet. Die ÖR und Privaten sind nur der Wahrheit verpflichtet. Sarkasmus aus.

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  3. Was für scheinheilige, korrupte Politiker, Medien, Die, die glauben dieses Volk zu vertreten. Ich kann gar nicht so viel fr_ssen wie ich k_tzen könnt‘. Bin als Ungetupfter bei vielen Demonstrationen dabei gewesen, in Deutschland!!! , das war/ ist Diktatur. Mensch, wacht endlich auf, das ist nur der Anfang. Gerade der ‚Westen ist im Tiefschlaf, klammert sich an seinen ‚Wohlstand‘ . &Der ist schneller weg durch die grüne Khmer als sie träumen.

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  4. in China sind die hier von selbiger Journaillie ehemals als Unvernünftige, Blinddärme, Leugner, Covidioten usw. bezeichnete jetzt die GUten,

    die Dreistigkeit der Heuchelei nimmt immer neue Ausmaße an!

    Ausgewählte deutsche Verfechter einer Zero-Covid Strategie (zero-covid.org):
    Georg Restle, Journalist
    Luisa Neubauer, Klimaaktivistin, Berlin
    Stefan Jarosch, Arzt, Sea-Watch, Berlin
    Emily Laquer, Aktivistin, Hamburg
    Prof. Dr. Manuela Bojadzijev, Humboldt Universität Berlin
    Dr. Antje Schrupp, Politikwissenschaftlerin und Journalistin, Frankfurt am Main
    WerHatDerGibt – Bündnis für Umverteilung
    Sarah Ulrich, Freie Journalistin, Leipzig
    Linus Oechslin, Klimastreik Schweiz & Workers 4 Future Zürich
    Carolin Möhrke, Kinderärztin Greifswald
    Sebastian Bertram, Fachjournalist Medizin
    Anne Trompa, Lehrerin & GEW, Berlin
    Prof. Dr. Fabian Virchow, Düsseldorf
    Linksjugend [`solid] Köln
    Campusgrün Bundesverbandes grün-alternativer Hochschulgruppen
    AStA Uni Münster

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