Wokemania – eine Jugenddroge

Black Lives Matter – nur eine Facette des Wokism (Foto:Imago

Seit der westlich-abendländische Kulturkreis unter progressiver Atrophie zu leiden begonnen hat und nun auch dessen innere Organe zu paralysieren beginnen, fühlen sich immer mehr Prozessbeschleuniger auf den Plan gerufen. Der Okzident, vom heutigen Zeitgeistempfinden her betrachtet ein durch und durch „weißes und männliches” Gesamtkonstrukt, liegt mittlerweile in greisem Siechtum darnieder und muss sich in seiner psychisch-physischen Wehrlosigkeit alles gefallen lassen, was ihn noch schneller ins Jenseits befördert.

Als Beschleuniger und Nutznießer dieser Entwicklung wähnen sich vor allem die jungen Pioniere der Weltrettung, die sich der zur Zeit hippsten Teildisziplin des linken Spektrums, nämlich dem aus den USA importierten „Wokism”, verschrieben haben. Für die rechtfertigende Darstellung ihres Glaubensgebäudes steht das Wort „woke” (aufgewacht bzw. wachsam), welches eigentlich aus dem afroamerikanischen Slanggebrauch stammt und hauptsächlich in diesen Milieus – etwa in der BLM-Bewegung – Anwendung findet, sobald es um Reizbegriffe wie Rassismus, Sexismus, Gender und andere Formen der aggressiven Benachteiligung, insbesondere die „drei „U’s” (Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unterdrückung) geht. Dieser linke Uralt-Cocktail wirkt wie Koks und macht sofort hellwach.

„Woke” wurde also zum idealen Vehikel für jene, die sich „achtsam”, „hellwach” und somit berechtigt dünken, mittels stereotyper Vorwurfsrhetorik ihre Phrasenmunition vehement gegen eine somnambul-reaktionäre Bürgerlichkeit ins Schlachtfeld zu führen. Ausgerechnet junge Leute ohne nennenswerte Bildungsbasis und Lebenserfahrung, denen das Bewusstsein für die eigene soziokulturelle und kulturhistorische Provenienz fehlt, greifen nach einer wolkenlosen Zukunft, die ihres abgehalfterten abendländischen Restkörpers komplett entledigt sein soll. Mit der Wokemania hat sich auch die „Cancel Culture” Einzug in die anti-okzidentale Bewegung verschafft und somit das bizarre Bündel der infantil-nihilistischen Neokulturen vergrößert. Als eine der tragenden Säulen dieser Neokulturen fungiert ein unerbittlicher Dogmatismus, befeuert von einer omnipräsenten Stigmatisierungs- und Pranger-Obsession, welcher Politik wie Medien gleichermaßen erfasst hat und längst auch in den gesellschaftlichen Niederungen sein spalterisches Unwesen treibt. Ein dralles, neofaschistisches Früchtchen.

Wokism als Identitätsfindung

Der junge Widerstand gegen das von Vorgängergenerationen historisch, kulturell, wissenschaftlich, technisch innovativ und gesellschaftlich-sozial Erreichte – sprich: die Gesamtheit dessen, was uns ausmacht, das westliche Proprium – formt sich vorwiegend aus der weiblichen Jugend, jungen Frauen und Mädchen mit durchweg feministischer Attitüde, die sich mit ihren effeminierten Komplizen in der Öffentlichkeit in Szene setzen, um den alten, weißen Abendlandsmann das Fürchten zu lehren. Oft peinlich ironiebefreit wird da mit kindhaftem Trotz und scheinoriginellem Stör-Aktionismus die Zurschaustellung neumoralisch verbrämter Woke-Werte betrieben, was sich im anglizierten Neusprech „virtual signalling” nennt und nicht zuletzt auch der Identitätsfindung dienen soll.

Die Aneignung von PC-Inhalten und Mantras, Kontra-„Ismen”-Bekenntnisse (Sexismus, Rassismus, Heteronormativismus, Konformismus, Konservatismus, Kapitalismus, Kolonialismus, Imperialismus, etc..), das Hochjubeln exemplarischer Toleranztrophäen („der Flüchtling”), heftige, emotionale Ablehnung von unzähligen Cancel-Objekten, die sogar das eigene angeborene Geschlecht inkludieren (bei gleichzeitiger Huldigung der Frau als höherem Wesen mit Erlösungspotenzial) – sie alle bilden Teile des Sammelsuriums einer künstlichen Gegenwelt, die das Ziel dieser Transformation von Öffentlichkeit und Gesellschaft darstellt, sich jedoch völlig abseits der Basis der tatsächlichen gesellschaftlichen Agenda befindet.

Wie toxisch sich diese herbeigeschrieene Transformation auf die Menschen auswirkt, reflektiert auch der Zustand der Eliten an den Schalthebeln der Regierungen und Medien. Obwohl es keine „Partei der Woken” gibt, die dem demokratischen Wählerwunsch entsprungen wäre, geschweige denn ihm je Genüge getan hätte, maßt sich der Einfluss der Woken an, auf sämtliche politischen Entscheidungen Druck auszuüben. Er bestimmt die Schlagzeilen und die oft surrealistisch anmutende Diktion der ohnehin schon erbärmlich defizitär wie einseitigen Berichterstattung in den Hauptmedien, und hat längst auch die saturierten „Un-Woken” erreicht, indem er deren Bewusstseinsbildung über einen imperativen Tugend-Äther mitgestaltet.

Konsolidierung durch den Staat

Den Staat lenken heute immer häufiger Persönlichkeiten, die aus dem Nichts zu kommen scheinen; vielfach Studienabbrecher, oftmals Plagiatoren, arbeitsferne, unprofessionelle und ressortfremde Individuen mit wenig oder gar keinem Bezug zu Geschichte, zu Kunst und Kultur, zur Gesellschaft und zu den zivilisatorischen Errungenschaften, geschweige denn zu Brauchtum, Traditionen, Eigenarten und Mentalität der dazugehörigen Menschen. Konturlos gestaltet sich die Wahrnehmung des zu regierenden Landes und seiner Menschen, ohne Ethik und Substanz sind die Floskelmühle, der Habitus und die Charakterstrukturen der Staatsträger. Prinzipienlos ist ihr Entscheidungsgewirr sowie beliebig und unverbindlich ihr Engagement. Aber jede Rede, jedes Statement, jede Ankündigung und jeder Erklärungsversuch ist durchdrungen von den Idiomen des woken Flaschengeistes. Gleichzeitig mutiert dieser Staat zusehends zu einem totalitären Polizeistaat, der beharrlich an den Freiheits- und Selbstbestimmungsrechten der Menschen sägt, sie aushorcht, maßregelt und mundtot zu machen trachtet – offenbar ganz im Sinne der woken Nemesis.

Wokism ist eine Droge, deren Rauschqualität sich in der Vorspiegelung maximaler Wachsamkeit zeigt und dabei irreale, schmerzhafte Befindlichkeitsreize auslöst. Eine Droge, mittels derer man als klagende Seele den abendländischen Kadaver in höhere Sphären verlassen kann. Eine Droge, die ihre Kinder hüpfen, springen, tanzen, weinen, schreien, Bäume umarmen und sich sogar im Rausch der Gleichheitstrance selbstkastrieren lässt. Engelsgleich flattern sie in der Reinheit ihrer Absichten und bescheidenen Erkenntnisse allem Bösen, das die Realität gebiert, entgegen, um schließlich von dessen Flammen verbrannt zu werden.

Ein Krieg zeigt sich am Horizont. Das Phantom ist die Wirklichkeit – und spätestens dann, wenn der letzte Schuss gefallen, die letzte Stadt zerbomt ist und der letzte Soldat blutüberströmt zusammenbricht, wird auch die Droge Wokemania ihrer Wirkung beraubt sein. Jeder Rausch findet sein entsprechendes Ende auf dem Terrain der Wirklichkeit, die letztlich immer ihre nüchternen Agenden einfordert.

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5 Kommentare

  1. Langsam wird es Zeit,das eine „Minderheit“ auf die Straße geht,Männer,die nicht schwul sind und das auch nicht bedauern,die sich in ihrem Körper wohlfühlen und nicht daran zweifeln,das sie im richtigen Körper geboren sind,die auch noch „weiß“ sind,und sich nicht entschuldigen wollen ,das sie nicht“farbig“ sind und deshalb keine schlechteren Menschen sind.Man kann es langsam nicht mehr hören,wie „cool“ und angesagt es ist,gegen alles zu sein,was eigentlich normal ist! Eine winzige Minderheit gewinnt immer mehr Oberhand will uns „Normalos“ einreden,das wir nicht richtig gepolt sind.Jeder nach seiner Farcone,leben und leben lassen,aber verschont uns „normalen “ Menschen damit!!!

  2. Fuer Unternehmen und Sonstige, die sich dieser sogenannten jungen Kultur anbiedern, gilt in den USA inzwischen die bittere Erkenntnis,“Go woke, go broke.“

  3. Hat sich nicht jede „Kultur“ der Menschheitsgeschichte nach einer mehr oder weniger langen Zeitspanne „selbst“ erledigt? Die Wenigen, denen das bewusst ist, leiden darunter. Können sie es aufhalten? Nein! Es ist ein ehernes Gesetz und – vielleicht – auch gut so.

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