Freitag, 14. Juni 2024
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All we are saying is: Give peace a chance!

All we are saying is: Give peace a chance!

Songlegenden für den Frieden (Symbolbild:Pixabay)

Gestern habe ich mich wieder einmal in mein Musikzimmer zurückgezogen, um der abartigen Realität – wenigstens für kurze Zeit – zu entfliehen. Durch Zufall fiel mir beim Stöbern als erste Platte ein Lied von Bettina Wegner in die Hand; sie sang dort ein kleines Lied von Buffy Sainte-Marie, das es dereinst unter dem Titel “Universal Soldier” von Donovan zu Weltruhm gebracht hat. Der deutsche Text wurde von Wegner einfühlsam selbst verfasst und trägt den Titel “Soldaten . Vielleicht kennen Sie das ja: Man legt ein Lied auf und sucht dann seine gesamte Sammlung durch, um noch weitere Stücke zu finden, die zum Thema dieses Liedes passen. So ist es mir auch gestern gegangen: Die Worte von Bettina Wegner haben mich dazu inspiriert, einmal alle Friedenslieder und Songs, die den Krieg thematisieren, aus meiner Plattenkiste hervorzukramen.

Schließlich befinden wir uns gegenwärtig das erste Mal seit langem in einer Situation, in der die Verantwortlichen in diesem Land wieder einmal nichts vom Krieg verstehen, aber umso lauter danach schreien. Ich könnte nur noch kotzen, wenn ich die Hofreiters und Strack-Zimmermanns, die allesamt nie Soldaten waren und ihren Brägen auch nicht hinhalten müssen, so lauthals nach Krieg, Tod und Verderben schreien… einfach nur ekelhaft! Das zweite Lied, das ich fand – die Reihenfolge ist der Ordnung meiner Plattenkiste geschuldet, die nicht musikwissenschaftlich und schon gar nicht chronologisch ist -, stammt aus den glorreichen Achtzigern: Die Independent-Folkrock-Formation namens The Waterboys veröffentlichten 1984 ihr Debutalbum “A Pagan Place“ mit der bewegenden Geschichte eines jungen russischen Soldaten (“…17 years old – never kissed a girl…“) im Weltkrieg Nr. Zwo. Das beeindruckende Werk mit seiner sehr deutlichen Kritik am Stalinismus nannte sich Red Army Blues.

Inspirationen vom Plattenteller

Musikalisch erheblich härter ist der nächste Song, der zugleich der jüngste von allen ist: Zusammen mit Rammstein begründeten Oomph aus Wolfsburg und Braunschweig am Ende der Achtziger die heute so genannte “Neue Deutsche Härte“. Ihr Antikriegslied “1000 Mann und ein Befehl aus dem Jahr 2018 wird von dem charismatischen Sänger Dero Goi beeindruckend vorgetragen. Ein kurzer Trip ein paar Jahrhunderte zurück führt uns zu Wolfgang Amadeus Mozart, der mit dem Kanon “Dona nobis pacem” (“Gib uns Frieden“) einen zeitlosen Klassiker der Chormusik und eine eindrucksvolle Friedensbotschaft hinterließ. Wenn wir uns von hier dann wieder zur Rockmusik begeben, stoßen wir auf die Symphonic-Rock-Legende Barclay James Harvest, eine der ersten Bands, die Anfang der Siebziger Jahre mit einem eigenen Orchester getourt sind. Die Live-Aufnahme ihres Friedens-Klassikers “Summer Soldier ohne Orchester, ausgezeichnet im Konzertsaal der BBC ihn Jahr 1974, hat es in sich.

Der ehemalige Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Dieter Dehm schrieb nicht nur den Text zu “1001 Nacht” von Klaus Lage, sondern auch die Worte zu dem Friedensklassiker der Bots: Das weiche Wasser bricht den Stein. Die deutsch-amerikanische Kino- und Bühnenlegende Marlene Dietrich sang Anfang der Sechziger Jahre die deutsche Version von Pete Seegers Welthit “Where Have All The Flowers Gone“: Sag mir wo die Blumen sind. Es besteht in Zeiten des Leviathans, des überbordenden Staazitums und der Totalität des Staatsapparates in den Händen verantwortungsloser, nichtskönnender Großkotze wieder einmal die Gefahr, dass Menschen, die einen Krieg nicht wollen, in eben einen solchen geschickt werden. Das erinnert mich an die Platte vom Kirchentag 1983 in Hannover, wo der Pastor Fritz Baltruweit eine schunkelnde Version des Friedensliedes von Zofia Jasnota aus Polen darbot. Leider findet sich im Netz nur diese Version, die an Baltruweit angelehnt ist: Unfriede herrscht auf der Erde.

Lieder, die wir dem Wahnsinn entgegenhalten

Wir setzen die Liste unserer Friedenslieder aus meiner Plattenkiste fort mit einem hebräischen Friedenslied, “Hewenu Schalom Alechem”, das ein Disco-Hit wurde: Die schwedische Band Army of Lovers brachte die in religiösen Kreisen sehr umstrittene Videofassung unter dem Namen “Israelism“ auf den Markt. Bei aller textlichen und Videokritik: Sein bestandenes Hebraicum konnte man damit sensationell feiern! Weiter geht es zur Braunschweiger Punklegende “Pedder“ Teumer, der 1985 mit seiner Band Daily Terror ein sehr persönliches Lied über das Kriegstrauma seines Vaters schrieb: “Dresden“. In der Liste der Friedenslieder dürfen außerdem zwei Klassiker natürlich nicht fehlen: Michael Jacksons “Heal The World und die berühmten “99 Luftballons” von Nena. Aber es gibt auch unbekanntere, gleichwohl wunderschöne Friedenslieder in meiner Sammlung: Hildegard Knef sang 1963 zur Melodie von “Greensleeves” das aufrüttelnde Lied “Das Brautkleid trug sie zur Maienzeit. Und es gibt da noch etwas, was die verantwortungslosen Mächtigen wohl niemals verstehen werden: Das Lied “Lilli Marleen“ ist zu der Hymne aller Soldaten im Zwangsdienst ihrer jeweiligen Systeme während des Zweiten Weltkriegs geworden. Allenfalls noch das britische “Blue Birds Over The White Cliffs Of Dover drückt die Sehnsucht der allermeisten unfreiwillig in den Kampf gedrängten Weltkriegssoldaten nach Frieden und Freiheit ähnlich beeindruckend aus.

Wir müssen dem gegenwärtigen gedankenlosen Kriegskrakeelen ehemaliger Wehrdienstverweigerer und von Flintenweiber, die nie gedient haben oder sonst wie militärisch ausgebildet sind, alle diese Lieder entgegenhalten, wenn jetzt wieder einmal nach mehr Waffen und damit nach mehr Tod, Sterben und Morden geschrien wird. Worüber Kriegstreiber nie nachdenken, hat der österreichische Liedermacher Ludwig Hirsch in zwei Liedern auf den Punkt gebracht: Das Lied vom Heimkehrer, das thematisiert, was aus vielen Soldaten wurde und wird, die heimkehren – und  Der fremde Soldat für all diejenigen, die nie mehr heimkehren. Übrigens gibt es von Bettina Wegner noch ein weiteres Friedenslied, dass die eigentlichen Leidtragenden in den Mittelpunkt stellt: Kinder (sind so kleine Hände). Und jetzt bleibt nur noch eine Steigerung: Eric Clapton und John Lennon 1969 live in Toronto mit Give Peace A Chance. In diesem Sinne nochmals: Stellt euch quer – und gebt dem Frieden eine Chance!

14 Antworten

  1. Hallo zusammen.
    Schaut euch mal den Text von Marillion an.
    Forgotten Sons. Starke Aussage.

    Grüße aus Tübingen.

  2. Falls zu den Liedern auf die dieser Artikel sich bezieht auch solche gehören welche die Konsequenzen des Kriegs für die Menschen beschreiben gibt es aus dem englischsprachigen Raum noch einige die ich gerne nennen würde:
    Black Sabbath – War Pigs*
    Dream Theater – Sacrificed Sons
    Marillion – Forgotten sons
    Deep Purple – Soldier of fortune
    W.A.S.P. – Heaven’s hung in black*
    The Cranberries – Zombie*

    Text ist nur bedingt für “zarte Gemüter”.

  3. Verdienstvoller Beitrag, lieber Kollege, aber mit Erstaunen stellte ich fest, dass ein Song und ein großer Künstlername fehlten: John Lennon mit einer ewigen Hymne für eine friedliche Welt, dem Klassiker “Imagine”. Der Beatle war ein Wegweiser, ein Querdenker, ein Verschwörungstheoretiker, der gerne die Eliten kritisierte und sich oft über sie lustig machte. Und da merken wir was heute fehlt: Politisch unkorrekte Popmusik mit Charakterköpfen, also unangepassten, souveränen Individuen. Ein Blick in die Charts: Magerquark, Plastikmüll, grosses Nichts von Wichteln, deren Namen man auch nicht mehr kennen muss. Give Intelligence a Chance!

  4. In die Zeit passend:

    New Model Army – 51st state
    Fisher Z – Cruise Missiles
    Extrabreit – Der Führer schenkt den Klonen eine Stadt

  5. Wo sind sie geblieben die Jungens aus meiner Generation aus den 50igern?
    Wo sind unsere Träume wo ist unsere Wehrhaftigkeit und wo ist dieser unbeugsamne Wille esd nie wieder zuzulasssen?
    Wenn ich bei den Demos bin und war da war ich auch schrecklich enttäuscht denn wir, diese lte Generation wir haben noch mit Papa und Opa geredet und ihr Schweigen erlebt wenn es um den Wahnsinn ging in den sie gezwungen wurden.
    Wir kennen noch die Bombentrichter, die fehlenden Häuser und die mit Wasser gefüllten Trichter die Zeugnis von dem waren was Krieg bedeutet. Und nun….. da sitzen wohl meine mittlerweile satten früheren begleiter faul und träge auf ihren feisten Ärschen und strotzen vor Erzählungen wie sie damals ALLE beiden Demos mit dabei waren aber heute …JETZT JA JETZT WERDET IHR GEBRAUCHT DENN UNSER LAND BRENNT UND WIR HATTEN DOCH EIN BISHER TOLLES LEBEN UND SOMIT SOLLTEN WIR VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN JA WIR DIESE ALTEN WEIISSHAARIGEN MÄNNER UND FRAUEN DENN WIR HABEN WENIG ZU VERLIEREN AUSSER DEM BISSCHEN WAS NOCH AN “LEBEN” VOR UNS LIEGEN MAG
    WIR SOLLTEN DEN KAMPF GEGEN DIE AUFNEHMEN DIE UNSER LAND UND DIE ZUKUNFT UNSERER KINDER UND ENKEL IN SCHUTT UND ASCHE REITEN DENN SIE SIND EINFACH LÜSTERN NACH GELD MACHT KRIEG SELBSTBESTÄTIGUNG IHRES ARMSELIGEN SEINS UND WERDEN KEINE RÜCKSICHT UND KEIN MITLEID MIT UNS HABEN
    SIE DIESE VERRÄTER HABEN UNS DEN KRIEG ERKLÄRT UND DER KRIEG HAT SEINE EIGENEN REGELN
    WIR WAREN GEGEN DEN KRIEG WIR SIND GEGEN DEN KRIEG WIR HABEN DIESEN KRIEG NICHT GEWOLLT UND NUN MÜSSEN WIR EINEN KRIEG GEWINNEN UND ZWAR GEGEN DIE DIE UNSERE SPRACHE SPRECHEN DOCH NICHT MEHR ZU UNS GEHÖREN
    ES SIND HANDLANGER FREMDER MÄCHTE DEREN EINZIGE RELIGION IHRE EIGENE RELIGION DER BESTÄTIGUNG IHRES KRANKEN SEINS IST

  6. Schön und richtig und wichtig , was sie hier aufzählen. Die Lieder mit der klarsten Friedensbotschaft kamen für mich aus einem Land das nicht mehr existiert. von den alten Klassikern Bert Brecht, Hans Eisler , Kurt Tucholsky , Goethe Heine über Ernst Busch bis hin für die zur Legende gewordenen ” Rock für den Frieden” gab es sie sogar massenhaft in der DDR. Man muss sie nur hören und sehen wollen. Für mich gehören diese Lieder in keine Schublade sondern gesungen.

  7. @Thomas Schäfer : Da bin ich froh das wir hier im Osten auf unseren Montagsdemos noch viel Alte haben und entsetzt das sich kaum Junge (U30) sehen lassen.

    Ansonsten bin ich noch mehr entsetzt das das Fernsehpublikum nicht den Sendern auf die Pelle rückt mit der Aufforderung an diese Konsorten und über die sie berichten, durch persönliche Anwesenheit an der Front ihrem Kriegstrieb nachzukommen. Es interessiert tatsächlich kaum jemand und wir müssen uns noch auf der Strasse beschimpfen lassen.

    Ich denke mal der nächste Schritt ist kein großer Schritt mehr. Er beginnt im Sportpalast.

    1. “Ich denke mal der nächste Schritt ist kein großer Schritt mehr. Er beginnt im Sportpalast.”

      Den Schritt hat Grönemeyer als Tribun der Woken doch 2019 in Wien längst gemacht, vor jubelnden Massen.

  8. … dann noch drauf “der Pockerer” mit Karl Merkatz …
    bin ja sonst nicht so, hab aber irgendwann im Zwanzig, als mir entgültig bewusst wurde was für ein gewaltiges Lügengebäude um uns errichtet wird um nicht zugeben zu müssen dass …
    Naja, hab Rotz und Wasser geheult

  9. ES IST AN DER ZEIT – HANNES WADER fehlt hier, ist aber ein sehr schönes Lied, geht auch unter die Haut.

  10. Auch gut: “Deutschland in Flammen”.
    Und alle Liedchen die irgendwas mir “Deutschland verrecke” beinhalten.

  11. Als brotloser Musiker habe ich gelernt mich insbesondere in den letzten Jahren für meine “Kollegen” in Grund und Boden zu schämen.
    Eigentlich sollten “wir” wie auch die Presse die kritische und mahnende Stimme in jedem System sein, nicht nur in Deutschland hat sich das aber genau ins Gegenteil entwickelt.
    Dieser Trend begann zwar schon vor der Plandemie, mit ihr kam allerdings das widerliche Angebiedere erst so richtig offen zur Geltung.
    Leider und eigentlich unerklärlich hat sich die Kranheit der grenzenlosen Primitivität auch unter den sich selbsternannten Musikern breit gemacht und das fällt auch bei absolut Non-politischen Themen gravierend auf, kurz gesagt – sie sind überwiegend strohdumm aber große Fresse.
    Kam es früher zu Gesprächen wegen eines Band-Eintritts wurdest du gefragt was für einen Sound du magst und wie dein Spielstyle ist, als zweites was für ein Equipment du überhaut hast, heutzutage wird fast ausschließlich nur noch gecheckt ob du für jemand oder allgemein ein Problem werden könntest.
    Geht es ums Equipment kriegst du nur die Hype-Produkte zu hören, warum sie die benutzen können sie nicht begründen oder was jenes oder dieses eigentlich bringt, sie wissen oft nicht einmal wie es richtig ausgesprochen wird.
    Früher hatte ich beim ersten Vorspielen immer Schiss mich zu blamieren und wusste das ich es bei jedem Einzelnen mit sehr eigenen Persönlichkeiten zu tun habe, heute suche ich nach 20min schon Ausreden wieder abhauen zu können…