Sonntag, 16. Juni 2024
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Historische Lügen und falsche Legenden: Anekdoten des kollektiven Selbstbetrugs

Historische Lügen und falsche Legenden: Anekdoten des kollektiven Selbstbetrugs

Wahrheit und Unwahrheit – eine Frage des geschichtlichen Kontextes (Symbolbild:Imago)

Kennen Sie die Situation, dass Sie bei zwanglosen Gesprächen eine allgemein bekannte geschichtliche Eindeutigkeit erwähnen, um Ihrer Argumentation noch mehr Breite zu verleihen, und genau an dieser Stelle meldet sich einer der Anwesenden und erklärt glaubhaft, dass die oben erwähnte Eindeutigkeit gar nicht so eindeutig oder sogar grundfalsch sei? Ihr Gesprächsbeitrag gerät dadurch ins Schwimmen. Der bekannteste derartige Fall ist der Mythos, “die Kirche“ habe Galileo Galilei, Giordano Bruno und Johannes Kepler bekämpft, weil diese behauptet hätten, die Erde sei eine Kugel und keine Scheibe. Ein weiterverbreiteter Irrtum – denn im ausgehenden 16. Jahrhundert ging es schon lange nicht mehr um die geometrische Form der Erde, die bereits in der Antike – und eben auch weitestgehend von der Geistlichkeit akzeptiert – als Kugel nachgewiesen wurde ( der erste – natürlich kugelförmige – Globus wurde 1492 von Martin Behaim in Nürnberg – ganz ohne Scheiterhaufen und Folterandrohung – hergestellt) Nein: Dort ging es um die Frage, ob sich die Erde um die Sonne dreht oder die Sonne um die Erde. Bis heute hält sich jedoch bei obskuren Spinnern das Gerücht mit der Erdscheibe.

Die Crux bei Geschichtsbüchern ist die, dass es sich meistens entweder um thematisch stark eingeengte Fachbücher handelt (etwa “Der ewige Landfriede von 1495“), oder um epochenübergreifende, fast schon als Nachschlagewerk konzipierte Chroniken (beispielsweise “Deutsche Geschichte – von den Anfängen bis zur Gegenwart“): Die Fachbücher sprechen nur eine kleine Gruppe Interessierter und Spezialisten an, und die breiter gefassten Werke beschränken sich zumeist auf eine oberflächige, jeweils kurze Betrachtung von Einzelepochen. Deshalb können wir dankbar sein, dass es Fachautoren wie den Historiker Bern Ingmar Gutberlet gibt, die sich für eine Nische der Muse “Historia“ begeistern und deshalb auf eine finanziell saturierte Karriere im elterlichen Unternehmen verzichten. Bereits vor 15 Jahren veröffentlichte der Wahl-Berliner eine gekonnt und akribisch recherchierte Sammlung von Klarstellungen historischer Lügengebilde. Damit hatte er sich seinen Wirkungskreis erschossen: Historische Legenden durch alle Zeiten zu “entmythologisieren“ und die tatsächliche Fakten- oder Quellenlage dagegenzusetzen.

Bis heute wirksame historische Lebenslügen

Der interessierte Leser findet in seinem Werk eine Fülle kurzweiliger Informationen, die die Geschichte lebendig werden lassen und völlig neue Aspekte und Argumente zu gängigen Narrativen beisteuern. Sein neuestes Werk, das auf der Entzauberung von 50 historischen Lügen und (falschen) Legenden aufbaut, ist in drei große Abschnitte eingeteilt: Der erste Teil deckt geschichtliche Legenden auf – wie bereits 2007 von ihm bravourös vollbracht -, der zweite Teil beschäftigt sich aufklärerisch mit bislang wirksamen historischen Lebenslügen, und im dritten Teil beginnt er damit, allgemein anerkannte Helden der Geschichte vom Sockel ihrer eigenen Denkmäler zu stoßen. Real life matters! Jedes Kapitel, das sich mit einer konkreten Fragestellung und deren Beantwortung beschäftigt, ist mit einem wahrhaft umfangreichen und durchaus wissenschaftlich zu nennenden Literatur-Leporello versehen, gedacht für diejenigen, die sich weiter und noch tiefergehender mit dieser jeweiligen Frage beschäftigen wollen. Im Klappentext des Buches findet sich der absolut treffende Satz: „Ihre Legenden zu entlarven, unsere Lebenslügen zu enttarnen und vergötterte Helden zu stürzen ist unterhaltsam und lehrreich zugleich. Die Beschäftigung damit macht wachsamer in einer Zeit, in der Geschichte für politische Zwecke verfälscht und missbraucht wird.

Für mich war es spannend zu lesen, dass erst im Kölner Karneval im Jahr 1938 die traditionell männlichen “Funkenmariechen“ von den Nationalsozialisten durch Frauen ersetzt wurden. Kritik an der heutigen, immer noch üblichen, Besetzung der Funkenmariechen durch Frauen könnte man in Zeiten transqueerer Allmachtsansprüche also quasi zum „antifaschistischen Widerstand“ umformulieren – nur würde man damit wohl zum gefundenes Fressen für einen hoffentlich geplanten Nachfolgeband von Herrn Gutberlet…

Dem Paradigma folgen

Wir erfahren ferner, dass die bis heute akzeptierte Streckenlänge des olympischen Marathonlaufs erst für die Olympischen Spiele 1924 in London infolge einer Petitesse festgelegt wurde. Je belangloser heutzutage ein politischer Redner ist, desto öfter erinnert er (oder sie) an das “demokratische Erbe“ des antiken Griechenlands. Doch die “ecclesia“ (griechisch: “Die Gerufenen“ – fälschlich von unseren Kirchen, nachdem sie weltliche Macht ausüben durften, als Institution bewusst oder unbewusst missverstanden!), die Versammlung der Bürger mit Stimmrecht also, verurteilte unter anderem Sokrates “demokratisch” zum Tod. Der erwies sich ebenfalls als guter Demokrat – und folgte diesem Entscheid. Der größte Teil der Bewohner der Städte war damals übrigens nicht stimmberechtigt. “Urdemokratisch“ wäre es also, wenn die Bewohner Deutschlands allen Flüchtlingen – seien sie aus Pommern, Ostpreußen, Syrien, oder Afghanistan – das Wahlrecht verweigert hätten.

Wir erkennen an diesem Beispiel, dass geschichtlich gewachsene Begriffe nicht so ohne Weiteres übertragbar sind. Gutberlet hat es geschafft, wieder ein äußerst unterhaltsames Buch zu verfassen, das zum Nachdenken anregt. Das Kapitel “Nichts gewußt, nichts getan, beste Absichten“ liest sich geradezu wie eine Blaupause zu den Vorgängen rund um die sogenannte “Pandemie”; wir müssen nur ein paar Namen und Titel ändern und dann dem Paradigma folgen. Der Leser erfährt durch viele Epochen eine Menge an konkreten Fakten und Hintergründen und kann dadurch sein geschichtliches Allgemeinwissen durch dieses unterhaltsame Buch “boostern“ lassen – im besten Sinne: Besser den Schädelinhalt boostern, als bei einem windigen Quacksalber den Arm frei machen.

12 Antworten

  1. Tja, es fehlt dann nur der Bereich der politischen Geschichtslügen, der noch viel schlimmer ist, als alles andere. Angefangen mit der “friedliebenden Sowjetunion”, “Überfällen”, auf hundertfach vorher gewarnte “Überfallene” oder “Befreiung”.

  2. Nun ja, mit der Wahrheit, das ist so eine Sache …

    Zunächst muss man sich immer darüber im Klaren sein, wer eine Wahrheit behauptet und welche Motive hinter den Aussagen stecken könnten. Zum Beispiel werden viele Aussagen der römischen Historiker über ihre Herrscher/Kaiser ( Cäsar, Augustus, Nero etc.) zumindest fragwürdig, wenn man berücksichtigt, dass diese oft ja auch nur als Einzelmeinungen überliefert wurden und diese dem konkurrierenden Senat nahestanden und damit im steten Konflikt mit eben diesen Kaiser waren.

    Gerade bei kirchlichen Überlieferungen ist noch mehr Skepsis angebracht. Schließlich liegen hinter allen Überlieferungen eine jahrhundertelange Prüfung, Zensur, Vernichtung und Auslösung – und vor allem eine nahezu alleinige Autorenschaft!
    Z.B. hat nie ein Heinrich IV. vor „Canossa“ gar drei Tage lang im Schnee ausharren müssen. Über diese Übereinkunft zwischen ihm als Kaiser und dem Papst sowie die nähren Umstände gibt es gerade mal eine diesbezügliche „Bezeugung“, die zudem Jahrzehnte später verfasst wurde – und dies natürlich im politisch aufgeheizten „Investiturstreit“, den das damalige Abendland zwischen den Kaisern, den Fürsten und den Päpsten umtrieb. Das ist gewiss nicht alles, was in der gesamten Geschichte jeweils „passend“ gemacht wurde.

    Auch, ob es überhaupt einen „Karl den Großen“ gab, darf trefflich bestritten werden. Die Biografie eines Einhard, die im wesentlichen seine Existenz belegen soll und für die allermeisten belegt, ist eine durchsichtige Nachtkomposition der römischen Kaiser-Biographen. Von einer Jugend weiß er merkwürdigerweise nichts zu berichten, wie es bei einem Jesus übrigens in gleicher Weise zu verzeichnen ist. Hier zwei gänzlich widersprüchliche Geburtsgeschichten – dann lange „Pause“.
    Zumindest bei der Frage nach einem doch bis heute geführten „Markenzeichen Karl“ kann sich ein Freund der Wahrheitssuche auf den Weg machen und zahllose Widerlegungen finden:
    http://www.mantis-verlag.de/ bzw. unter Zeitensprünge

    Wem es um Wahrheit geht, wird immer wieder die Erfahrung machen, dass trotz „dünnster Beweislage“ so gut wie nie Bereitschaft besteht, in eine Prüfung einzutreten. Es ist allemal einfacher einem hundertfach gehörtem Irrtum aufzusitzen und zu folgen, als einmal gründlich nachzudenken und nachzuforschen. Leicht gemacht wird dies ohnehin nie, wenn man außerhalb des Mainstreams nach der Wahrheit sucht.

    Wer wird in hundert Jahren noch wissen, was an Ereignissen/Datum wie „9/11“ oder „9/26“ höchst merkwürdig und deshalb höchst wahrscheinlich „unwahr“ war?

    1. Mit der Geschichte ist es wie mit dem Klima oder Corona: “Experten” stellen Behauptungen auf, die allein dadurch wahr werden, dass “Experten” diese Behauptungen aufgestellt haben, und jeder, der es wagt, Zweifel anzumelden, wird aufgefordert, eindeutige Beweise vorzulegen oder sein frevlerisches Maul zu halten. Das nennt sich dann “follow the science”…

    1. Dieser Grins-Clown und Redliche-Bürger-Verspotter mit seiner “Zeitenwende” hätte besser von einer “Gezeitenwende” gesprochen und so auf die durch seine Regierung selbst-fabrizierte Ebbe mit ablaufendem Wasser, sprich davonlaufender Wirtschaft und Lebensstandard hingewiesen.

      Jetzt schwafelt er etwas von einem neuem Deutschland-Bündnis – gerade so, als säßen die gleichen Versager und Ideologen erst seit gestern im Reichstag.
      (Sie sitzen im Reichstag, weil man im Bundestag (abstraktes Gremium!) nicht „sitzen“ kann! Ein ungewollter Nebeneffekt: So sitzen (1) diese Versager wahrlich in einem historischen Rahmen! „Stehen“ wäre mangels Rückgrat deutlich überhöhend.)

      Mit Lügen in die Vergangenheit hinein geht es heutzutage leider viel zu leicht. Das Internet „mag nichts vergessen“, die Massen stellen einen Rekord nach dem andern „im Vergessen“ auf! Mit Lügen in die Zukunft wird es erheblich kritischer. Das Einzige, was bei dieser Regierung blüht, ist ihre Fantasie!

  3. Wer die Kirche für fortschrittsfeindlich hält, besuche mal den Petersdom und steige auf die Kuppel. Diese Bauwerk war damals das, was heute die Raumfahrt ist. Papst Urban VIII. ehrte seinen Freund Galileo Galilei mit Privataudienzen, Renten und Orden. Seine Verurteilung konnte er aber nicht verhindern, denn Galileis Erkenntnisse waren in der Zeit der Gegenreformation nicht opportun. Wenige Wochen nach dem Urteil wurde er unter die Aufsicht des Erzbischofs von Siena Ascanio II. Piccolomini gestellt, der ein glühender Bewunderer war und ihn nach Kräften unterstützte. (vgl. Wikipedia) Seine Haft konnte er als Hausarrest verbüßen, in dem er die Discorsi schrieb, die zwar nicht im Kirchenstaat veröffentlicht wurden, aber in den meisten Staaten Europas erhältlich waren. Er wurde in einer bedeutenden Kirche in Florenz bestattet und erhielt später ein prächtiges Grabmal.

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  4. @Historische Lügen und falsche Legenden
    na – die gibt es wie Sand am Meer – in immer inspiriert von der Interessen der Mächtigen!

    Es gibt ja die Aussage :
    “Wahrheit ist das, auf das sich die Mächtigen geeinigt haben!
    oder
    “Die Sieger schreiben die Geschichte!”
    oder
    “Kriegsverbrechen haben nur die Verlierer begangen”

    oder allgemeiner in den Prinzipien der Kriegspropaganda von Lord Arthur Ponsonby :
    1 Wir wollen keinen Krieg!
    2 Der Gegner ist allein für den Krieg verantwortlich!
    3 Der Führer des feindlichen Lagers wird dämonisiert
    4 Wir verteidigen ein edles Ziel und keine besonderen Interessen!
    5 Der Feind begeht wissentlich Grausamkeiten, wenn wir Fehler machen, geschieht dies unbeabsichtigt
    6 Der Feind benutzt unerlaubte Waffen
    7 Wir erleiden geringe Verluste, die Verluste des Feindes sind erheblich1.8Anerkannte Kulturträger und Wissenschaftler unterstützen unser Anliegen
    9 Unser Anliegen hat etwas Heiliges
    10 Wer unsere Propaganda in Zweifel zieht, arbeitet für den Feind und ist damit ein Verräter

    damals wie heute – immer und überall, wo Mächtige ihre Interessen sehen – dazu auch gerade :
    https://www.cashkurs.com/wirtschaftsfacts/beitrag/google-kuendigt-weltweites-verbot-unabhaengiger-medien-in-den-suchergebnissen-an

    Na ja – hat sich was mit ankündigen – wird schon seit letzten Jahren um Corona massiv eingesetzt – und heute nur offen zum Prinzip erklärt !

    1. Vielen Dank für die sehr gute Auflistung!!!

      Im Hinblick auf die aktuelle Situation, insbesondere hinsichtlich der Ukraine, erlaube ich mir die Vorlage nach meinen Vorstellungen etwas zu aktualisieren/präzisieren:

      Die amtlichen Narrative lauten wie folgt und sind ständig, unabhängig von aktuellen Geschehnissen oder Erkenntnissen, zu wiederholen:

      1 Wir wollen/wollten keinen Krieg!
      2 Allein der Gegner ist für den Krieg verantwortlich!
      3 Der Anführer des feindlichen Lagers ist ein Kriegstreiber!
      4 Wir verteidigen edle Ziele im Interesse aller!
      5 Nur Feind begeht wissentlich und unnötig Grausamkeiten!
      6. Schäden entstehen durch unsere Truppen nur unbeabsichtigt und nur im unvermeidlichen Umfang!
      7 Der Feind benutzt unerlaubte Waffen und Methoden und betreibt eine verlogene Propaganda!
      7 Wir erleiden nur geringe Verluste; die Verluste des Feindes sind erheblich!
      8..Anerkannte Persönlichkeiten aus aller Welt und zahlreiche Regierungen unterstützen unser Anliegen!
      9 Mit unseren Opfern verfolgen wir hohe Ziele! Kein noch so hohes Opfer ist umsonst!
      10 Wer unsere Mitteilungen in Zweifel zieht, unterstützt den Feind und ist damit ein zu verfolgender Verräter!
      11. Wir kämpfen bis wir den Gegner vollständig besiegt und unsere Vorstellungen verwirklicht haben!

  5. Jeder kennt es noch: “Aber Bergamo, die Bilder.” Was war geschen? Die Bezirksregierung in Bergamo glaubte, daß sog. Corona-Tote das Grundwasser vergiften würden und deshalb wurde angeordnet, daß keine Erdbestattungen mehr erlaubt seien und alle Leichen verbrannt werden müßten. Nun sind in Italien fast nur Erdbestattungen üblich, was sofort dazu führte, daß alle (auch normale) Sterbefälle in weiter entfernt liegende Krematorien gefahren werden mußten, weil die wenigen Krematorien in Bergamo für so eine plötzliche Umstellung natürlich nicht ausreichten. Da natürlich auch keinerlei normale Transportkapazitäten ausreichten, weil ja alle Kranken- und Leichenwagen durch den üblichen Tagebestrieb aus-gelastet waren, kam die Armee ins Spiel. Jeder kann sich die üblichenTodesfallzahlen in wenigen Minuten ausgoogeln, ebenso die Zahle der vorhandenen Krankenwagen etc. Die berühmten Schockbilder von Bergamo waren also gar keine Schockbilder, die tausende Corona-Tote zeigten, sondern nur durch das irrtümlich erlassene Erdbestattungsverbot entstanden.