Bunter als Neukölln: Deutschlands Dissidentenszene

Wer darf hier noch was sagen? (Symbolbild:Pixabay)

Holla die Waldfee! Wenn das so weitergeht, ist die Liste der deutschen Dissidenten bald bunter als Christopher Street Day und ein Stadtteilfest in Kreuzberg zusammen. Was für eine geballte Kraft könnte hier zusammengeschmiedet werden, wenn sich alle Diffamierten Deutschlands zu einem Rebellen-Kongress träfen und über ihre Gemeinsamkeiten redeten – statt über Trennendes, das bisher viele davon abhält, mit den anderen eine Allianz einzugehen. „Es lebe die Meinungsvielfalt!“ wäre so ein gemeinsamer Nenner – und dazu muss man gar nicht jede Meinung innerhalb des Clubs der Geächteten teilen. Im Gegenteil: Wir wollen schließlich eine Rückkehr zur offenen Debatte.

Im Moment hat der Mainstream Ulrike Guérot als Hauptfeind ausgemacht. Ein ZDF-Redakteur attackiert sogar die „Süddeutsche Zeitung” – die gewiss kein „neurechtes“ Blatt ist -, weil sie eine Lesung mit Guérot aus deren letztem Buch „Wer schweigt, stimmt zu“ organisiert. Es ist die altbekannte Leier, die sich nun abspielt, wir kennen sie schon von der Frankfurter Buchmesse, wenn dort ein „rechter“ Verlag etwas Neues vorstellt: Anstatt die Diskussion zu suchen und mit den Autoren über Strittiges beherzt zu debattieren, soll die Buchvorstellung schon im Vorfeld unterbunden werden.

(Screenshot:Twitter)

Und geht es nach Thüringens Innenminister Georg Maier, ist Frau Guérot ohnehin bereits im Kreis der Rechtsextremen angelangt, da sie sich bereits kritisch zu den Corona-Maßnahmen geäußert hatte. Das nennt sich im Sprachgebrauch des Ministers „Corona-Leugner“ – auch wenn man Corona gar nicht leugnet, sondern lediglich die Berechtigung, aus dem Virus allerlei Freiheitsbeschränkungen abzuleiten. Die „Rechten” von heute benehmen sich sowieso arg seltsam: Galten sie früher als Vertreter von Law & Order, so dürsten sie heute nach Freiheit, was angeblich der Demokratie entgegenstehe. Da muss ein schlichtes Gemüt wie ich erst dreimal um die Ecke denken, um Demokratie und Freiheitsentzug auf eine Linie zu bringen – aber jemand wie Georg Maier schafft das im Handumdrehen. La démocratie, c’est moi!

Nur: Wie bringen wir die derart in eine Schublade Gestopften dazu, zumindest in Sachen Meinungsfreiheit öffentlich an einem Strang zu ziehen, einen Waffenstillstand zu schließen um der Sache Willen? Einfach ist das nicht In unserer Schublade herrscht nämlich eine Variante des „Krabbenkorb-Prinzips”: Zwar hält man sich nicht gegenseitig am Boden wie die missgünstige Damenmannschaft eines Büros – aber der Versuch, aus der Schublade zu klettern, ist durchaus da. Doch da gibt es die Faesers, Maiers und Haldenwangs, welche ihre Fangnetze in alle Richtungen auswerfen, während die Bewohner der Schublade hoffen, noch rechtzeitig zu entkommen, bevor sie in deren Visier geraten. Nun gut, schaut man sich die starken Persönlichkeiten an, die „Wokest Boy“ in seiner nachfolgend dokumentierten Collage zusammengetragen hat, muss das nicht nur damit zu tun haben, dass man sich politisch nicht grün ist oder Angst hat, mit den anderen in Zusammenhang gebracht zu werden.

(Screenshot:Facebook/WokestBoy)

Der kluge und wortgewaltige Henryk M. Broder kann auch schonmal bissig werden, und eine der gezeigten Damen fährt gern ihre krallenartigen Fingernägel aus. Aber der Rest scheint mir eigentlich recht umgänglich zu sein, und ich könnte mir hier durchaus sehr interessante Gesprächsrunden vorstellen. Also – keine Berührungsängste bitte! Und immer daran denken: Brav sein bringt die Meinungsfreiheit nicht zurück. Sie werden euch nur das nächste Stöckchen hinhalten, über das ihr springen sollt. Man muss sich nicht lieben – aber ein wenig Zusammenhalt der Dissidenten könnte wirklich nicht schaden. Sonst haben wir bald gar nichts mehr zu melden.

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10 Kommentare

  1. Kurz und bündig !
    Was ein Bauer nicht kennt (nicht kennen will), das frisst er auch nicht.
    Man kann Bauer durch Politiker/in ersetzen.

    Wir brauchen mehr harte, schlagkräftige, offene Diskussionen,
    gerne im ÖR-TV mit ausgewogener Gästeauswahl.
    Schade, das es noch keinen über Satellit zu empfangenden neutralen
    Nachrichtensender gibt. Leider ist 1TV nur über Internet hier zu erreichen.
    Wir brauchen ein neues, ehrliches, nach den „7 journalistischen w-es“ recherchierenden
    und berichtendes TV-Medium, damit endlich die Mainstream-Märchenstunden ganz im
    Sinne der unsäglichen Regierungspolitik bloß gestellt werden !
    Mir kommt dabei die AfD als Gast viel zu kurz bzw. bei den Mainstreamprogrammen
    von ARD + ZDF gar nicht mehr als präsent.
    Das Problem sind abgehobene antidemokratische Intendanten + Programmdirektoren.
    Sie müssen terminiert werden, so schnell als möglich, damit sich Bürger nicht weiter
    von links-grün faschistischen Medien „einseitig opiumisieren“ lassen müssen !

  2. Das neue Normal.
    „Die Mannschaft“ läuft in Damenbinden und Regenbogentrikots auf oder umgekehrt, – völlig normal und wer es anders sieht ist nicht mehr normal. Ball tretende Multimillionäre die im Gedenken für einen drogensüchtigen Kleinkriminellen nieder knien, – völlig normal, während genau diese schwarze und prekäre Bevölkerungsschicht aus der dieser stammte sich hauptsächlich selbst, aber auch andere, massenhaft massakrieren. Fast alles perverse und abartige ist mittlerweile völlig normal. Die reichen Eliten muss man bemitleiden und die Armen muss man hassen, betrügerische Verbrecher werden Minister oder noch mehr und Aufrichtige mit kolossalem Verstand und Bildung muss man als das Böse vernichten usw. usf., – alles völlig normal.
    Die Werte im Westen insgesamt sind einfach nur völlig normal. Wann werden auch die Allerletzten endlich völlig normal sein?!

  3. Wenn Linke sich zerfleischen, genießt man die Show. Der Feind meines Feindes ist nicht immer mein Freund. Und im Fall Guerot sollte man sich einfach freuen, dass eine marxistische Räte Kommunistin, die die Abschaffung der Nationalstaaten und offene Sozialtöpfe für die Welt fordert gerade zur Pariah wird. Man sollte ihr unter keinen Umständen die Hand reichen noch ihr anders Aufmerksamkeit schenken.

  4. Ein „Dissidenten-Kongress“ mit führenden Vertretern der Zunft – wäre das nicht eine Sache, die der Compact-Verlag mal organisieren könnte? (Ich hoffe, die Redaktion liest das jetzt mit!)

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