Diskriminierung kritischer Geister: Schweizer Tagungshotel lädt „Kontrafunk“ aus

Kritische Geister unerwünscht, man will ja schließlich keinen Ärger bekommen… (Symbolbild:Imago)

Dass die duckmäusernde wohlfeile demonstrative Ab- und Ausgrenzung von Andersdenkenden kein Privileg deutscher Haltungsjakobiner, Feiglinge und Konformisten ist, und dass Unterformen der Cancel Culture auch die ehemals freie Schweiz infiziert haben, zeigte die Ausladung des geistreichen und kritischen Internetradios „Kontrafunk“ durch das Tagungshotel Lilienberg in Ermatingen: Der freigeistige Sender hatte geplant, dort seine erste Versammlung abzuhalten. Nach anfänglicher Zusage und freundlichen Worten, erfolgte aus heiterem Himmel rund zwei Wochen vor der Veranstaltung die plötzliche Absage auf Betreiben von Denise Rau, der Präsidentin des Stiftungsrats Lilienberg. Diese hegte, wie sie mitteilte „die begründete Annahme das (sic!) die Veranstaltung den reibungslosen Geschäftsbetrieb, die Sicherheit und den Ruf des Lilienberg” gefährde. Verbunden war der Affront mit der angeblichen Hoffnung der Direktion, dass „Kontrafunk” bitte „Verständnis” für die Entscheidung haben möge. Eine nähere Begründung erfolgte nicht. Auf Nachfrage des Journalisten René Zeyer, der Gast der Veranstaltung gewesen wäre, teilte man mit: „Ich darf Ihnen mitteilen, dass von unserer Seite her kein Interesse an einer Stellungnahme zu Ihrem Artikel besteht.“

Dieser Gipfelsturm der Heuchelei ist insofern wohl beispiellos, als Christoph Vollenweider, der „Leiter Programm und Publikationen“ des Lilienberg, noch im Februar auf der Hotelwebseite einen wortreichen und lesenswerten Generalangriff auf die Cancel Culture veröffentlicht hatte. Diese sei, stellte er darin fest, „der seit Jahrzehnten gefährlichste Angriff auf die Toleranz“. Seit Jahren beobachte man „eine Entwicklung, die wir vor etwas mehr als einem Jahrzehnt noch für undenkbar gehalten haben. Gemeint sind der um sich greifende Ungeist der Diskreditierung und Diffamierung sowie die Intoleranz im Zusammenhang mit den Begriffen Identitätspolitik, Politische Korrektheit, Cancel Kultur und woknes (sic!).“ Nun macht sich ausgerechnet sein eigenes Haus selbst zum Helfershelfer dieser Entwicklung.

Subtiler bis offener Gesinnungsterror

Die Schriftstellerin und frühere „Welt”-Autorin Cora Stephan, die als aktive Teilnehmerin der „Kontrafunk”-Veranstaltung vorgesehen war, erklärte, die Begründung für die Absage sei erschütternd: Die angebliche Gefährdung des Geschäftsbetriebs gehe gewiss nicht von den Ausgeladenen aus. Sie bezeichnete sich als eine 71-jährige Schriftstellerin, die nicht dafür bekannt sei, dass sie Geschäftsbetriebe gefährde oder gar die „Sicherheit” von wem auch immer. Dessen könne sie eigentlich nur jene verdächtigen, die „nicht zu meinen Freunden gehören, weil sie gern auf radikale Weise die Meinungsfreiheit anderer unterbinden.” Mit der Absage habe das Hotel sich auf die Seite der Feinde der Meinungsfreiheit geschlagen und damit seine Reputation verloren. Seinen guten Ruf hätte das Lilienberg hingegen verteidigen respektive einen solchen neu erwerben können, wenn es sich, so Stephan, „unter die mittlerweile Vielen eingereiht hätte, die mit dem neuen Radio ‚Kontrafunk‘ Unabhängigkeit, Meinungsfreiheit, Vielfalt, Phantasie und Wagemut unterstützen.

Was Anhängern der Freiheit mittlerweile droht, teilten die Hacker von „Anonymous Germany“ gegenüber Burkhard Müller-Ullrich, dem „Kontrafunk”-Chef in aller Deutlichkeit mit: „Wir ändern ab sofort die Regeln. Die Samthandschuhe kommen an den Haken, jetzt kommen die virtuellen Schlagringe. Wer Nazis, Schwurblern, Reichsbürgern, Klimaleugnern, TERFs, Trollen, Putinverstehern eine Plattform, einen Arbeitsplatz, einen Server, Schutzraum, rechtliche oder finanzielle Unterstützung oder nur einen freundlichen Schulterschlag bietet, ob Richter, Staatsanwalt, Politiker, Journalist, Beamter, normaler Bürger oder Unternehmer, der ist legitimes Ziel von OpKalteWut. Physische Gewalt bleibt Tabu, aber Ruf, Job, persönlichste Daten, Konto, Firma können weg. Wir haben ganze Rechenzentren zerlegt um einen Attila Hildmann in seiner Bedeutungslosigkeit ein wenig zu triggern, was glaubt ihr werden wir mit Menschen machen, die andere hämisch lachend in den Tod treiben oder dabei weggucken, wo sie handeln könnten?“ Dieses Statement mag als Zeitdokument dienen, welchen neuerlichen totalitären Zeiten des Wahns wir sehenden Auges in der westlichen Welt entgegensteuern.

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13 Kommentare

  1. Danke für die Blumen – aber ich bin schon lange keine „Welt“-Autorin mehr. Man findet mich bei der Achse des Guten, bei Tichys Einblick – und bei Kontrafunk.

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    • Naja, so groß ist der Unterschied von Tichys, Achse, Welt und Bild ja nicht gerade. Oder besser gesagt, was haben die gemeinsam? Es ist ihre vernebelte Abneigung gegen die momentan einzig wählbare Partei. Auch Reichelt und einige Verbohrte kapieren es nicht.
      Die kapieren noch nicht einmal wer unsere wirklichen Feinde sind.

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    • @Dr. Cora Stephan 5. Oktober 2022 Beim 14:35

      Also wenn man mich verdächtigte WELT-Autorin zu sein, dann würde ich mich für diese Fleurs du Mal sicher nicht bedanken.

  2. Die nächste Stufe von „OpKalteWut“ ist eine Todesliste, wie sie die Ukraine hat: „myrotvorets.center“ (Friedensstifter). Wer auf dieser Liste steht, lebt gefährlich. Auch über 300 Minderjährige sind dort verzeichnet, z.B. die 14-jährige Faina Savenkova, die nichts anderes macht, als zu informieren, wie Kinder in der Ostukraine unter den Bedingungen des Bürgerkriegs, der seit 2014 tobt, leben müssen.

    Hinweis: Einfach mal oben in die erste Zeile „Faina Savenkova“ oder „Alina Lipp“ eingeben und unten „Suchen“ betätigen.

    Und ich lese täglich „ansage.org“ und höre seit dem ersten Tag an täglich „kontrafunk.radio“.

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  3. „… was glaubt ihr werden wir mit Menschen machen, die andere hämisch lachend in den Tod treiben…?“

    Blöde Frage, das haben diese Hacker von „Anonymous Germany“ ja gerade selber erklärt: Sie treiben andere Menschen hämisch lachend in den Tod – denn was bleibt den Opfern noch, wenn der Ruf, der Job, persönliche Daten, Konto und Firma – ein ganzes mühsam aufgebautes Leben endgültig weg sind.

    Linke sind längst schon zu Meistern der Projektion geworden – sie beschuldigen andere immer genau der Untaten, die sie selber begehen.

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  4. Anonymous Germany gehört ausgerottet. Als erstes werden wir unsere Firewall auf Kaspersky umschalten, da diese lächerliche CIA-FBI Software Schmiede von Anonymous Germany voll und ganz von den U.S.-Amerikanern durchfinanziert wird!

  5. Das hört sich wie eine Diktatur an! Wer nicht spurtet, der hat mit den diktatorischen Maßnahmen zu rechnen! Irgendwie wirst du dann fertig gemacht! WIR kriegen DICH schon klein!

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