Diskussionskultur auf Facebook

Gefangen in der Filterblase: Die Tücken der Sozialen Medien (Symbolbild:Pixabay)

Eigentlich fand ich es immer ein bisschen albern, auf Facebook Entfreundungen („Gelbe Karte”) oder Blockierungen („Rote Karte”) breitzutreten. Meine dortige Freundesliste setzt sich vornehmlich aus Menschen zusammen, die einigermaßen kultiviert Kritik an gesellschaftlichen, vor allem politischen Entwicklungen üben. Gut, man erwartet hier zumeist Zustimmung und gleiche Überzeugungen; sehr viel seltener kommt vor, dass die Beiträge korrigiert oder kritisiert werden. Das ist soweit psychologisch erwartbar, denn wo Verunsicherung und Orientierung fehlen, sucht man erstmal nicht nach noch mehr Streit, sondern nach Gleichgesinnten, die Halt geben. Das Fehlen von Widerspruch erzeugt natürlich die meinungsbereinigten, kaum noch offenen Blasen. Der Preis der Gemütlichkeit. Um Kritikfähigkeit sollte man bemüht bleiben und die geäußerte Kritik sollte die Grenzen des Respekts beachten. Ab einem gewissen Alter sollte auch die Dünnhäutigkeit durch ein etwas dickeres Fell ersetzt sein. Offenbar ist das aber Wunschdenken.

In der letzten Zeit haben sich die Social-Media-Blasen an immer neuen Aufregern innerlich zerstritten und neu sortiert. Nach Migration und Identitätspolitik kamen Corona und „der Russe“ sowie immer wieder die Frage nach den „richtigen” und den „falschen” Freunden dazu. Es wurde hitziger und ungemütlicher, und das gelegentliche Durchlüften („Gelb”) – wie viele schon feststellen mussten – gehört eben zur Hygiene.

Der Ton macht die Musik

Wenig Verständnis habe ich allerdings für den herrischen Ton, den einige an den Tag legen: Unter meinen Facebook-Freundinnen gibt – beziehungsweise gab – es eine ziemlich militant auftretende feministische Fraktion, die sich zunehmend darin gefiel, nachzuweisen, wie gestrig und engstirnig doch weite Teile der versammelten Freunde in Fragen von Diversität und Gleichstellung gestrickt seien. Nun kann man diese Auffassung durchaus vertreten, sie begründen, diskutieren und die eigenen Positionen dabei prüfen. Die Frage ist allein, wie man das tut.

Gestern wurde auf Facebook nun ein harmlos „crossdressender“ Opa in Frauenkleidern im Bild präsentiert, an dessen Akzeptanz man sehr gut sehen könne (müsse), dass es den Kritikern der Genderpolitik lediglich um Hass ginge. Als ich inmitten eines zustimmenden Häufchens darauf verwies, dass ich in der pausenlosen medialen Vorführung solcher Minderheiten mittlerweile einen aggressiven, unnötigen und kontraproduktiven Bekenntnisdruck sehe, erntete ich postwendend erst das Feix-Smiley, und dann die unweigerlich folgende Retourkutsche, mit der mir „gestelztes Geseiere” und „latente Homophobie” vor die Füße gekippt wurden. Von einer langjährigen „Freundin“, wohlgemerkt. Nun bin ich selbst ein Widerspruchsgeist. Ich setze gern Kontrapunkte in einem Thread und bin mir daher durchaus bewusst, dass Kritik in 90 Prozent aller Fälle eine sofortige Abwehrreaktion erzeugt. Man tauscht sich dann aus, stellt eine Annäherung fest oder auch nicht. Es gibt einige Facebook-Freunde, die mit mir oft nicht übereinstimmen, aber gerade dadurch ein willkommenes Korrektiv bilden. Hierbei macht in jedem Fall aber der Ton die Musik. Ich habe letzte Woche drei Mal „Rot” gezogen – und diese Entscheidung ist bei mir endgültig.

BITTE BEACHTEN: Klarstellung der Redaktion zu Leserkommentaren

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann freuen wir uns, wenn Sie unsere Arbeit mit einer Zuwendung unterstützen.

6 Kommentare

  1. Facebook.
    Ist man auf „Reichweite“ angewiesen, führt wohl kein Weg daran vorbei. Zumindest – wie bei mir einstmals – wenn die finanzielle Existenz durch viele Kontakte verbessert werden kann.
    Ausser diesem aus meiner Sicht, einzigen Grund, gibt es absolut keinen, um ´dort aktiv zu sein.
    Schon gar nicht, wenn die eigene oder fremde Meinungsbildung beabsichtigt ist.
    1. wird zensiert – 2. sind vom Staat beauftragte „Hetzer“ aktiv – 3. schreibt man sich die „Stasi-Akte“ selbst, in dem die eigenen Ansichten für jede Art von Denunzianten und grünlinkem Müll offensichtlich wird.
    4. erfolgen viele Provokationen, denen man emotional nicht immer mit Rationalität begegnen kann. Dann erfolgt Punkt 3.
    Ehrlicher, demokratischer Diskurs, ist bis auf wenige Offline-Kontakte reduziert .. wobei man selbst da schon schauen muss, mit wem man sich austauscht, damit Punkt 3 nicht doch noch wirksam wird .. obwohl man sich persönlich kennt.
    FB – das ist lange Geschichte für mich. Und tatsächlich lebe ich „ohne“, wobei keinerlei Umsatzeinbruch geschah .. nur die Stunden, in denen ich meine Follower bespasst habe, kann ich nun effizienter nutzen.
    Übrigens: Ich bin auf allen Plattformen gewesen. Gewesen!

  2. https://youtu.be/1qtcxqxVr6Q?list=TLPQMDYxMTIwMjK1T267YjmS1w

    „Fleischhauer – 9 Minuten Netto: Ende der Meinungsfreiheit?! Feiger Kniefall vor linken Aktivisten.“
    Jeden Freitag bei ServusTV

    Lasst endlich diese Störer, Denunzianten der linksgrünen Faschisten, ins leere laufen und reagiert nicht mehr darauf.
    Denn geistigen Tieffliegern bereitet man keine Bühne und keiner darf sich von diesen
    Unholden vor sich hertreiben lassen.

    11
  3. Es ist eben so, daß ein vierzig Jahre andauerndes Sinken des Bildungsniveau in den Schulen diese Erscheinungen der Wissensverwahrlosung mit sich bringt. Wir landen bereits im Mittelalter. Die Wiedertäufer gibt es auch bereits. Das sind die Klimafanatiker und Links-Grünen Weltverbesserer. Deutschland wird gerade auf das Schafott der Weltgeschichte gezerrt.
    Eins schafft mir aber eine tiefe Befriedigung. Wenn die Deutschen nicht mehr existieren, geht dieses korrupte Europa wie 1990 der korrupte Kommunismus den Jordan runter. Dann wird keiner mehr da sein, der Europa und die Welt alimentiert.

  4. Gesichtsbuch habe ich von Anfang an die „Rote Karte“ gegeben!

    Wahrscheinlich einer der gaaanz wenigen, der mal die gefühlt 300 Seiten AGB und Datenschutzerklärungen gelesen hatte. Selbiges gilt für Whatsapp und sonstige Sammeltools der Privatsphäre, die auch noch mit PRISM „kooperieren“.

    Bruche mer nit, fot do mit!

  5. Kultur hat dieses Land noch nie wirklich gehabt. Bis zu einem bestimmten Grad kann man da anderen beipflichten. Besonders was die Entwicklung von Individualität, Identität, Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, eigenständiger Persönlichkeit usw. angeht. Deutschland hatte, bis auf eine Handvoll Ausnahmen, nie echte starke Führungen, sondern immer Luschen, die sich, dank ihres Unvermögens, hinter dem Volk versteckt haben. Gleichzeitig aber jede persönliche Weiterentwicklung unterdrückt haben, unterdrücken mussten. Bis heute ist das so. Wie oder wodurch soll sich irgendeine Form der Kultur, egal, in welchem Bereich, entwickeln. Der deutsche Möchtegernherrenmensch, der sich ausschließlich an seinen Landsleuten vergeht.

  6. Nun Fratzenbuch ist schon eine bemerkenswerte Plattform die ich nutze, da ich als unverbesserlicher hoffe dort einen Personenkreis zu erreichen der in der Regel auch sonst lediglich Blümchen, neue Frisur,Lieblingstier und mein schöner Garten nebst den liebenswerten Sprösslingen in Wort und Bild austauscht.
    Nun ich habe in den letzten 3 Jahren einige wohl erreicht und mich darüber sehr gefreut. Immer wieder Bemerkungen und Kommentare zu den von mir eingestellten Themen und Texten.Nun die Haltung einer kranken Regierung die durch die mittlerweile in grüner Umklammerung tosender ÖRS betonierter Propaganda haben diesen überschaubaren Kreis schwinden lassen und ich glaube es ist sinnvoller, sich nach einem Flugzeigabsturz in der Sahara als einzig Überlebender auch zwischen den Beinen zu parfümieren, denn die Hoffnung stirbt zuletzt, als darauf zu warten, dass sich in diesem Fratzenbuchbereich die paar Interessierten erneut aufraffen. Die „Freunde“ sind müde geworden und ich beobachte wie man sich in kleinen Äusserung aus dem Bereich der „Hisotherik“ einigelt und nur noch einen kleinen Horizont mit „Hoffnungsblümchen wahrnehmen möchte.
    Echte und förderliche Kritik oder eine die Hirnrinde befeuernden Kommentare sind kaum noch zu finden und ich stelle mir die Frage, ob ich es nicht einfach bleiben lasse und stelle weiterhin meine Schilder an die Hauptstrasse denn da bekomme ich zumindest eine Form der Beachtung wie “ Du Nazi“ oder auch den „Volldeppen“ mitgeteilt jedoch auch diese positiven zwar seltenen aber schmeichelnden Texte die es gut finden.
    Wahrscheinlich schreibe ich nicht so, wie man es en voque findet oder aber man hat Angst vom Mainstream umgekloppt zu werden.
    Diese Hilflosigkeit die kann einem schon mächtig zusetzen und der Wunsch dieses Land der Blockwarte und einer nie gekannten Verdummung zu verlassen die wird immer stärker. Die Frage ist wohin wenn man nicht viel geld hat und auch noch über 70 ist?
    Meine Wut auf die, die mir dies antun und mir die letzten Jahre so zerstören die ist einfach gewaltig was mich zu Überlegungen führt die ein Schwelgen in Taten um mich hierfür zu revanchieren in erschreckender Weise herbeigewünscht werden.
    Eine demokratische und menschliche, rücksichtsvolle als auch hilfsbereit freundliche Vorstellung mit Mensch,Tier und Natur umzugehen lösen sich auf und man stösst an seine Grenzen.

Kommentarfunktion ist geschlossen.