Heidenreichs heilsamer Zorn mischt nicht nur Lanz auf

Elke Heidenreich (Foto:Imago)

Menschen, die das offen aussprechen, was nicht nur sie selbst, sondern insgeheim auch ein anzunehmender Großteil der Zeitgenossen denken, haben heutzutage Seltenheitswert – und wenn jemand wirklich noch halbwegs authentisch auftritt, Schweigespiralen durchbricht und Tacheles redet, ganz so so wie ihm der Schnabel gewachsen ist, ohne Rücksicht auf totalitäre Sprachregelungen und Denkverbote zu nehmen: dann wird dies als nachgerade revolutionär empfunden. Leisten können es sich die wenigsten; im Prinzip nur noch Exil-Deutsche, wirtschaftlich unabhängige Persönlichkeiten, die vor niemandem mehr katzbuckeln und aus ihrem Herzen darum keine Mördergrube machen müssen, durchgeknallte „Schmerzfreie“ jenseits von Gut und Böse – oder solche, die ein Alter erreicht haben, in dem sie auf den Backlash linker Jabberwockies sowie Shitstorms des Zeitgeistes getrost pfeifen können.

In die letztere Kategorie fällt die agile, schrullige und doch immer wieder sehens- und hörenswerte Krawallschachtel Elke Heidenreich, einst Moderatorin, begnadete Kabarettistin und Literaturkritikerin. Mit ihren 78 Jahren muss sie niemandem mehr etwas beweisen, muss sich nicht mehr verbiegen und kein Kreide mehr fressen, um sich öffentlich-rechtliche Gewogenheiten nicht zu verscherzen oder sich einen braunen Hals beim woken Mainstream zu holen. Ihr gestriger Auftritt bei „Markus Lanz“ geriet denn auch zur wohltuenden Wutrede: Ob Diversitäts- und Quotenwahn („Hauptsache Migrationshintergrund, Hauptsache Quote – das ist eben der falsche Weg„),  Jugendverblödung („Generation Sprachlos„, „unfähig mit Worten umzugehen„) oder Bildungsferne am Beispiel der grünen Nachwuchsrassistin Sarah-Lee Heinrich („die kann gar nicht sprechen“, „muss erst mal lernen richtig zu formulieren„) – Heidenreich nahm kein Blatt vor den Mund.  Beim Thema Gender-Hysterie lief sie dann zur Höchstform auf: „Herrje, jeder will unbedingt in jedem Satz mit genannt und beachtet sein. Eine einbeinige chinesische Taubstumme mit Migrationshintergrund – ich weiß es nicht, also was kommt noch alles –, die gerade zum Protestantismus konvertiert ist, fühlt sich dann nicht angesprochen, wenn ich irgendwie über Protestanten rede. Ich werde noch verrückt. Also ich möchte, dass wir wieder zu einer Art Normalität zurückkehren.

Keine Rücksichtnahme erforderlich

Auch die Union, im Studio vertreten durch den Berliner CDU-Mann Kai Wegner, bekam ihr Fett weg. Über die „Nachwuchs-„Hoffnung Philip Amthor urteilte Heidenreich: „Der ist jetzt schon älter als ich, und ich bin 80„. Vor allem auf Markus Söder schoss sie sich ein: „Dieser ruchlose Mensch, der so intrigant jetzt gerade gehandelt hat, wie kann eine Partei daran immer noch festhalten? Wie will sie wieder Fuß fassen, wenn solche Leute immer noch das Sagen haben und wenn da nicht mal Einhalt geboten wird?„. Da horchten nicht nur Lanz und seine Mitdiskutanten auf und wanden sich sichtlich verlegen ob soviel ungefilterten Klartextes. Mit ihrer ungeschnörkelten, erfrischenden Rede wirkte Heidenreich wie einem Raumschiff oder einer Zeitkapsel entstiegen.

So etwas ist heute niemand mehr gewohnt – schon gar nicht im ÖRR. Hingegen wäre noch 15 oder 20 Jahren das, was Heidenreich hier vertrat und frei Schnauze rausließ, keine Meldung wert gewesen – und weder stilistisch noch von der Vehemenz her irgendwie aus dem Diskursrahmen gefallen. Bei Biolek, „Talk im Turm“ oder sogar „Hans Meiser“ waren echte Kontroversen noch das das Normalste der Welt, und die Skandalschwelle lag um Stockwerke höher als heute – aber damals war die Meinungsfreiheit auch noch auf achtspurigen Pisten unterwegs und verkümmerte nicht in schmalen, strengbewachten Korridoren. Um diesen fatalen Wandel zu erkennen genügt es schon, sich den linken Shitstorm der Zensoren und Sittenwächter im Netz nach der gestrigen Lanz-Sendung zu Gemüte zu führen. Vor allem die striefe linksradikale „Merkeljugend“, Avantgarde einer in den letzten 16 Jahren herangereiften neuen Intoleranz, gaben sich hier die Ehre:

(Screenshots:Twitter)

Tragisch ist, dass mit Heidenreichs Generation die letzten Vertreter der in der alten Bundesrepublik selbstverständlichen Freiheit und feuilletonistischen Ungezwungenheit abtreten werden. Was ihnen folgt, ist ein Reich der Finsternis, der neopuritanischen geistigen Verarmung und intellektuellen Selbstkasteiung. Wer hätte das gedacht, dass die Generation 70plus in Deutschland einmal fortschrittlicher und erfrischender sein würde als die Jüngeren.

19 KOMMENTARE

  1. Danke Elke!
    Wir „Alten“ stören die verwirrten, orientierungslosen „Jungen“.
    Es gibt das Gesetz der 3ten Generation:
    Die 1te Generation baut mit Herzblut auf
    Die 2te Generation dehnt das Erreichte aus
    Die 3te Generation zerstört alles wieder .. und bringt sich so zurück in die Lage der 1ten Generation.
    Nur – DIESE Nachwachsenden sind „Nichtse“ .. sie wissen nichts .. sie können nichts und sie leisten nichts!
    Das sind 3 Faktoren, die eine 1te Generation ausschliesst.
    Lasst sie untergehen .. sie brauchen das!
    Ich bin Gott dankbar – ich hatte die besten, freiesten und sonnigsten Jahrzehnte Europas in der Menschheitsgeschichte.
    Die Zukunft wird nicht mehr lebenswert sein. Gut, dass ich gelebt habe. Danke!

    • Das ist genau das, was mir die letzten Monate durch den Kopf geht. Ich will nicht glauben das es so ist wie es ist, hoffte immer noch auf eine Kehrtwende, leider ist das Gegenteil der Fall. Auch ich bin dankbar in die Zeit dazwischen geboren und mein Leben gelebt zu haben, das kann man mir nicht mehr nehmen. Vom endgültigen Zusammenbruch dieses einstmals so schönen Landes bekomme ich hoffentlich nicht mehr alles mit.

    • Jockel- den Namen habe ich nur einmal in meinem Leben gehört, als mich als Dreijährige ein nur wenig älterer Jockel aus der weiteren Nachbarschaft immer vom Kindergarten nach Hause brachte.
      Sie sind nicht zufällig in den 1950er-Jahren in Stuttgart aufgewachsen?

  2. Es ist alles gesagt!!! Die, die nichts verstehen und verstehen wollen, werden als erste schreien, warum habt ihr Alten uns nicht gewarnt, wenn es zur Katrastrophe kommt!!! Und ich sage Euch, Ihr seid alle mitschuldig!!! Ihr habt die gewählt, die Euch in den Untergang führen 😒 Ich danke Gott, das ich so viele schöne Jahre hatte!! Ich will nicht rechthaberisch sein, aber ich denke, Ihr habt es verdient, das Ihr bald eine Generation von Führern eines Lastenfahrrads sein werdet! Wer der Meinung ist, Wasser kommt aus der Wand, Strom wird in den Stromleitungen gespeichert, Kobold ist = Kobalt und dem 50 Hertz Netzfrequenz ein Fremdwort sind, der verdient meiner Meinung nach eine schlimme Erfahrung in einem kalten Winter ohne Strom. Ihr seid leider beratungsresistent 🤔 Gott schütze uns alle.

    • „So etwas ist heute niemand mehr gewohnt“
      .
      Im privaten Rahmen red‘ ich ebenfalls Tacheles (früher: „normal“).
      Allerdings bin ich in der gleichen Altersklasse wie die Heidenreich.
      Und selbständig, nicht nur geistig.

  3. Hallo Frau Heidenreich # sie erhalten von mir 99 Punkte für den Mut in der Öffentlichkeit Klartext zu reden # Danke

  4. Nehmt sie euch zum Beispiel, die Frau Heidenreich. Jedenfalls unter dem Gesichtspunkt der Redefreiheit. Laßt euch dieses unwürdige Denk- und Sprachdiktat der „Generation Woke“ nicht länger mehr bieten. Drescht diesen geistig Armen die Wörter nur so um die Ohren. Deutsch eignet sich phantastisch dazu!

  5. Jedem Bürger mit einem Minimum an Anstand, Verstand, Wissen (mir leuchtete es um 1990) konnte doch schon seit Jahrzehnten klar sein, daß sich ständig die Dinge verschlechterten. Und es gab immer schon genug Bücher, Artikel, Leserbriefe, seit 1995 Internet-Foren, Grüppchen, welche die Kritik vortrugen, ganz zu schweigen von dem, was bei aller Einschränkung in den Hauptmedien ARD-ZDF, Presse überregional (BILD, FAZ) bis lokal mitgeteilt wurde. Aber dieses politisch aufreizend träge, indifferente bis dumpfe Volk hat nie -abgesehen von mal 7-20% kurzfristig nur gewählten Protestparteien- den Willen gehabt, eine Korrektur gegen das Übel und seine Träger, Parteien (die ja deswegen auch gar keinen Grund hatten, haben, sich zu ändern!) anzugehen, und viele -bis in die besseren Schichten!- dabei nicht nur politisch unmündig, unfähig, sondern asozial alles duldend bis mitmachend. Irgendwann geht dann auch die -von den früheren tüchtigen Generationen hinterlassene- Substanz aus, das schlägt sich bald auch in der Wirtschaftsleistung nieder, die dann den Wohstand wie heute noch nicht mehr sichern kann. Und was man allgemein versäumt und abgebaut hat, zeigt sich u.a. in der Szene der fett-satten, überversorgten, dumm-inkompetenten, dreist fordernden, wohlstands-dekadenten, nichtsnutzig-phrasendreschenden R2G-Jugend bei FFF, GRÜN, PDS-solid, Jusos!

  6. Danke Frau Heiidenreich und danke Herr Matissek für diesen Artikel.
    Ich bin leider mit meinen 56 Lenzen eine Generation zu jung, um dem kompletten Niedergang der Demokratie zu entgehen, sofern ich mich nicht vor dem Erreichen des Durchschnittslebensalters verabschieden muss.
    Ich verstehe nicht, dass die Mehrheit nicht sieht, dass eine Frau dunkler Hautfarbe sagen kann, sie würde ihren Heimatkontinent (laut Wikipedia ist Frau Heinrich in Deutschland geboren und Deutsche) mit dem Besen von weißen reinigen oder ihren europäischen „Nichtheimatkontinent“ als ekelige, weiße Mehrheitsgesellschaft bezeichnen.
    Die gleiche Mehrheit würde, vermutlich nicht nur im übertragenen Sinn, Amok laufen, proklamierte eine Frau Weidel, den Kontinent mit dem Besen von Schwarzen zu reinigen – oh, darf man nicht sagen, natürlich von persons of colour, schöner deutscher Ausdruck – oder sie spräche von der ekeligen schwarzen Minderheitsgesellschaft.
    Ich bin wahrlich kein AfD-Wähler, jedoch wundert es mich nicht, dass sich die Partei fest etablieren konnte, da sie an Stellen Vernunft walten lässt, an denen die anderen komplett abgehobeb sind

  7. Guten Tag zusammen,

    es gab und gibt die Politiker (Kohl (CDU), der die Bürger Westdeutschlands mit dem Griff in die Rentenkassen bestohlen hat und der gesetzlich geregelten Rückzahlungsverpflichtung nicht nachgekommen ist, damit nahm der Niedergang der Wohlstandsgesellschaft für alle sichtbar ihren Anfang, es gibt Schäuble, der sich seit 40 Jahren in Parlamenten herumschmiert, lügt und intrigiert und niemand, nicht einmal der Herrgott schützt uns vor solchen Leuten, es gibt Speichellecker wie Steuber, Söder und Consorten die ALLES taten um z. B. von Kurztripps zwischen Bahnhöfen und Flughäfen zu schwadronieren, es gibt den
    verblasenen Adel in Ministerämtern die schamlos betrügen und lügen, es gibt Spezialdemokraten_innen, die
    uns im Bundestag Kinderlieder vorkrähen oder in Youtube-Interviews mit ehemligen Stasi-Mitarbeitern Ihre Sicht der Spezialdemokratie in die Wohnzimmer pressen oder solche, die versuchen Ihre homoerotische Orientierung gewinnbringend zu installieren, es gibt ehemaligen Außenminister, die früher in der terroristischen Szene mit Steinen warfen, zu viele Leher, Anwälte und Ärzte in Parlamenten, Versager die mehrfach bankrott gingen und dann den parteipolitischen Vollkaskoschutz suchten und fanden. Wir haben die alle immer wieder gewählt. Wir haben ihren Kindern (den Amthors, den Heirichinnen, den Kühnerts den Weg geebnet aus der idiotischen Verblendung heraus vom Schoß der Kinergartentante auf den Abgeordnetensessel zu steigen. Dann erst konnte das kommen was wir heute erleben. Solange wir das nicht ändern müssen wir jeden Tag dankbar sein, dass es kluge und mutige Menschen, wie Frau Heidenreich gibt. Danke von Herzen liebe Else Statmann!

  8. Ich nehme an Frau Heidenreich wird nie wieder in den ÖRR eingeladen.Die Wahrheit verträgt niemand.

  9. Ich bin 70 und froh, die Zukunft nicht mehr allzu lange miterleben zu müssen. Dankbar für wilde, freie, freche Jahre und den einmaligen Chancen, etwas aus seinem Leben machen zu können. Wir konnten reden wie uns der Schnabel gewachsen war. Ich esse heute noch gern Negerküsse, denn Neger war nie ein Schimpfwort. Wir Hippiegeneration haben Andersfarbige selbstverständlich in unser Leben gelassen. Politiker stritten öffentlich, Journalisten schrieben sich schon mal ihre Wut aus dem Leib. Heute, huch, achtet jeder , Pardon jede*r , was sie / er schreiben und reden darf. Frau Heidenreich, sie müsste man ständig in Talkshows einladen. Nicht die Söders, Lauterbachs, Drostens, Baerbocks und Scholzens dieser Welt. Ihr vermurkst alles. Deutschland schafft sich ab, merkt das niemand? Wir sind eine aussterbende GUTE Generation. Leider werden wir Dank Gretelchen mit Schuld beladen. Die Jugendlichen haben leider so von gar nichts ne Ahnung. Deshalb der Leitspruch : äh, keine Ahnung. Engagiert euch alle mal wirklich und informiert euch vor allem. Und lauft nicht nur mit, Handy in der Hand, Knopf im Ohr. Blind und taub eben

  10. Danke Frau Heidenreich! Ich hörte zuerst ihre Rede bei Lanz und dachte: Uhhps, das ist aber ganz schön hart, dann las ich über dieses GrünenMädchen und was sie so absondert und ich fand: Exact, genauso Frau Heidenreich. – Ich frage mich was dieses Mädchen damit bezwecken will, denn sie muss doch bemerken, dass sie rassistische Beleidigungen an millionen von Menschen richtet. Oder merkt sie das auch nicht mehr?
    Sie gehört zu diesen neuen mutigen , unerschrockenen, die ohne Grund ein übersteigertes Selbstbewusstsein zur Schau tragen und wenn sie den Mund aufmachen echten DaDaStuss produzieren. Mir tut diese und die danebenliegenden Generationen (hi hi) eher Leid. Es gibt die die sich Mühe geben, aber aus der Manipulationsmaschinerie nicht herauskommen (SmartPhone) und die die sich ergeben haben und stumpf dahinschwimmen, von Rave zu Rave. –

  11. Das wird sie auch nicht mehr nötig haben. Wer so selbstbewusst offen und klar mit Humor und Verve das Establishment als Schlangengrube beschreibt, gehört der Pulitzerpreis verliehen. Was für eine Lebensleistung die Frau ist fast 80 Jahr alt. Respekt, oder Hut ab….“

  12. Schade das Frauen wie Fr.Heidenreich nicht in der Politik waren sie hätte ich mir als Kanzlerin gewünscht klare Gedanken und eine Konsequente Meinung meine Hochachtung Fr.Heidenreich

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