Montag, 24. Juni 2024
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Lost World Berlinale: Die Entzauberung des Kinos

Lost World Berlinale: Die Entzauberung des Kinos

Deutschland, deine Filmschaffenden: Haltung, Spaltung, Faltung – aber kein künstlerischer Tiefgang (Symbolbild:Imago)

Was war ich einst für ein Filmjunkie! Es begann damit, dass es meine sehr jungen, konsequent fernsehverweigernden Eltern leid waren, vor dem Gang ins Kino ihren quengelnden Jungen ins Bett stecken zu müssen. Eine unkonventionelle Lösung wurde gewählt. Ich durfte mit. An der Kasse registrierte ich die hochgezogenen Augenbrauen der Kartenverkäufer, aber in Begleitung der Eltern gab es selbst in der DDR keine Kindeswohlgefährdung. Von dem, was sich mir eröffnete, kapierte ich nicht viel. Aber mir war mein ungeheures Privileg bewusst. Ich blieb tapfer, schlief im Sessel nie ein und berichtete am nächsten Tag meinen neidgeplagten Schulfreunden von meinem Entwicklungsvorsprung. Viele Bilder von damals sind noch heute im Kopf. Szenen aus Frankenheimers “Formel Eins“. Tarkowskis “Stalker”. Murnaus “Nosferatu”. Shindōs “Onibaba“.

Gelegentlich auf der Leinwand erscheinende Nacktheit konnte mich nicht schockieren, die kannte ich vom Sommerurlaub. Und die Ausschlachtung obsessiver Gewalt war noch nicht so in Mode. Ich registriere heute keine Spätschäden. Die meisten dieser Filme hab ich inzwischen nochmal gesehen. Mit anderen Augen. Einige waren noch so wie ich sie in Erinnerung hatte. Einige haben sich, zumeist zum Schlechteren, verändert. Das Kino blieb mir als Heranwachsendem ein wöchentliches Ritual. Der gelungenste Filmabend, es muss Ende der Siebziger gewesen sein, war ein ungarischer Husarenfilm. Der war aus unerfindlichen Gründen auf den Spielplan geraten, zog kaum Besucher an und erwies sich (wie erhofft) dann auch als so langweilig, dass es kaum lohnte, das Knutschen auf dem Sperrsitz zu unterbrechen.

Einstiger Traumberuf Schauspieler: Inzwischen in Alptraum

Mit einigem Bedauern stelle ich einige Jahrzehnte später fest, dass das Kino seinen Zauber weitgehend verloren hatte. Gut; dass sich die pubertären Plastik-Blockbuster nicht zum Knutschen eignen, ist klar. Ich knutsche auch weniger. Aber ich mag gar nicht mehr zählen, wie oft ich neben meinen eigenen Kindern innerlich die Augen verdreht habe, wenn bei ausgelasteter Soundanlage zum gefühlt einhundertsten Mal irgendein Held mit entschlossener Miene vor flammendem Hintergrund unserer Popcorntüte entgegensprang. Natürlich kann man vor dem ärgerlichen Trash in eines der zahlreichen Dresdner Programmkinos fliehen. Dort geht’s leiser zu… aber auch nur selten kreativ. Es begegnet einem dort der immer gleiche Voyeurismus alternder französischer Filmgranden, deren melancholische Passion darin zu bestehen scheint, grazile Kindfrauen in lasziven Sommerkleidchen von vorn, von hinten, der Seite und von oben abzulichten. Den Mund eineinhalb Stunden lang halb geöffnet. Ich müsste lange nachdenken, wann mich ein Film zuletzt mitgerissen und in eine andere Welt hätte entführen können. Zumeist bin ich schon nach den ersten Minuten beim technischen Bewerten der Strickmuster, Intentionen und wahrscheinlichen Ausgängen. Und am nächsten Tag ist alles Gesehene schon wieder gelöscht. Die Realität ist heute ungleich spannender, hintergründiger und komplexer als die Abbildungen in den Filmtheatern.

Auch der Traumberuf Schauspieler hat sich inzwischen grundsätzlich, so mein Eindruck, zu einem Alptraum entwickelt. Wann immer die Lichtgestalten dieses Berufs irgendwo auftauchen und vom roten Teppich ihre Satzstempel in die Mikrofone tackern, nämlich, wie wunderbar es gewesen sei, mit „wunderbar professionellen Kollegen“ und „großartigen inspirierenden Regisseuren“ gearbeitet zu haben, ahnt man schon, dass sich die wunderbaren Kollegen und noch wunderbareren Regisseure schon in wenigen Monaten in machtmissbrauchende Besetzungscouchmonster und drogengeschwängerte alkoholisierte Psychopathen verwandelt haben dürften.

Mehr Geisterbahn als Filmkunst

Vervollständigt wird der öffentliche Werbezirkus durch das jämmerliche Bemühen von durch und durch sexualisierten Figuren, die mit möglichst wilden Kombinationen aus plastifizierten Geschlechtsorganen, Perücken, Bärten und immer neuen sexuellen Alleinstellungsmerkmalen auf offener Bühne irgendeinen Skandal herbeizwingen müssen, der sie einen Moment lang in den Vordergrund rückt und die äußerst schmalbrüstigen Drehbücher vergessen machen soll. Beim kollektiven Blacklivematterfaustrecken muss dann noch mindestens ein Nippel blitzen. Das alles erinnert mehr an Geisterbahn als an Filmkunst.

Es wird auch nicht besser, wenn es in Talkrunden oder im Anschluss ans Prämieren mal gelingt, in die realen Gedankenwelten der Zelluloidprotagonisten abzutauchen. Dort erwarten einen umherirrende Kinder, die nicht wissen, wer sie sind, wer sie am besten sein sollten und womit sie im nächsten Augenblick die Aufmerksamkeit eines imaginären Publikums auf sich lenken könnten. Man beobachte eine Katja Riemann, der es selbst als gereifte Frau bei öffentlichen Auftritten keine Sekunde gelingt, auf ihr effekthascherisches Rollenspiel zu verzichten. Immer scheinen Mimik, Gestik, Körpersprache zu schreien: „Nehmt mich wahr! Ich bin doch hier!“ Etwas weniger flach gestrickte Mimen versuchen die Rolle des souveränen, interessiert Zuhörenden einzunehmen, aber auch ihnen fällt es schwer, sich nicht in den Mittelpunkt zu drängen, dem Gegenüber Raum zu geben. Man hat als Beobachter immer das Gefühl, dass da nicht mehr viel authentisch ist. Sicher, ich überspitze; aber dieser therapiebedürftige Daseinszustand, die falsche Theatralik, das bemühte Pathos, dieser Verlust an Gespür für den Augenblick und das Selbst – all das ist mir jetzt unter Schauspielern so oft begegnet, dass mich auch die seit einiger Zeit hereinbrechende Flut von servilen, bekenntnishaften politischen Zeichensetzungen keineswegs mehr überrascht. Sie zeigen mir: Das Sendungsbewusstsein hat das Selbstbewusstsein vollständig ersetzt. Lost World Berlinale.

15 Responses

  1. rotz rotz kotz kotz.. gestörtentreffpunkt aller hirnlosen wichtigmacher aus politik und schmarotzer…
    einfach nur peinlich…

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  2. @LOST WORLD BERLINALE
    na ja – der Unterschied ist eben : früher wollte man eine tolle Geschichte toll erzählen !
    Heute wollen sie Haltung und Meinung der Linken und Woken allen auf die Nase zwingen – und wer arbeiten geht und mit seinen Nettosteuern den Laden am laufen und die Linken notgedrungen aushält, der hat keine Lust auf Haltung und Meinung derer, die er auch noch alimentieren muß !
    Und deshalb fehlen dem Kino dann die guten Kunden – übrig bleibt links und woke !
    Eigentlich sehr unterhaltsam und Popcorn fördernd : wo immer Links und Woke eine Mehrheit hat, geht es bergab !
    So wie man früher fragte: was passiert, wenn der Sozialismus die Sahara übernimmt ? Erst mal gar nichts, und dann geht der Sand aus !
    Ok – heute könnte man fragen : was passiert nach 2 Jahren Ampel ? Es gibt nicht mal mehr Geld für den dritten Wumms – das Land ist nicht mehr kreditwürdig !

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  3. Was für ein Bullshit. Ja, das ist eure Vorstellung von einem Sklavenleben. Wirklich sehr fantasievoll. Leider hat die Scheiße so wenig mit der Realität zu tun wie alles in euren Spatzenhirnen.

    Es gab früher als Jugendlicher Serien, die ich relativ gerne gesehen hatte wie beispielsweise Raumschiff Enterprise oder Kung Fu. Nachdem ich aber einmal verstanden hatte, was hier läuft, muss ich realisieren, dass das alles pure Gehirnwäsche ist – mehr nicht. Seit dem finde ich eigentlich alles, was im TV läuft und lief Scheiße. Na ja, es gibt einige wenige Filme, die man sich vielleicht ansehen kann – ohne bleibende Schäden davonzutragen. Beispielsweise Krieg der Sterne (bitteschön die Originalfassung aus den 70igern, die es leider nicht mehr zu kaufen gibt). Aber 99,999999% was jemals produziert wurde, gehört eigentlich für immer verbrannt. Und nee, kein Sklave war süchtig nach Filmen. Blödiane. In den 70igern hatten wir vielleicht einmal im Monat nen Film gesehen. Den Rest der Zeit haben wir draußen verbracht. Das war damals dann tatsächlich ein Familiending. Beispielsweise hat die ganze Familie Sindbads 7. Reise gesehen. Auch ein Film, der nicht vollkommen bescheuert ist. Einer von ganz wenigen.

    Man muss sich nur mal die Filmtitel ansehen wie “Frauen auf der Folterinsel” um zu wissen wie es um den geistigen Zustand der Macher steht und dass diese eigentlich in eine geschlossene Anstalt gehören.

    Der ehemalige Tennisspieler Pete Sampras hatte es mal treffend formuliert, das Internet ist wie das Fernsehen, es tötet den Geist. Da hat er Recht. Wobei ich mich im Internet immerhin noch etwas informieren kann, was ich im TV sicherlich nicht kann.

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  4. Die Berlinale: Erbärmliche Witzblattfiguren, die ihre eigene Groteske zelebrieren. Dekadenz im Endstadium.

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  5. Schon seit Jahrzehnten gehe ich in kein Kino mehr. Blockbuster mag ich nicht, Belehrung über mehr als zwei Geschlechter ebenso wenig. Die Geschichten sind flach und beim Knutschen anderer Kinobesucher muß ich auch nicht zusehen. Vor allem stört mich das Geraschel von Chipstüten und die Eßgerâusche, ganz zu schweigen von einem im Auge gelandeten Stück Popcorn.

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  6. Dieses Land ist seit eh und je von den Kulturmarxisten unterwandert und wird geistig-kulturell totgemacht! Unsere Filmwirtschaft ist genauso eine Müllhalde wie die Popularmusik, international Vergleichbares soll auf deutschem Boden gar nicht mehr entstehen. Im Gegenteil: Was wir produzieren ist mit Absicht der globale Bodensatz, unsere Schauspieler und Musiker sind nichts als Marionetten der Regierung. Kultur ist bei uns allenfalls Konsum, Mitmarschieren, wenn es hoch kommt Massenevents wie Fasching oder Fußball, aber nichts mehr mit künstlerisch wertvollem Nährboden.

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  7. Die letzten Filme die mich mitgenommen haben, waren die “Herr der Ringe” Teile, ansonsten nur Schrott.
    Mich kotzten diese schnellen Szenenwechsel und die exzessiven Gewaltdarstellungen nur noch an, von einer nachvollziehbaren Story, habe ich schon lange nichts mehr mitbekommen.
    Wenn einer ein paar gute, neuere Filme kennt, immer her damit.

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  8. Ich hatte mal vor vielen Jahren eine nette Schauspielerin als Kundin, die nicht ganz unbekannt war. Ihr Genre ist heute nicht mehr gefragt, eventuell noch in regionalen Theatern. Als ich im Fernsehen mal ihre Stücke sah, da musste ich feststellen das die im wahren Leben auch Versatzstücke daraus verwendete. Also nehme ich die schauspielende Zunft auch im wahren Leben nicht mehr für voll.

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  9. Also wenn zwei so abartige Darsteller wie die da oben gegen die AfD sind, dann ist das die beste Werbung für die AfD.
    Deshalb : Danke für euren Einsatz, ihr Versager.

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  10. Wer sich so eine Scheiße reinzieht der ist vollkommen daneben.Genauso wie irgendwelche Awards in Dummland, absolut bekloppt USA und dämliche Länder des sogenannten Wertewestens. Ich lache mich kaputt.

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  11. Wenn inzwischen sogar die letzten Nobodys zum Zeichensetzen gegen die AfD aufgeboten werden müssen, dann zeigt das, dass die Totalitären keine Munition mehr sondern nur noch Platzpatronen haben.

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  12. Der Output an guten Kinofilmen aus Deutschland geht leider gefühlt gegen null, mir fallen spontan nur drei unterhaltsame Streifen aus den letzten zehn Jahren ein: Er ist wieder da 2015, Der Hauptmann 2017, Im Westen nichts Neues 2022.

    Was die ÖR mit ihrem 10+ Milliarden Jahresbudget fürs TV-Programm abliefern ist im Prinzip schon Arbeitsverweigerung, es wird spartenübergreifend nur übelster Schrott produziert getreu dem Motto: Dienst nach Vorschrift die Kohle fliesst ja sowieso.

    Das ganze Pack gehört von heute auf morgen entlassen inklusive Streichung aller Pensionen und sonstigen Ansprüche, bleibt zu hoffen dass die AfD dieses Jahr endlich was bewegen kann hinsichlich Rundfunkstaatsvertrag.

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  13. Ich wollte mal Schauspieler werden. Mein Vater war richtiggehend entsetzt, sagte: “Was, so ein Rumgehampel willst du machen?” Aber ich ließ nicht locker. Später, zu Studienzeiten in Berlin wurden Schauspieler für so eine Art Stadtteilprojekt gesucht und ich konnte mich unter vielen, vielen Bewerbern als Hauptdarsteller durchsetzen und nur eine Erkrankung verhinderte später meine Teilnahme. Also Talent war wohl schon da und wenn ich mir heute einen Axel Prahl anschaue, na, das würde ich auch noch hinkriegen. Wenn ich mir aber so das Geschwafel auf den Abendgesellschaften und Talksendungen anschaue, dieses ach so flache und immer um Politkorrektness bemühte Aufsagen von Artigkeiten, bin ich froh, daß ich nicht dabeisein muß. Impulsiv wie ich bin, hätten sie mich schon rausgeekelt, sich von mir distanziert und was sonst noch alles. Kino war früher oft eine schöne Sache, ist aber leider heutzutage zu oft “mit Geräusch verbunden”, also mit Belehrungen usw. Nein, danke. Auch scheitert man hierzulande immer noch daran, sich einfach normal zu verhalten und frei zu sprechen. So unlässig, so uncool, so bemüht… so peinlich. Jean-Paul Belmondo war kein schöner Mann, aber ganz Frankreich hat ihn für seinen natürlichen Charme geliebt und seinen Witz und sein Verlust war sogar in der Rede des Staatspräsidenten spürbar. Ich weiß auch nicht, woran es liegt, daß unser deutsches Kino oft immer noch so verkrampft daherkommt. Ich kann es nur mit Mühe ertragen und schaue mir meistens lieber ausländische Produktionen an. Eigentlich schade.

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  14. Tango Schwuchteli, grünwokegegendertes verpestetes Event von Selbstdarstellern, Egozentrikern, Mehlaugen und Politikern die dieser Versagertruppe nicht mal das Wasser reichen könnten wenn sie denn groß genug wären.
    Hauptsache K… sind dabei und die Grünen haben eine Kollektivorgasmus anders bekommen sie keinen mehr

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