Neuer Trend „Smacking“: Spontan-Schellen unter Prominenten

Direkt aufs Maul – neuer Tiefpunkt der öffentlichen Streitkultur (Screenshots:Youtube)

Am Wochenende wurden gleich zwei Unterhaltungskünstler vor laufenden Kameras Opfer gewaltsamer Übergriffe durch andere „Unterhaltungskünstler“ – auch wenn zwischen beiden Ereignissen 10.000 Kilometer lagen: Zuerst wurde am Samstagabend dem „Comedian” Oliver Pocher am Rande eines Boxkampfs vom Rapper „Fat Comedy” aus heiterem Himmel ins Gesicht geschlagen. Noch bizarrer war dann der Zwischenfall bei der Oscar-Verleihung in der Nacht zum Montag, als Schauspieler Will Smith dem Moderator Chris Rock eine heftige Ohrfeige versetzte – nachdem dieser sich über die Alopezie (krankheitsbedingten kreisrunden Haarausfall) von Smiths Ehefrau Jada Pinkett Smith lustig gemacht hatte. Für viele, die den über die Jahre seines Erfolgs immer unsympathischer und großkotziger gewordenen Schauspieler nicht abhaben können, ein Beweis, dass man zwar den Mann aus der Gosse, nicht aber die Gosse aus dem Mann bekommt.

Aufschlussreicher als die primitiven Übergriffe selbst war jedoch die öffentliche Reaktion auf beide Fälle: Interessanterweise nämlich blieb jede Empörung des selbstgerechten Betroffenheitsmilieus aus – und das mag vor allem damit zu tun haben, dass die Angreifer in beiden Fällen der Stereotype von Opfergruppen entsprechen, die es sonst „schwer haben im Leben“: Hier der Migranten-Rapper, dort der schwarze Hollywood-Upcomer. Zudem galten die Opfer beider Attacken als „verdiente Ziele“: Komiker auf Kosten anderer, die viel austeilen, aber selten einstecken müssen.

Verdiente Opfer

Bei Chris Rock als Gleichfarbigem blieb die Rassismus-Keule sowieso im Sack. Die Academy  verurteilte zwar Smiths Attacke – allerdings erstaunlich spät. Dass Smith zweimal das US-Skandalwort „fucking“ verwendete, schien zunächst fast mehr Anstoß zu erregen als die Ohrfeige. Noch erstaunlicher war die Unterstützung, die Smith von prominenter Seite erhielt: In einem schnell wieder gelöschten Tweet sprach ihm die demokratische Abgeordnete Ayanna Pressley, die wie Smiths Ehefrau ebenfalls unter Alopezie leidet, sogar ausdrücklich ihren Dank aus. Sie lobte „alle Ehemänner, die ihre Ehefrauen verteidigen, die mit Alopezie leben und täglicher Ignoranz und Beleidigung ausgesetzt sind.“ Auch Liam Payne, Sänger der Band One Direction, ließ verlauten, Smith habe „das Recht“ zu seiner Aktion gehabt.

Dass sich selbst Abgeordnete und andere Gestalten des öffentlichen Lebens umgehend auf Smiths Seite stellen, zeigt, welcher Grad an Verrohung, nicht nur in den USA, erreicht ist. Im durch Social Media, Corona und andere politische Konflikte bis zum Äußersten aufgestachelten „Arousal“ der westlichen Gesellschaften entdecken offenbar viele durch die Zustimmung zu solchen öffentlichen Gewalttaten ein Ventil für den eigenen tiefsitzenden Frust. Es braucht wenig Phantasie, sich vorzustellen, was für ein Skandal losgebrochen wäre, wenn ein weißer Schauspieler dem Schwarzen Chris Rock buchstäblich vor aller Welt geohrfeigt hätte, um die Ehre seiner Frau zu verteidigen. Die Karriere des Betreffenden wäre beendet, der zugesprochene Oscar vermutlich gar nicht verliehen, die Veranstaltung vielleicht sogar abgebrochen worden.

Noch pikanter wäre ein Szenario, in dem ein schwarzer Schauspieler sich von einem weißen Showmoderator beleidigt gefühlt hätte und daraufhin handgreiflich geworden wäre: In den fast bis zur Schwelle eines Bürgerkrieges polarisierten USA wären die üblichen Debatten über toxische Männlichkeit, „White Privilege“, Rassismus, Gewalt, tatsächlich oder angeblich überholte Rollenbilder und so weiter noch viel heftiger ausgebrochen. So jedoch, dank der passenden Pigmentierung von Täter und Opfer, konnte BLM-Smith in aller Ruhe seinen Preisgewinn auf der After-Show-Party feiern; die Trophäe wird ihm garantiert nicht mehr aberkannt – und dass seine weitere Karriere unter dem skandalösen Vorfall leiden wird, ist eher unwahrscheinlich.

Neues Influence-Phänomen?

Im Fall Pochers waren die Dinge ähnlich gelagert; als Weißer taugt er auch nicht als Märtyrer. Anscheinend stößt sich keiner mehr an dieser Art der „Konfliktbewältigung“, weil primitive Gewalt wieder „in“ ist – vor allem unter Rappern, die wohl nicht länger nur als Maul-, sondern endlich auch mal als Fausthelden wahrgenommen werden wollen. Dies ist umso verwunderlicher in einer Zeit, in der sogenannte Mikroaggressionen und hypersensibelste Befindlichkeiten die westlichen Gesellschaften prägen. Wo ein Indianerschmuck im Kindergarten, Dreadlocks bei Weißen oder falsche Begrüßungsanreden schon Minderheiten „tief verletzen“ können, wo Eltern, Lehrer und Polizisten das Prinzip der Gewaltfreiheit und Eskalation über alles stellen und jegliche Härten verpönt sind, da wird plötzlich das Losschlagen aus dem Nichts zum Influencer-Trend? Bemerkenswert.

Auch im Fall von „Fat Comedy“ und seiner Version „Kanak Attack” gegen einen zugegebenermaßen nervtötenden, unlustigen Alman blieb mediale Kritik an seinem rüpelhaften Ausfall aus. Vielleicht lag es ja an seiner prompt nachgereichten Erklärung der Tat: Er wolle seine Spontanattacke als stellvertretende Genugtuung verstanden wissen für all jene, die von Pocher „niedergemacht“ worden seien, so „Fat Comedy”. In einem mittlerweile gelöschten Post versuchte der Täter sich wie folgt zu rechtfertigen: „Weil du [Pocher] […] Menschen gerne erniedrigst, Menschen unterstützt die behaupten Vergewaltigt worden zu sein obwohl es nicht stimmt – die Anzeige nehme ich sehr gerne in Kauf.“ Dies bezog sich auf Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Rapper Samra, die Pocher mehrfach zitiert hatte. Auch später zeigte er keine Reue: „Ich will es nicht verharmlosen, aber ich habe keinen erschossen oder umgebracht, sondern nur eine geklatscht. Das wird jetzt völlig falsch aufgegriffen.“ So ehrenwert und nachvollziehbar dieses Motiv auch ist, so inakzeptabel war doch die Methode.

11 Kommentare

  1. frechheit braucht eine aufs Maul – war in meiner Kindheit ganz normal – im nachhinein i.O. – ich würde eine links – rechts variante bevorzugen – wg. dem lastenausgleich und deren folgen.

  2. ich hab meinem Freund, besser gesagt meinem früheren Freund, auch mal eine geknallt. In aller öffentlichkeit, weil er mich beim Tanzen vernachlässigt hatte. Das war in meinen Augen ein triftiger Grund, und ich empfinde meine Ohrfeige im Rückblick gesehen als Grosstat. Mein (damaliger) Freund hat es mir auch nicht sonderlich übelgenommen, wenn ich mich recht erinnere. Rohe Sitten konnten den nicht aus der Fassung bringen. Nun, was will ich damit sagen? Der eingeschlagene Weg der political correctness und des lieb und nett Seins 24 Stunden a day ist nicht einzuhalten, da alle aggressiven Triebe permanent zurückgehalten werden müssen. Das schafft niemand, das sollte eigentlich jedem klar sein. Wenn man also wenigstens zu einer offenen, klaren und ehrlichen Sprache zurückkehren könnte, wäre der gesamten Gesellschaft schon viel geholfen. Ein ehrliches „Ich habe die Schnauze voll von Euch“ hier, ein noch ehrlicheres „Du bist blöder als die Polizei erlaubt“ dort wäre ein guter Anfang. Ich weiss aus eigener Erfahrung, aller Anfang ist schwer. Aber da muss man durch, will man ein ehrlicherer und vor allen Dingen echter Mensch sein.

    • Ach so, du Flöckchen „bist beim Tanzen vernachlässigt worden“ und knallst einem deswegen eine. Und das nächste Mal knallst Du einem eine, „weil er dich nicht angesehen hat“? Wer meine Frau so beleidigt (wegen
      Krankheit) der bekommt von mir so eine runtergewaschen, dass er eine halbe Stunde nicht aufstehen würde. Für eine wie Dich würde ich das selbstverständlich nicht tun. Und mit Sicherheit auch kein anderer Mann. Triftiger Grund…. Mannomann…. Ihr nur noch hohler und dümmer.

      • Sehr geehrter Herr Männerversteher, die beschriebene Ohrfeige war die erste und letzte. Daher irren Sie, wenn Sie vom „nächsten Mal“ sprechen. Mich als „so eine wie Dich“ herablassend zu betiteln, ist nicht gentlemanlike. Selbst die Reaktion meines damaligen Freundes war nicht annähernd so kränkend wie die Ihre jetzt.

  3. Danke für diese interessanten Betrachtungen. So ähnlich hab ich auch gedacht. Mein erster Gedanke bei dem Auftritt Smith war: Na Gott sei dank sind hier beide PoCs. Nicht auszudenken, das hätte sich ein weißer Mann gewagt……die Betroffenheitsorgie würde kein Ende nehmen. Ebenso der Vorfall mit dem nicht witzigen Pocher. Man stelle sich vor, dieser hätte dem Schwarzen eine reingehauen……der wäre für immer aus allen Programmen verschwunden. Gut, ich würde ihn nicht vermissen, denn Sendungen mit diesem Charakterzwerg schaue ich mir nicht an. Jedenfalls haben wir es mal wieder mit unfassbarer Heuchelei zu tun. In beiden Fällen.

  4. Dass Pocher eine geklatscht bekommen hat, finde ich nicht schade – richtig ist es aber natürlich nicht.
    Auch idiotische Zwerge haben ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Und der migrantische Rapper ist für mich keine Ausrede, um gewalttätig zu werden.
    Dennoch kann ich nicht ganz verhehlen, schadenfroh zu sein, denn Pocher hat ja nun wirklich eine verdammt große Schnauze.

    Was Will Smith angeht, glaube ich an ein Fake. Einerseits sieht die Schelle für mich nicht realistisch aus, schaut man sich das Video bei t-online an, sieht man außerdem, wie der gute Will sich das Grinsen verkneifen muss. Ist vielleicht doch kein ganz so guter Schauspieler, wie seine Millionengagen vermuten lassen.
    Imho geht man nicht grinsend weg, nachdem man kurz vorher dermaßen auf 180 war, dass man jemandem eine reinhaut. Passt für mich nicht zusammen.

  5. Ich würde eher davon ausgehen, daß bei den Oscar-Shows absolut nichts Spontanes passiert und die Aktion von Rock/Smith auf eine Stufe mit Wrestling-Kämpfen zu stellen ist. Und das konnte so auch nur mit zwei Farbigen als Beteiligte funktionieren.

  6. Bei der großen Veranstaltung mit Pocher trägt kein Einziger den Deppenlatz und Alle sitzen dicht gedrängt. Soll das wirklich aktuell sein? Das ist eher aus der Zeit vor Corona.

  7. “ You can get the boy out of Phily ( the hood), but you can not get Phily(the hood) out of the boy.
    Das selbe gilt for the girl. Beide sind aus dem demoncrap Shithole Philadelphia, mit einer total verwahrlosten, ratten- und muellverseuchten Innercity und einer corrupten Stadtregierung.

    Anyway, der gute Will und seine Frau leben in einer offenen Ehe und es gab viele Witze darueber, das wurde ihm jetzt wohl zuviel. Seine Frau machte eine langjaehrige Affaire zu einem Singer namens August Alsina, in ihrem potcast oeffentlich.
    Er musste sich wohl als echter Mann beweisen , nach dem strafenden Blick seiner Frau, da er ueber den Witz Chris Rock’s zuerst lachte.
    Ein typischer Hypocrit, da er frueher selbst Witze gerissen hatte.ueber die Kahlheit der Frau eines Kollegen, und das waehrend einer Talkshow.
    Erst zuschlagen und den starken Mann spielen und dann beim Oskar rumheulen. Was fuer ein selbstmitleidiger Weichling. und dazu noch total unterm Pantoffel. Wenn er und seine Tussi Character und Stil haetten, waeren sie einfach aufgestanden und gegangen.
    Er war mal ein guter Schauspieler z.B. im „Enemy of the State“ von 1997,, dass ist lange her.
    Die Ehe mit der noch mehr gestoerten, arroganten und vulgaeren Jada, die intimste Dinge ihrer Familie oeffentlich diskutiert, ist ihm nicht bekommen.
    Ansonsten alle miteinander, der uebliche Tinzeltown Hollywood Kluengel, der sich wiedermal selber feiert,kein Stil kein Benehmen und total linksversifft. Wer schaut sich schon eine Oskarverleihung an, Lebenszeitverguetung.
    Jim Carrey, wahr der einzige, der oeffentlich kritisierte und meinte, dass „the staendig ovation“ des rueckratlosen Oscarpublikums, ihn buchstaeblich krank mache.
    Das ganze Theater zeigt den Verfall der Gesellschaft und die Privilegien der ach so unterdrueckten, armen Minderheit.

  8. Diesen Vorfall sollte man tiefer hängen. Ich fand es o.k., dass er seinem Kollegen eine gescheuert hat. Nicht alles taugt für Witze!
    Irritert hat mich allerdings sein Geheule über die Tat. Als Fazit: Er hätte sich beides sparen können – oder zur Ohrfeige auch stehen!

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