Freitag, 12. April 2024
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Tabaknostalgie: Als statt Einfalt noch Vielfalt herrschte

Tabaknostalgie: Als statt Einfalt noch Vielfalt herrschte

Heutige Zigarettenwand im Kiosk: Einerlei der Schockmotive (Symbolbild:Imago)

Meine erste Zigarette rauchte ich mit 15 Jahren heimlich, mit zwei verschworenen Mitschülern während der Schulpause außerhalb des Pausenhofes. Einer von uns dreien musste täglich mit der Bahn eine Station bis nach Hause fahren. Deshalb begleiteten wir den Freund gerne bis zum Zug. Nicht allein aus Empathie, sondern auch, weil es im Bahnhof einen Tabakladen gab, der für unsere Kleinstadt eine sensationelle Auswahl an Zigaretten, Zigarren, Pfeifen, Pfeifentabak und umfangreiches Rauch-Zubehör bot: Dort regierte für uns der “Duft der Weiten der Welt“, dort probierten wir der Reihe nach wirklich alle Sorten durch.

Nach einem kompletten Testdurchgang war für uns klar, dass wir tiefer in die sogenannten “Orient-Tabake“ einsteigen wollten. Wir reden hier von Marken wie “Senoussi“, “Dimitrino“, “Dimitrino Botschafter“ (mit Filter), “Simon Arzt“, “Finas“, “Mercedes“, “Nil“, “Sobraine“, “Laurens Orient“ und so weiter. Meistens waren es filterlose Zigaretten, die in den allermeisten Fällen oval gerollt waren. Allein das Öffnen der festen Pappschachtel hatte bereits etwas zutiefst Sinnliches, und man zelebrierte geradezu ein Ritual der Hochwertigkeit. Die zwanzig ovalen Glimmstengel waren meistens zweilagig (mit einer Visitenkarte der Marke zwischen den beiden 10er-Lagen) in einer innen liegenden Papierschachtel aufgereiht. Diese Schachtel war mit einem zusätzlichen Siegel verschlossen. Das musste zuerst geöffnet werden, um den Papierkuvert zu öffnen (wie bei einem klassischen Brief) und dadurch an die Zigaretten zu gelangen. In der Pappschachtel lag eine wertige Metallfolie, auf der die Zigaretten dann drapiert wurden.

Ritual der Hochwertigkeit

Der Tobak dieser Zigaretten kam oftmals aus Bulgarien, Griechenland oder Ungarn und manchmal sogar aus Ägypten und Syrien (“Latakia“). Sein feiner, edler Geschmack stand jedoch oftmals, von Marke zu Marke unterschiedlich, im kompletten Gegensatz zum Geruch für Außenstehende. Aber auch die anderen Marken hatten wir natürlich durchprobiert. Die Palette reichte von “Senior Service“, “St. Moritz“, “Eckstein“, “Roth Händle“ (mit und ohne Filter) über “Rothmans“, “Astor“ (sowohl mild – blau – als auch würzig – braun – ), “Players Navy Cut“, “Reval“, “Pall Mall“ (auch als “International“), “Benson & Hedges“, “Gauloises“ und “Gitanes“ (auch mit Maisblatt!) bis hin zu den allgemein bekannten Marken “Marlboro“, “Camel“, “Lux“, “Chesterfield“, “Lucky Strike“, “Ernte 23“, “John Player“ (schwarz und rot), “Peter Stuyvesant“, “R1“, “R6“, “West“, “HB”, “Dunhill“ und “Overstolz“. Vielleicht können Sie, liebe Leser, die Liste aus Ihrer eigenen Erinnerung noch erweitern?

Auf alle Fälle war die Zigarettenwand in den damaligen Tabakläden ein Sinnbild der Vielfalt – ganz egal, wie man zum Rauchen steht. Heute hingegen zeigen sich hier eher sozialistische Tristesse und auf dem verbliebenen Sortiment ein einheitsgenormtes Panoptikum der Schockbilder. Menschen, die sich parasitär auf Kosten anderer durchs Leben schlagen, wollen durch Verbote und Einschränkungen ihre eigene Beschränktheit der Allgemeinheit aufzwingen. Für alle, die sich informieren wollen, wie ehedem seriöse wissenschaftliche Institutionen durch eine schmarotzende Klasse korrumpiert wurden und dass man heutzutage eben noch genauer als früher hinschauen muss, wenn wieder einmal “wissenschaftliche Erkenntnisse“ publiziert werden, dem sei das Buch “Passivrauch – Götterdämmerung der Wissenschaft“ aus dem Jahr 2011 von Professor Dr. Romano Grieshaber empfohlen. Er ist übrigens Nichtraucher.

25 Antworten

  1. in einer phantasielosen Twitterwelt mit saudämlichen Politiker muss auch dieses Angebot saudämlich sein, mehr hat das Volk nicht verdient.
    Ausserdem werden wir heute von Staats wegen durch “Dauerimpfen” umgebracht was mehr Tote verursacht als alle Zigaretten dieser Welt( da hatte man noch die Freiheit der Wahl) und diesmal wird die Pharmaindustrie und die korrupten Politiker fett gemacht..

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  2. … und dann hat es diesen 4-Teiler gegeben… einfach eine Legende … “Der Seewolf”. Danach waren nur noch Zigarillos angesagt.
    Amüsant war auch die Werbung. Da hat es Zigarren der Marke “Weisse Eule” gegeben.
    Die Werbung wurde zum geflügelten Slogan: “Versager weg – die Macher kommen. Sie rauchen Weisse Eule”

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  3. Da gab es noch die Orient-Marke Muratti.Meine verstorbene Frau rauchte immer LUX.Die letzte im Hospiz,da saß sie schon im Rollstuhl:
    “Hier rauch mir die mal an!”

  4. Die Zigarettenvielfalt war vor vielen Jahren noch sehr groß, wie z.B.:

    Eckstein
    Gitanes mit Maiskolbenpapier (das härteste)
    Juno
    Milde Sorte
    Peer Export
    Senoussi
    Zigaretten mit Aktivkohlefilter (weiß nicht mehr welche Marke, die ich mir vor vielen Jahren in der Schweiz relativ günstig kaufen konnte)
    Menthozligaretten
    u.v.a. mehr

    Zu unserer Studienzeit haben wir auch vieles andere außer Zigaretten eingeworfen aber stets kontrolliert und nur
    gelegentlich.
    Habe damit aufgehört, da ich einmal einen richtig miesen Traum hatte, wo mich große Metallabfalltonnen verfolgt haben und mich töten wollten.
    Das war gruselig und ich bin Schweiß gebadet aufgewacht !

    Dann war endgültig Ende mit dem Zeugs !

  5. .
    Attika —
    es war schon immer etwas teurer einen besonderen Geschmack zu haben …
    Lord Extra .

    Im übrigen hab ich
    den Verdacht, daß diese vollidiologische Nichtraucherkampagne von nichtrauchenden, raucherhassenden Globalisten angestoßen wurde, sozusagen als Versuchsballon und Testlauf für weitere Verbots- und Displinierungsmaßnahmen …
    .

  6. Es gab auch die Marke ATTIKA – Werbeslogan: “Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben”.

  7. ich bin nur froh, dass ich nie geraucht habe. ich habe mit 14 mal probiert, es hat mir nicht geschmeckt, und seitdem nie wieder eine Zigarette angefasst. m
    Mein Vater ist mit 67 an Bronchialkrebs gestorben mit 60 Zigaretten rauchen am Tag. Ich kann die Raucher nur bedauern, dass die immer noch nicht mit dieser Sucht aufhören können. Aber das ist nicht mein Problem. Zum Glück raucht auch im Freundes und Familienkreis kaum noch einer.

  8. F6, Cabinet (gibts heute noch) Orient, Karo, Salem, Casino (filterlos) Club, Semper, alte Juwel (Ehm.meine Hausmarke) Juwel 72, DS (igitt) Monte Christo (stark) Duett (für die Dame)….
    Preise zwischen 1 und 6 DDR Mark je Schachtel.

    Und, alle ohne anatomische Sammelbildchen!

  9. ….die Zigarette ist der schnelle Quickie, die Zigarre das “Liebesspiel”, die Keramikpfeife der Höhepunkt!

  10. … Und dann gab es außerdem noch für die hinterm Zaun noch F6, Semper, Cabinet, Club und Juno … und für solche, die es ungefiltert mochten, Karo und Orient. Die Aufzählung ist freilich unvollständig. Ja, und auch im Osten gab es noch ganz hübsche Schachteln und Seidenpapierchen … Sozialismus machte wenig Spaß. Aber immerhin konnte man sich offiziell und ohne Diskriminierung zu einer Raucherpause verziehen (natürlich zumeist im Pausenraum und nicht vor der Tür) und wenigsten etwas mit eigener Lungenkraft gegen den ganzen Schxxx anstinken. 😉

  11. Es gab einmal eine Zeit, in der man sich nicht über das Rauchen streiten musste. Es war die beste aller Zeiten. Jan-Paul Sartre, Ernst Bloch und Hannah Arendt lebten noch und rauchten und dachten, Juliette Greco sang in Pariser Bars und Jean Seberg drehte dort “Bonjour Tristesse”, der rauchende Jean-Paul Belmondo war jung, der rauchende Fidel Castro und Ernesto “Che” Guevara machten Revolution sexy, das Rat Pack rauchte, trank und sang, der Raucher Erik Ode war “Der Kommissar”, die Raucher Ernest Hemingway und Heinrich Böll bekamen den Nobelpreis, die Raucherin Ingeborg Bachmann schrieb einige der besten Texte der deutschsprachigen Literatur und die Raucher Brecht, Benn und Frisch schrieben den Rest, der Raucher Willy Brandt wurde Kanzler, und Deutschland war geteilt. In den Fernsehstudios der Bundesrepublik konnte jeder, der wollte, rauchen, statt Wasser gab es noch Wein und die Gedanken waren auch besser. Es war eine Zeit, in der Menschen sogar auf dem Mond landeten, und der Westen war freier denn je. Es war eine Zeit, in der die Zukunft noch rosig war und nicht einfach nur später.

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  12. “Was Zigaretten anbelangt, so ist Monsieur Jacques bereits auf seine Seegrasmatratze angewiesen.”
    Wilhelm Busch, Monsieur Jacques à Paris während der Belagerung im Jahre 1870

  13. 20?
    Ich erinnere nur 10er Packungen und es gab zusätzlich kleine schmale Packungen mit nur 4 Zigaretten (für den schmalen Geldbeutel, zu 40(?) Pfennig). Natürlich war alles damals ohne “Filter” – sowas Widersinniges gab’s noch nicht. Der Schwachfug wurde dann später nachgeäfft, z.B. Bier ohne Alkohol.

    Marken: Zuban, Juno …

  14. Bei HB nicht zu vergessen die Werbung mit dem HB-Männchen. Der Begriff hat bis heute Bedeutung, selbst bei denen, die den Hintergrund nicht mehr richtig kennen.
    “Geht hoch, wie ein HB-Männchen”, den Spruch kennt man immer noch.
    Die Werbespots gibt es übrigens immer noch zu finden.
    Wer wird denn gleich in die Luft gehen…

  15. Mich interessiert dieser ganze Quatsch mit dem Rauchen nicht die Bohne, weil ich 1955 mit 7 Jahren das Rauchen in den Häusertrümmern mit 5 Freunden angefangen habe. Eckstein ohne Filter, aber nach 4 Versuchen habe ich es wieder aufgegeben, weil es mir nicht schmeckte und ich mich als Dötz gefragt habe, wie man an so etwas gefallen finden kann. Seit 7 1/2 Jahren bin ich extremer Nichtraucher!

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  16. Rauchen ist verbindend. Es sind viele Zigarettenmarken nicht genannt. Ich meine nicht die Ostkippen, taugten nichts. Peer Export, Lord Extra, Winston, Philip Morris, Reno, Chesterfield, Milde Sorte usw. „Camel“ trug die Aufschrift „turkish and american blend“. Nicht zu vergessen die Papirossi. Drei Marken hab ich in Erinnerung: Belomorkanal, Kasbek, Herzegowinski Flor. Letztere war Stalins Standartzigarette. Usw.
    Die Rauchkultur wurde uns gestohlen

  17. Daß das Rauchen schädlich ist, wußten wir auch schon als Vierzehnjährige. Das ist nicht der Punkt. Der Artikel “bejubelt” auch nicht die Vielfalt, vielmehr klingt in ihm die Wehmut an, die mit dem Verlust an Freiheit der Auswahl einhergeht. Der Camel- oder Marlboro-Mann standen eben für ein gewisses Lebensgefühl, das die Werbefirmen zielgenau bedient haben. Jemand, der Gouloise rauchte oder sogar Gitane verkörperte ein anderes Lebensgefühl als der Roth-Händle Raucher. Meinem Vater durfte ich als Junge Lux vom Händler holen, ich selber begann als jugendlicher Held mit Camel, wechselte zu den Franzmännern über Pall Mall, Nazionali und Panama zu meiner heutigen Lieblingsmarke. Ich wohne in einer Kleinstadt im Umfeld von Frankfurt am Main, in der es zwei Raucherkneipen gibt und ich finde es toll, quasi ein Akt des Widerstandes gegen die übergriffige Regierung, daß hier nach Lust und Laune gequalmt wird und auf´s staatliche Verbot geschissen wird. Was kommt als nächstes? Bilder von Alkoholopfern auf jeder Bier- oder Schnapsflasche? Bilder von zerfetzten Körpern auf jeder Autotür oder auf dem Instrumentenbrett? Dann will ich aber auch, daß jeder Politiker auf seinem Anzug einen Hinweis trägt: Vorsicht Politiker. Gefahr von Korruption und Machtmißbrauch, finanzieller Vorteilsnahme und Selbsbeweihräucherung.

  18. Geistig beschränkt sind vor allem die Nikotinabhängigen (der Autor dieser Kolumne gehört offensichtlich dazu)! Sie zerstören sich ganz bewusst mittel- oder langfristig ihr Atemwegssystem! Das hat etwas von masochistischem Verhalten und endet in der Regel, früher als normal, im Sarg!

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    1. Mag sein, mag sein, aber auch die Nichtraucher sterben irgenwann mal. Daß Raucher schneller sterben können mag sein, aber das Leute an Lungenkrebs sterben, die nie geraucht haben, weiß auch jeder. In unserem Dorf gab es einen alten Mann, der beide Beine im ersten Weltkrieg verlor und seinen Lebensunterhalt mit einem winzigen Kiosk verdiente, in dem wir Kinder gerne Süßigkeiten kauften. Dieser alte Mann rauchte ständig dicke schwarze Zigarren. Er starb mit über hundert Jahren in seinem Kiosk. Wenn es Ihnen spaßmacht, Raucher als geistig beschränkt zu bezeichnen, dann darf ich (Raucher) konstatieren, daß Sie (Nichtraucher) zumindest mal unhöflich und taktlos sind. Ich habe studiert, führe als Selbständiger seit einem Vierteljahrhundert mein Geschäft und lebe nicht schlecht davon. Wenn Sie meinen, ich wäre geistig behindert, nun, Sie sind frei zu glauben, was Sie wollen.

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  19. Als Ex-Raucher kann ich dem Artikel nur zustimmen:

    Beim Vergällen des Rauchgenusses im Namen von ‘die Wissenschaft’ haben die Verbotsfetischisten ganze Arbeit geleistet! Das der Konsum von Tabak ungesund ist, wusste man auch ohne diese ekelhaften Bildchen auf jeder Packung!

    Als ich mein erstes Päckchen Zigaretten aus dem Automaten zog (es war Ernte23!), kostete dieses noch 3,-DM – und es lagen noch ein paar glänzende, ganz neue 10pf-Stücke darin! Dabei waren in der Packung auch noch so viele Zigaretten, dass die erste beim Rausziehen, wenn man nicht vorsichtig war, kaputt ging und sie richtig ‘eckig’ waren.
    Heute kostet ein Päckchen Zigaretten ( ich musste erst mal recherchieren!) tatsächlich 8,-€! Das wären damals (mit Teuro-Inflation) über 20,-DM gewesen. Aber die 0,5l Dose Bier kostet immer noch 49,-ct, die Flasche Wodka bekommt man für lächerliche 7,-€! Komisch, dass der Alk im Verhältnis so unglaublich billig ist, wo Alkohol als tödlichste aller Drogen laut Nutt-Studie gut drei mal so schädlich ist wie Nikotin.

    Heute frage ich mich, was habe ich als seit Jahrzehnten Nichtraucher eigentlich verbrochen, um beim Warten in der Schlange an der Kasse im Supermarkt mit diesen Schockbildern angeekelt zu werden?
    Ich empfinde das als unzumutbare Belästigung!

    Mir noch ein Gebäck-Stückchen beim Bäcker gegenüber zu holen, ist mir nach dem Anblick von Löchern im Hals, geteerten Lungen und amputierten Gliedmaßen regelmäßig vergangen.

    Nur das Baby mit der Kippe im Schnulli – das ist unfreiwillig komisch und bringt mich zum Lachen!

  20. Nikotin, die blödeste Sucht, die man sich antun kann.
    Es kostet nur Geld und macht extrem süchtig, ohne dass es einen Rausch auslöst oder sonst ein gutes Gefühl.

    Nach 30 Jahren aufgehört, und 7 Jahre später hatte ich es endlich geschafft.

    Und heute? Ich habe keinen Drang mehr danach und wenn ich mir die Preise anschaue, dann sind die schon ein Grund, das Zeug nie mehr anzufassen.
    Die Bilder und Hinweise auf den Schachteln sind ein Blödsinn, die keinen Raucher interessieren.

    Na egal, soll jeder rauchen oder nicht rauchen. Geht mich nichts an.