Unrealistische Energiewende

Wohin mit all dem „nachhaltigen“ Strom? (Symbolbild:Imago)

Zur Verdeutlichung einmal ein paar Zahlen, wie weit wir von einer praktikablen Stromspeicher-Lösung entfernt sind, die benötigt wird, um die Schwankungen und Flauten von Wind- und Solarenergie auszugleichen und das Ziel von 100 Prozent erneuerbarer Energie erreichen zu können: Deutschland verbraucht derzeit durchschnittlich 1,4 Terawattstunden (TWh), entsprechend 1.400 Gigawattstunden (GWh), Strom pro Tag; pro Stunde also rund 58 Gigawattstunden. Dieser Strom muss zu jeder Zeit erzeugt werden können. Eigentlich sogar noch mehr, weil dies nur der Durchschnittswert ist und der tatsächliche Verbrauch pro Stunde in Spitzenzeiten auch auf über 70 GWh steigen kann.

Die modernsten Batteriespeicher der Welt kommen auf rund 300 Megawatt (MW), entsprechend 0,3 Gigawatt (GW), Spitzenleistung – so etwa Tesla’s „Big Battery“ im australischen Victoria. Um den durchschnittlichen Verbrauch pro Stunde von 58 GWh mittels der Leistung von Batterien zu jeder Zeit abdecken zu können, braucht es demnach etwa 195 solcher Batterien (Stromverbrauch pro Stunde geteilt durch die maximale Leistung einer Batterie). Für einen Tag ergeben sich 4.667 solcher Batterien. Um sich gegen eine 10-tägige Dunkelflaute abzusichern, bedürfte es also 46.670 dieser Batterien.

Speicherkapazitäten finanziell und zeitlich überhaupt nicht zu stemmen

Die Kosten der australischen „Big Battery” lagen bei etwa 100 Millionen US-Dollar.
Die Kosten für den Bau der benötigten rund 46.000 Batterien lägen demnach bei 4.600 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die offizielle Staatsverschuldung der Bundesrepublik Deutschland liegt bei 2.300 Milliarden Euro. Nur der Bau der Batterien (ohne Ausbau der Netze, der eigentlichen Wind- und Solaranlagen et cetera!) benötigt also mehr als doppelt soviel Geld wie die offizielle Staatsverschuldung, die die Bundesrepublik in knapp 70 Jahren angesammelt hat. Damit aber nicht genug: Die Bauzeit der australischen Anlage betrug ein Jahr. Unterstellen wir den Herstellern, dass sie sich massiv in ihrer Produktivität steigern und es irgendwie schaffen, 200 Speicher pro Jahr fertigzustellen. Das bedeutet, dass nicht einmal alle zwei Tage eine neue „Big Battery” in Betrieb gehen müsste – ein mehr als ambitioniertes Unterfangen. Aber selbst dann dauerte es noch 230 Jahre, bis alle 46.000 Batterien, die benötigt würden, tatsächlich stehen.

Wir ignorieren dabei natürlich noch mögliche Rohstoff-Engpässe, Personalmangel oder die Tatsache, dass der Stromverbrauch in Zukunft durch den weiteren Ausbau der E-Mobilität, Wärmepumpen und so weiter noch deutlich steigen wird und diese Zahlen in meinen Augen daher eher untertrieben sind. Anmerken muss man natürlich, dass Deutschland auch über Pumpspeicherwerke mit einer Spitzenleistung von 7 GW verfügt – aber angesichts der Zugeständnisse, die ich durch Weglassen der vorgenannten zusätzlichen Faktoren gemacht habe, ändert sich das Bild dadurch nicht. Deren Potential ist zudem ausgeschöpft.

Wette auf Zeit

Andere Lösungsvorschläge des Dilemmas wären etwa Verfahren wie „Power 2 Gas”. Dieses ist jedoch extrem teuer, hat einen schlechten Wirkungsgrad und ist anscheinend ja sowieso nicht gewollt, weil man keine Gas-Verstromung möchte und sogar den Abriss des Netzes plant. „Dezentrale Lösungen“ in E-Autos sind genauso utopisch und könnten zudem nur auf totalitärer Basis stattfinden – da diese Autos ja jederzeit dem Stromnetz zur Verfügung stehen müssten und nicht wild durch die Gegend fahren dürften.

Es klingt so schön einfach zu sagen: „Ja, wir müssen nur Stromspeicher bauen!“ Diese Art von Stromspeicher, wie wir sie benötigen, die gibt es noch nicht. Solange wir aber keine solchen Speicher haben, ist der stetige Ausbau von Wind- und Solarenergie nicht nur nicht sinnvoll, sondern sogar schädlich – weil durch deren Schwankungen das Netz instabil wird.
100 Prozent erneuerbare Energie aber sind ohne diese Speicher nicht möglich. Und da wir sie auf unabsehbare Zeit nicht haben werden, ist das gesamte Vorhaben der Energiewende utopisch. Noch einmal: Es ist eine Wette auf die Zeit, wobei die Chance, dass wir den Wettlauf gewinnen, sehr gering ist. Es ist einfach nicht realistisch. Und selbst wenn es technisch realistisch wäre, wäre es unserem derzeitigen politischen Personal absolut nicht zuzutrauen, ein solches Jahrtausendprojekt umzusetzen.

8 Kommentare

  1. „Es ist einfach nicht realistisch. Und selbst wenn es technisch realistisch wäre, wäre es unserem derzeitigen politischen Personal absolut nicht zuzutrauen, ein solches Jahrtausendprojekt umzusetzen.“
    Eine Energiewende mag Sinn machen, aber sicher nicht zur „Rettung“ des Heiligen Klimas denn neben Corona ist Klima die größte Lüge aller Zeiten.

  2. Zwecklos. Die Regierung hält an ihrer Ideologie resp. Vernichtung Deutschlands fest und der blöde Deutsche kapiert es nicht, will einfach nicht kapieren und wird wieder die Altparteien wählen und bei nächster Gelegenheit auf seinen Landsleuten herumhacken. Sie müssen in ihr Verderben laufen, man muss sie laufen und hoffentlich leiden lassen.

  3. Ach, wie sagte doch Energieökonomininin Professorininin Claudia Kemfert:

    „Es gibt am Markt sehr viele Speicher. Pumpspeicherkraftwerke die in Deutschland nicht ausgebaut wurden. Das wäre auch wichtig, dass man das tut. Wir haben Batteriespeicher noch und nöcher, die jetzt an das System kommen. Es gibt noch und nöcher Speicher. Es ist ein Mythos anzunehmen, dass es die nicht gibt.“

    aus:

    „Aus der Reihe bedeutende Geister des 21. Jahrhunderts. Heute: Prof. Claudia Kemfert und Dr. Patrick Graichen zur Speicherproblematik“
    https://eike-klima-energie.eu/2022/08/04/aus-der-reihe-bedeutende-geister-des-21-jahrhunderts-heute-prof-claudia-kemfert-und-dr-patrick-graichen-und-zur-speicherproblematik/

    (Leider wurde der Videoausschnitt in der Zwischenzeit entfernt. Aber das Video von dem ZDF-WISO-Beitrag gibt es noch.)

    Professor für Energietechnik Harald Schwarz hält dagegen:

    „Die heute zur Verfügung stehenden Speicherkapazitäten reichen zusammengerechnet nur, um Deutschland für eine halbe Stunde zu versorgen, wie Prof. Harald Schwarz dem Zuschauer erklärt. Selbst das ist natürlich nur ein theoretischer Wert, wenn man berücksichtigt, dass zum Beispiel Pumpspeicherkraftwerke die gespeicherte kinetische Energie nicht in der für die halbstündige Vollversorgung des Landes erforderlich kurzen Zeit durch die Turbinen jagen könnten. In der Praxis würde das Netz also zusammenbrechen, lange bevor die Speicher leer sind. Zeit, so scheint es, spielt in den Plänen der Energieumdreher generell nur eine untergeordnete Rolle.“

  4. Abgesehen davon das es gar nicht so viel Lithium gitb, wie benötigt und nicht so leicht zu bekommen ist oder gar nicht vorhanden, ist ein Batteriespeicher niemals realistisch. Die ist die Engerydichte einfach so gering bei hochwertigen Rohstoffbedarf…

    Es ist ja die Rede von Wasserstoffspeicher. Aber das ist auch eher nur um die Stromausbeute effizenter zu machen. Um wirkliich im Terawattstunden bereich zu speichern, wär das Unterfangen auch utopisch. Ja, die Rede ist schon davon seit Dekaden die Lösung sei Wasserstoff, bewegt hat sich es aber noch keinen Schritt.

    Am effitvisten und günstigem sind immer noch Speicherbecken mit Wasser, aber geograpfisch nur begrenzt in der Menge zu verfügung.

    Somit bleibt es unrealistisch 100% erneuerbare Engergien. Der will und wünsch ist zwar nicht da, wenn man aber sich mal schlau macht, ist es in ganzen Teilen nicht umsetzbar

  5. Die 100% erneuerbare Energie ist nur eine Utopie. Nicht mehr wie ein Marketing Clou.

    Aber ich finde schon das man den hohen Bedarf am Strommarkt mit schlauen Lösungen Deckeln sollte, mehr aber auch nicht.

    Das ich alles nur so daher gesagt von grüner Energie, nichts mehr wie ein politischer Rattenfang…

    Der Mensch muss sich endlich eingestehen das er ganz und gar von der Natur lebt und diese nicht aus tricksen kann…

  6. Das derzeitige politische Personal weiß aber ganz genau, was Phase ist.

    „Eine Partei wie die Grünen ist robust genug zu sagen, was Phase ist.“ – Robert Habeck (GRÜNE) am 14.09.2021

    Und darum sagen sie das auch so robust:

    „An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet.“ – Annalena Baerbock (GRÜNE) am 21.01.2018

    „Im Spitzenlastbereich, dann wenn der Energieverbrauch am höchsten in Deutschland ist, verbrauchen wir ungefähr 80 Gigabyte. Wir produzieren aber ungefähr 140 Gigabyte, das heißt, das Anderthalbfache dessen haben wir immer noch übrig.“ – Cem Özdemir (GRÜNE) am 15.03.2011

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