Verirrungen und Brüche überall

Weltweite Proteste (hier in Madrid) – doch die Fehlwahrnehmung betrifft beide Lager (Foto:Imago)

Jahrelang wurde bei uns ein Riesenbohei gemacht um jede ethisch anstößige, indirekte deutsche Waffenlieferung – selbst wenn sie nur „über Bande“, also über Dritt- und Viertstaaten, erfolgt war. Die Bundeswehr wurde vorsätzlich kastriert und verkrüppelt, zu einem Schatten ihrer selbst kaputtgespart, und die Abschaffung der Wehrpflicht tat ein Übriges, um die Entfremdung zwischen „Zivilgesellschaft“ und Militär zu vervollkommnen. In Deutschland gibt es mittlerweile fast zwei komplett „ungediente“ Generationen, die Kriegshandlungen nur von Netflix oder aus Computerspielen kennen und Disziplin, Uniformen und Drill instinktiv mit „Rechtsextremismus“ assoziieren.

Doch jetzt, da in die linksgrüne Wohlstandsblase jäh die Realität einer konventionellen militärischen Auseinandersetzung im geographischen Nahbereich einbricht: Da kann die plötzliche Rolle rückwärts der Politik gar nicht schnell genug erfolgen. Binnen zwei Tagen sind jetzt Waffenlieferungen in ein Krisengebiet kein Problem mehr, und vor allem werden mal eben so schlagartig 100 Milliarden Euro Sondervermögen für den Verteidigungshaushalt aus dem Hut gezaubert; und das ausgerechnet von Politikern der SPD und der Grünen, die bislang freiwillige Demilitarisierung und humanitäre Realitätsverweigerung zu ihren Grundfesten erklärt hatten. Aktionismus und Hektik sind Trumpf.

Es ist, als würden wir von Kleinkindern regiert. Die deutsche Politik zeigt sich einmal mehr in ihrer ganzen Kopflosigkeit, die seit Angela Merkels Kanzlerschaft das Handeln in diesem Land zunehmend bestimmt. Ihr wesentliches Merkmal: Das Reagieren auf Stimmungen und Emotionen, irrationalen Motivlagen, die aus gutem Grund in der Staatskunst hinter Besonnenheit und Weitblick zurücktreten sollten. Letztere haben in Deutschland ultimativ ausgedient. Entscheidungen fallen bei uns – nicht erst seit gestern – nur noch impulsgetrieben und im Wortsinne populistisch, gefühlsabhängig, unüberlegt, kurzsichtig, erratisch und situationsbezogen-reflexiv, aber immer ohne strategische Linie und Blick auf die Langzeitfolgen.

Als würden wir von Kleinkindern regiert

Als vor 11 Jahren im fernen Japan die absehbare Havarie eines fahrlässigerweise in einem Erdbebengebiet errichteten Kernkraftwerks erfolgte – und zwar nicht etwa durch einen Reaktorunfall, sondern als Begleiterscheinung eines Tsunamis! -, wurde von einer hysterischen Bundesregierung sofort der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen. Vier Jahre später dann folgte die Kanzlerin, unter dem Eindruck der Bilder hoffnungsloser Budapester Bahnhofsflüchtlinge und kindlicher Kulleraugen, ihrem „Herzen“ – und öffnete in einem weiteren verantwortungslosen Kurzschluss die Grenzen. Und jetzt – unter dem Eindruck von Kriegsbildern, pro-ukrainischen Massendemonstrationen (bei denen Corona- und Abstandsregeln, anders als bei Montagsspaziergängen, plötzlich überhaupt keine Rolle mehr spielen!) und der übrigen westlichen Entschlossenheit, folgt die nächste emotionale 180-Grad-Wende – und der bislang edierte Kanzler wird vom Zauderer zum Impresario.

Für die Bundesregierung, speziell für die Grünen, wird Scholz‘ Kurswechsel absehbar zur Zerreißprobe werden. Für die Haken, die der Kanzler nun schlägt, sind sie definitiv nicht der richtige Partner – egal, wie sehr sie sich derzeit auch im Eiltempo verbiegen und den neuen Konfrontationskurs unter Brüskierung ihrer weltfremden, Pace!-Regenbogen-affinen Basis mittragen. Denn man kann keine Gesinnungs- und Verantwortungspolitik zugleich betreiben. Man kann nicht mit einem Bein im phantastischen Utopia stehen und mit dem anderen auf dem Boden der Realpolitik. Entweder muss man das eine aufgeben oder das andere.

Und genau darauf läuft es hinaus – sowohl in der deutschen Rüstungs- und Verteidigungspolitik wie auch vor allem in der Energie- und Umweltpolitik. Entweder zurück ins Wolkenkuckucksheim – oder zurück zu Kernkraft, fossiler Energie, Aufrüstung, Rücknahme von Klimabeschlüssen. Ansonsten fliegt ihnen der Kessel um die Ohren. Den harten Max mimen, die Abhängigkeit von russischem Erdgas von einem Tag auf den anderen zur Disposition stellen und die Folgen dieser Entscheidung für Deutschland gänzlich auszublenden, indem man sich auf die maximal für 90 Tage reichende strategische Erdgasreserve verlässt, macht aus Robert Habeck noch keinen seriösen Krisenpolitiker. Und plötzlich mit deutschen Waffen die Integrität der ukrainischen Grenzen schützen zu wollen (obwohl Deutschland bislang nicht einmal die eigenen zu schützen in der Lage war), ist auch nicht eben glaubwürdig.

Schmetterling im Ventilator

Moralisch ähnelt die deutsche Linke derzeit einem Schmetterling, der in einen Ventilator auf höchster Rotorgeschwindigkeit geraten ist (oder, treffender, einem Rotmilan in einer Windkraftanlage): Sie wird gerade zerfleddert, dass die Fetzen fliegen; wenn sie das überlebt, dann nur unter Verlust jeder Orientierung. Ihr Traum von der postnationalistischen, postmilitaristischen und universaltoleranten Nachhaltigkeit zerstiebt gerade vor ihren Augen; mit einem Mal muss sie gewahr werden, dass sie und ihr ganzes sophisticated Wokistan nackt, wehr- und schutzlos sind, und das einzige, was ihr jetzt noch den Arsch retten kann, die verhasste Westbindung und die vermaledeite US-Truppenpräsenz sind, in Gestalt lärmbelästigender Tiefflieger oder Raketendepots (und das mehr als je zuvor), gegen die sie seit Jahrzehnten pazifistisch anstänkert.

Auch die Flüchtlingsfreaks wissen nicht mehr, wie ihnen geschieht. Stammelnd empören sie sich über die angebliche Heuchelei und Doppelmoral, den „Rassismus“ von Polen und Ungarn, die nun eine beispiellose Flüchtlingsaufnahmebereitschaft an den Tag legen und ihre Grenzen plötzlich für hunderttausende Ukrainer öffnen – nachdem sie zuvor dieselbe Offenheit gegenüber sogenannten afghanischen, arabischen und afrikanischen „Flüchtlingen“ an der belorussischen Grenzkrise vor drei Monaten missen ließen und überhaupt seit Jahren innerhalb der EU die koordinierte Migrationsaufnahme blockieren.

Na sowas! NICHTS haben deutsche Gutmenschen verstanden: Bis heute begreifen sie nicht den Unterschied zwischen echten Kriegsflüchtlingen und Wirtschaftsmigranten, zwischen der humanitär gebotenen temporären Aufnahme von Menschen eines Nachbarlandes (also aus dem regionalen geopolitischen Nahbereich) und kommerziell herumgeschleppten Scheinasylanten.

Auf dem Holzweg – nicht nur Linke

Doch auf dem Holzweg sind dieser Tage viele – und das betrifft nicht nur die abrupt in eine Sinnkrise gestürzten Linken. Auch viele auf der mainstreamkritischen Gegenseite wissen nicht mehr, wie ihnen geschieht, und versuchen, die Ereignisse mit ihrem seit Jahren kultivierten Koordinatensystem in Deckung zu bringen – was fast immer auf die Reproduktion prorussischer Propaganda bei gleichzeitiger Pflege antiamerikanistischer Ressentiments hinausläuft. In ihrer rasenden Wut auf die vermeintlich expansive und aggressive NATO als eigentlicher „Kriegstreiber“ und in ihrem blinden US-Hass pflegen sie eine Dämonisierung in Generalklauseln. Alleine schon ihre Aufrechnung von Angriffskriegen „der USA“ krankt an dem Denkfehler, es handele sich bei „den USA“ um eine epochenübergreifend interessenkonforme, homogene finstere Macht – eine Sichtweise, die man sich gerade als Deutscher zu Recht verbittet. Denn so wie „die Deutschen“ von heute mit den Deutschen vor 50, vor 80 oder 120 Jahren nichts mehr gemein haben (und für deren damalige Verirrungen   nicht verantwortlich sind), haben auch „die USA“ von heute nichts mit denen von vor 40 Jahren (oder auch nur denen vor vier Jahren) zu tun. Regime-Changing-Coups der Nachkriegszeit, Stellvertreterkriege und geopolitische Machtsicherungsaktionen des Kalten Krieges können nicht aufgerechnet werden gegen heutige Verfehlungen Russlands.

Viele hierzulande, denen Russland in dieser Krise als die „ehrlichere“, authentischere, anständigere und legitimer operierende Partei erscheint, sind wie die Maden im Speck einer bald 80-jährigen Friedensordnung im Schutz der USA aufgewachsen. Sie sollten es eigentlich besser wissen. Wenn das „imperialistische US-Fremdherrschaft” war, dann gab es jedenfalls nichts Angenehmeres je auf deutschem Boden. So, wie verwöhnte, pubertierende Kinder ihre Eltern verteufeln, denen sie doch von Freiheit über Wohlstand bis Sicherheit alles verdanken, so projizieren sie ihren Zorn auf das eigene System. Die inflationäre Anprangerung von vermeintlichem „Faschismus“ und „Zensur“, auch der „Diktatur”-Begriff (als Warnung vor gefährlichen Tendenzen zwar in der Corona-Krise durchaus berechtigt) hat sie leider dafür blind gemacht, dass wir von der Verwirklichung dieser Zustände natürlich Lichtjahre entfernt sind und (noch) in der Frühphase zu wehrender Anfänge stecken.

Tatsächlich erreicht sind solche Verhältnisse hingegen sehr wohl bereits bei ihren Anti-Helden Russland; doch dort werden sie verleugnet oder ignoriert. Manche Vertreter der hiesigen Gegenöffentlichkeit sollten doch einmal so die Regierung in Russland attackieren, wie sie es auf Telegram oder auch auf den freien Medien – jedenfalls noch – nach Belieben tun und tun können: Sie würden es nicht überleben, soviel steht fest. Und wer das für „russlandfeindliche Propaganda“ hält, hat schlicht keine Ahnung von den dortigen Verhältnissen – und hat sich mit dortigen Oppositionellen und Journalisten noch nie ausgetauscht.

Dieselbe alte Einseitigkeit

Überhaupt ist das notorische Quellenmisstrauen, so geboten es in Sachen Corona, EU und Migration auch sein mag, für manche hier zur fixen Idee geworden. Sie misstrauen den Medien – aber gleichzeitig mangelt es ihnen ganz offensichtlich an validen Alternativquellen, insbesondere an persönlichen Kontakten zu Ukrainern, zu Russen, zu Betroffenen BEIDER Seiten also: Menschen im Donbas UND Menschen aus der Westukraine. Es ist dieselbe Einseitigkeit, die viele Deutsche auch schon im Jugoslawienkonflikt an den Tag legten. Ihr gebotenes Misstrauen, ihre Kritik gegenüber Medien endet bei ARD und ZDF – und macht sie zugleich blindgläubig für alle Alternativkanäle – auch die, die geschickt ihre Vorurteile bedienen. So kommt es, dass am Ende die einen meinen, es habe im Donbas überhaupt keine Diskriminierung von ethischen Russen durch ukrainische Nationalisten gegeben (die es sehr wohl gab) – während im Gegensatz dazu die anderen allen Ernstes überzeugt sind, es habe dort tatsächlich so etwas wie einen achtjährigen „Völkermord“ gegeben, was nicht minder grotesk ist.

Aufgehört selbständig zu denken haben alle gleichermaßen: Nachdem sie zu Recht so etwas wie „westliche Propaganda” der Globalisten – die unstreitig stattfindet – kennengelernt haben, fallen sie umso unkritischer auf die Gegenpropaganda herein, und meinen allen ernstes, die NATO habe Russland bedroht. Worin diese „Bedrohung” je konkret bestanden haben soll, erklären sie nicht; das rein geographische „Näherrücken” alleine ist dabei allerdings noch keine Bedrohung. Meinen sie ernsthaft, die NATO habe Russland eines Tages angreifen wollen – dieser grenz- und weltoffene, antimilitaristische, grunddefensive, linksverweichlichte, passive Westen, der sich nicht einmal gegen Islamisten, IS oder Taliban behaupten konnte?

Nochmals: Die NATO wurde nicht zwangserweitert. Die Völker der seit 1999 von ihr aufgenommenen osteuropäischen Staaten haben vielmehr alles daran gesetzt, um aus den Erfahrungen einer jahrzehntelangen sowjetischen Unterdrückung heraus in Frieden und Sicherheit fortexistieren zu können – und als sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte über ihre Bündnisse und ihre Orientierung frei entscheiden durften, da zog es sie nicht in Richtung des „friedlichen“ Russland – sondern hin zum „verbrecherischen“ Westen und in die „kriegerische“ NATO. Wer immer hier mit naiven Landkartenbildern ein „Näherrücken“ kritisiert, tritt das Selbstbestimmungsrecht der Einwohner dieser Länder mit Füßen – und sollte sich vielleicht einmal in deren Position hineinversetzen. Hilfreich sind Gespräche mit Zeitzeugen aus dem Baltikum und anderen Staaten des Ex-Ostblocks.

Taktische Geschichtslegenden

Und nochmals zum Mythos des gebrochenen Versprechens: Wer schon irgendwann einmal einen Vertrag mitausgehandelt hat, sollte eigentlich wissen, dass während der Verhandlungen viel gesagt und zugesichert wird von beiden Seiten – doch am Ende steht dann eben ein Kompromiss, eine Einigung, und die wird fixiert. Diese war im konkreten Fall der 2+4-Vertrag – und darin fand sich am Ende eben KEIN Passus über ein Verbot der NATO-Osterweiterung. Die Sowjetunion hätte auf diese ja bestehen können; Fakt aber ist: sie tat es nicht. Damit sind dann auch alle früheren angeblichen Verlautbarungen obsolet.

Warum außerdem sollte ausgerechnet der dauermisstrauische, alles andere als naive Kreml auf das „Wort” einzelner Verhandlungsführer mehr vertraut haben als auf die Schriftform – zumal er wusste, dass dieses ohne spätere parlamentarische Ratifizierung nichts gilt – und darauf verzichtet haben, eine derart entscheidende Passage im fertigen Vertrag aufzunehmen? Wie dem auch sei – nochmals, ich wiederhole mich gerne: Dieser Vertrag wurde vor 32 Jahren abgeschlossen mit der UdSSR – nicht mit Russland – und wurde bezeichnenderweise von Moskau nie in Frage gestellt, als dann die entscheidenden, heute so getadelten NATO-Osterweiterungsrunden (vor allem zwischen 1999-2004) tatsächlich stattfanden. Erst viel später, als es Putin zur Begründung revanchistischer Territorialansprüche in den Kram passte, wurde dieser Scheinpassus ins Feld geführt.

Wer eine Ursache des Ukraine-Konflikts alleine oder vorrangig in der NATO-Osterweiterung sieht, fällt daher auf eine geniale russische Verschleierungstaktik herein. Irgendwelche „Sicherheitsinteressen” Russlands sind tatsächlich nur ein Vorwand, um eine großrussisch-imperialistische Restitutionspolitik betreiben zu können. Das genau selbe Muster zeigt(e) sich nämlich auch in anderen Grenzregionen Russlands, wo weder die NATO vor den Toren steht noch ihre Erweiterung ein Thema wäre: In Tschetschenien, Inguschetien, Abchasien bzw. Ossetien folgten die Ereignisse inklusive militärischer Souveränitätsverletzungen exakt derselben Regie, derselben Repatriierungs- und Destabilisierungsmasche wie im Falle von Krim und Donbass. Und die russischen Kriegsverbrechen in Syrien waren sicher auch keine erwartbare Reaktion eines fahrlässig, böswillig auf Messer gereizten „russischen Bären“, sondern reiner geostrategischer Geltungsdrang und aggressive Hegemonialpolitik Putins, vorgeblich gegen eine US-Dominanz im Nahen Osten – und in Wahrheit wohl auch eine Art Testlauf, ganz so wie 1936 der Spanische Bürgerkrieg für die deutsche Luftwaffe.

Nützliche Idioten Moskaus

Ich habe bereits wiederholt ausgeführt, dass der Westen mehrfach entsetzlich undiplomatisch agiert und Russland bei verschiedenen Anlässen ein Gefühl der Geringschätzung vermittelt hat; dies steht außer Frage. Aber die, die ihm deshalb eine Schuld an den jetzigen Ereignissen geben oder Putins Feldzug gar als stabilisierende „Korrekturmaßnahme“ euphemisieren, machen sich zu nützlichen Idioten Moskaus. Sie sind die zeitgenössische Entsprechung der Hitler-Apologeten in den Dreißigern, die damals fest glaubten, Hitler gehe es nur um die Sicherstellung deutscher Sicherheitsinteressen im Ausland und letztlich um eine tragfähige Friedensordnung; ein tödlicher Irrtum. Hätten sie „Mein Kampf” gelesen, hätten sie gewarnt sein können. Von Putin existiert zwar keine analoge Schrift – doch in den zahllosen Reden seiner 23-jährigen Regentschaft hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass er a) Russland als Nachfolger des Sowjetimperiums sieht, b) dessen Restitution anstrebt und c) die Sicherung des russischen Volkstums auch im Ausland über die nationale Integrität der jeweiligen Staaten stellt.

Doch selbst wenn die „Putinisten“  mit ihrer Einschätzung im Recht wären und Russland in der Ukraine legitime Interessen verfolgte: Dann wäre die Wahl der Mittel dennoch so inakzeptabel, so fürchterlich inakzeptabel und anachronistisch, dass jede weitere Diskussion darüber entbehrlich würde. Die raunenden Salonlöwen aus der sicheren westlichen Etappe beweisen mit ihrer sesselfurzerischen Altklugheit („jetzt wird da aufgeräumt!”) nur ihre eigene Selbstvergessenheit und infantile Ahnungslosigkeit, was Krieg und Entbehrung eigentlich sind – und eine unerträgliche Empathielosigkeit gegenüber dem ukrainischen Volk. Sie sind damit leider nicht minder realitätsfern wie die Klima-Straßenkleberkids oder die Friedensdemonstranten.

Noch absurder ist übrigens die kritiklose Übernahme einer weiteren russischen Propaganda-Stanze – der Behauptung nämlich, die aktuelle Invasion richte sich in erster Linie gegen ein „Nazi-Regime“ in Kiew. Dass diese Desinformation dieser Tage vor allem von vielen geglaubt wird, die sich selbst als Impfgegner und  Corona-Maßnahmenkritiker bekennen, die sich zu Recht gegen die staatliche Diffamierung aller Spaziergänger und Querdenker als „Nazis” wehren, haut dem Fass den Boden heraus. Wie verblendet kann man sein – und hier nicht die identische Diffamierungsstrategie erkennen, der man im eigenen Land selbst gerade zum Opfer fällt?

Der Kiewer Nazi-Mythos

Tatsache ist: Mit „Neonazis” hat die ukrainische Regierung in Kiew noch weniger gemein als die deutsche Corona-Protestbewegung. Es ist immer eine Frage der Gewichtung: Wer schlaglichtartig nach den Nestbeschmutzern fahndet, wird freilich immer fündig. Fakt aber ist, dass extremistische Milizen und Ultranationalisten von der russischen Propaganda massiv überhöhte Begleiterscheinungen sind und waren, erstmals erhoben zur Delegitimierung der Maidan-Proteste 2014. Die Sammelbewegung Selenskyis, die Partei Sluha Narodu, bedient ein bewusst weitgefasstes Spektrum, und wird sicherlich keine Ausschlussverfahren gegen Ultrarechte durchführen; auch mag die Führung in Kiew korrupt sein. Und dass sie ohne Zweifel untätig geblieben ist, als ukrainische Extremisten im Donbas den Russen über Jahre hinweg den Vorwand für ihre Intervention lieferten, mag ebenfalls dahinstehen (obwohl viele der dortigen „antirussischen“ Scharfschützen wohl in Wahrheit separatistische Agents provocateurs waren, die die letzte eingetretene Eskalation seit Jahren herbeiführen wollten – so wie auch beim MH17-Flugzeugabschuss vor acht Jahren) . Aber sie ist ganz sicher keine „Nazi-Regierung“ und aufgrund ihres Rückhalts in der Bevölkerung erst recht nicht illegitim.

Wenn nun ausgerechnet in Deutschland Russland-Unterstützer eine imperialistische Sichtweise übernehmen, jahrhundertealte Vertragsnoten oder Verträge zur Bestreitung einer ukrainischen Souveränität anzuführen, um damit einen Angriffskrieg zu rechtfertigen, dann zeugt dies von intellektuellen und historisch-moralischen Untiefen. Wer so argumentiert, der müsste dann konsequenterweise auch applaudieren, wenn morgen Polen oder das Baltikum unter Berufung auf den Frieden von Tilsit oder Schönbrunn von der Landkarte getilgt werden, oder das Elsass und Südtirol „zurückgeholt“ werden. Es ist genau diese geschichtsrevisionistische Idiotie, die sich derzeit 700 Kilometer südöstlich unserer Grenze Bahn bricht.

Man kann sehr vieles kritisieren am freien Westen, und es gibt beileibe viele gute Gründe, einem tendenziell totalitär gedachten Globalismus samt supranationalistischen Herrschaftsbestrebungen gewisser Eliten entschlossen entgegenzutreten, der sich in Corona-Zeiten überall breitmacht und seinen Einfluss auf Medien, Politik und Gesellschaft ausbaut. Doch das bedeutet nicht, dass die Integration im westlichen Bündnis mit einer in der Geschichte Europas beispiellosen Friedensära kein Segen und keine Erfolgsstory war, die es unbedingt zu bewahren gilt. Wer hier Gegenteiliges vertritt, ist geschichtsvergessen, revisionistisch und blind.

Nicht nur auf Kronzeugen der Gegenpropaganda hören

Vielleicht hülfe es manchem ja schon weiter, wenn er keine blasenimmanenten selektiven Testimonials und Verstärkerstatements der eigenen Position konsumiert und stets nur den Kronzeugen der Gegenpropaganda zuhört – sondern sich zur Abwechslung einmal mit stinknormalen Durchschnitts-Polen, -Tschechen oder -Ungarn unterhält, die noch den 1956er-Volksaufstand, den Prager Frühling oder die Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 erlebt haben.

Ihnen können sie ja gerne einmal ihr Leid klagen, wie entsetzlich es doch seit 75 Jahren ist, im faschistischen Westen unter der schlimmen Fuchtel der US-Verteidigung und „Besatzung“ gelitten zu haben! Ist es nicht seltsam, dass alle Welt ebendiese finstere, US-versklavte Scheinfreiheit den Kleptokratien des Ostens vorzieht, und alle Schutzsuchenden und Glücksritter dieser Welt stets nur „Go West“ im Sinn haben? Wie leicht es doch ist,  aus der Wohlstandsblase heraus Frieden in Aggression umzudeuten und Krieg als Friedenssicherung, als humanitäre Aktion zu verbrämen – und einem Diktator zu huldigen, bloß weil er denen die Stirn bietet, derer man vor der eigenen Haustür überdrüssig ist oder nur noch ohnmächtige Verachtung übrig hat! Das Reflexionsvermögen reicht bei vielen offenbar nicht weit genug, um zu verstehen, dass das Regime des hier beklatschen Gegenmodells noch ungleich skrupelloser ist.

Fast ist man geneigt, den Verharmlosern und Apologeten der Verhältnisse in Russland dasselbe zuzurufen, was vor 1989 DDR-Fans und „Detente”-Fetischisten, Kremlfreunden und „Honni”-Verniedlichern an den Kopf geworfen wurde (und das zu Recht): Dann geht doch rüber! Bezogen auf die Gegenwart hieße das: Dann zieht doch nach Russland – oder nach Transnistrien, auf die Krim oder gleich in den Donbas (wo demnächst viele Wohnungen leerstehen) – und erfreut euch dieses Paradieses! Aber kommt dann bloß nicht wieder, wenn euch dort die Augen übergehen und ihr urplötzlich gewisse Unterschiede zum fundamentalverhassten Westen ausmachen sollten… Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis.

24 Kommentare

  1. High, ich glaube nicht, dass der Zunami zur Katastrophe von Fukushima führte, sondern nur etwa zeitgleich passiete. Ich glaube, dass ein altes Uran 235-Kraftwerk weiter betrieben werden sollte, und man dafür in mindestens einem der vier Reaktoren eine altenative Brennstabgeneration bei der Firma Varewa ( oder so ähnlich ) entwickelt hatte. Es gab fast nur noch Plutonium 238, aber dafür sind die alten KKWs nicht geeignet. So hat man eine Mischung aus Brennstab-Abfällen und Plutonium gemischt. In den Abfällen kommt aber Plutonium 241 vor, das nicht kontrollierbar ist. So ein Versuchsbrennstab ist wohl hoch gegangen. Freundlichst Fiete

    • Ja, es waren ganz zufällig Mitarbeiter der Firma Varewa zum Zeitpunkt der Katastrophe in Fukushima und die wurden sofort nach dem Unfall ausgeflogen.

  2. So ein langer Text und so bescheiden im Inhalt! — Übrigens, Herr Matissek: Harrisburg, Tschernobyl, Fukushima und mehrere Ungenannte – das waren keine schicksalgegebenen Naturereignisse, sondern statistisch vorhersagbar eintretende ganz reale Kraftwerkshavarien mit verheerenden Folgen. Auf Wiederholung sollte man tunlichst verzichten.

  3. Ich habe in den letzten Tagen viel über Krieg nachgedacht und auch mit anderen Menschen darüber gesprochen.

    Dabei bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen: 

    Krieg löst keine Probleme, sondern schafft immer mehr davon.

    Die Bevölkerung bezahlt letzten Endes die Rechnung dafür, in welcher Form auch immer.

  4. „; das rein geographische „Näherrücken” alleine ist dabei allerdings noch keine Bedrohung.“

    Wenn das so ist, warum hat dann JFK 1962 eine „Quarantänezone“ um Kuba gelegt ?
    Die Soviets sind den USA doch auch „nur“ näher gekommen.
    Und egal ob es heute die Nato ist oder vor 60 Jahren die Soviets waren, beide haben und hatten ihre Kernwaffensysteme mit im Gepäck.

  5. Da haben Sie aber viel Dash in die Waschmaschine gegeben, um die Weste der USA wieder
    glänzend weiß erscheinen zu lassen. Oder rechnen Sie mit dem hohen Vergessenheitsfaktor
    der Deutschen? Und: Viel zu langer Text, ermüdet.

    • Kein Verbrechen des einen berechtigt den anderen zu eigenen Verbrechen, bestenfalls werden Exzeßtaten in Notwehr und im Zornesaffekt milder bestraft. Also berechtig(t)en Hitlers Verbrechen andere wie die SU 1945f. nicht, selbst schlimmste Verbrechen zu begehen. Und kein früheres Verbrechen der USA (+ die werden gar nicht vom Autor geleugnet, reingewaschen) rechtfertigt die früheren und jetzigen Verbrechen Putins, wo das jetzige nur das Extrem zum Vorherigen ist (so, wie Merkel 2015 nur die Spitze war einer längst seit den 90ern imgange seienden Übel-Politik!)! Mord bleibt Mord, egal wer und welche politische Richtung ihn begeht. Wer dann den jetzigen Real-Mord Putins an den Ukrainern so verteidigt wie dieselben Kreise der West-Feinde schon 1999 die Verbrechen Serbiens, hat jeden persönlichen und politischen Anstand verloren, siehe gestern den AfD-Mann Bystron, es ist dieselbe Mentalität, wie einst die Fans und Schergen Hitlers sich über allen Anstand, Humanität hinwegsetzten und die Hartgesotteten darunter dazu bis heute keine Reue zeigen!

  6. Es stimmt: Der gegenwärtige Vergleich Russland-Deutschland hinsichtlich totalitären Verhältnissen geht zugunsten Deutschlands aus.
    Nur: Die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der all die Blödheiten einer infantilen linksgrünen Ideologie sehr wohl mit diktatorischen Mitteln durchgesetzt werden, lassen nichts Gutes erwarten.
    Ein bildhafter Vergleich sei erlaubt:
    Noch hat die Lawine das besiedelte Tal nicht erreicht, aber sie ist unterwegs, noch können Warner lächerlich gemacht werden, denn es sei doch eh hier alles in Ordnung….

  7. Von den im Fernsehen gezeigten Bildern wo man gegen Putin demonstriert, wirkt vieles inszeniert, genauso wie bei den Impfbefürwortern. Denn wo wahren sie um gegen den Krieg im Donbass oder den Waffenlieferungen in die Ukraine, die im Grunde so enden mussten. Wäre Russland denen nicht zuvor gekommen würden die Splitterraketen auf viel bewohnte Wohngebiete und auch auf der Krim, wie jetzt von der ukrainischen Armee auf den Donbass abgeschossen, niederlegen. Nur um soviel zu töten und zerstören wie möglich. Wer also für die jetzige Ukraine demonstriert unterstützen solche Vorgehensweise. Der Außenminister von der Ukraine muß geglaubt haen er sei im falschen Film als er gestern im Bundestag begrüßt wurde, daß sagt vieles über den Stand aller Parteien im Bundestag aus. Uns Scholz schmeißt mit Geld um sich, was er nicht hat, genauso wie Merkel. Naja Probleme mit dem Geld hatte er schon immer. Wie gesagt, der Außenminister wird wohl gleich geschrieben haben, wir haben die Deutschen voll im Griff und dutzende Lachsmile dahinter.

  8. Danke für diesen sehr reflektierten Artikel. Nachdem ich ihn gelesen hatte, habe ich meine bisherige Haltung zu dem Krieg überdacht, überdenken müssen! Mir ist klar geworden, dass es zu einfach ist, zu sagen, dass Putin vom Westen seit Jahren gedemütigt wurde … (meine bisherige Argumentationskette). DerArtikel in seiner Ausgewogenheit und Reflektiertheit hat mir dieAugen geöffnet und mich ins Nachdenken gebracht. Er hat mich gezwungen, meine Blase zu verlassen und „DAS IST AUCH GUT SO!!!“ Vielen Dank dafür.

  9. „… und vor allem werden mal eben so schlagartig 100 Milliarden Euro Sondervermögen für den Verteidigungshaushalt aus dem Hut gezaubert …“ die genauso wie die bisherigen Milliarden in den Taschen der „Berater“ und Oligarchen, äh „Fachdiverse“ und Bekanntinnen unserer niedersächsischen Ex-Häuptlings-Familie verschwindet.

    Auf ein weiteres Hurrah Hurrah Hurrah Hurrah wir verblöden, uns bezahlt der Staat!

    Euer E. Koslowski II (Zählmigrant seit 2012)

  10. Schade, Herr Matissek. Die Andersdenkenden lächerlich zu machen, scheint mir doch sehr anmaßend, zumal etliche Punkte doch zumindest diskussionswürdig sind. Die Entmündigung eines eigentlich souveränen Staates (derzeit als BRD bekannt) durch die Kriegssieger, selbst 77 Jahre nach Kriegsende, nur in fröhlichen Farben zu malen, ist ebenfalls einseitig und blendet aus, dass insbesondere die USA uns als Verfügungsmasse behandeln. Ich hatte nach Ihrem vorherigen Kommentar zur Ukraine den Eindruck, Sie wollten einer (nötigen) breiteren Debatte den Weg ebnen. So aber ist bereits die Ausgangsbasis vergiftet.

    • Wenn man soiche wie Sie liest und das erlebt, was gewisse Super-Patrioten sich schon 1999 als Agenten Serbiens geleistet haben und jetzt pro Putin, dann kann man nur dankbar sein, daß die „Entmündigung eines eigentlich souveränen Staates“ 1945 erfolgte und bis heute anhält.- Denn das deutsche Volk (nach 45 nur auf Bewährung verschont und von den USA wieder angenommen mit folgendem Erholungswunder) ist laut dem weisen CDU-Kanzler Adenauer (um 1950) polit-mental krank und neigt zum Wahn, spatestens wieder ausgebrochen 2015 mit der Duldung von Merkels krimineller Politik, dann mit der schä(n)dlichen Corona-Politik und ewig 90% für die 4-5 Vernichtungsparteien. Eine erneute unkontrollierte Souveränität könnte wieder ins Verderben führen wie 1890/1914 und 1933f.!!

  11. Herr Matussek,
    Sie vergaloppieren sich.
    Ihre Vorträge sind weder geeignet, die Geschichte realistisch dartzustellen, noch (gleich gar nicht) bieten Sie Lösungen an.

    Ich selbst mag Putin nicht bin aber der Meinung, DE und Rußland müssten eher zusammenarbeiten. Da der russsische Bär aber auch schnell übermütig wird, geht das nur auf Augenhöhe.
    Leider ist das mit der deutsch/europäischen Weiberwirtschaft (sorry) nicht möglich.
    Und Putin hat das erkannt.
    Ich fürchte, mit seinen Kriegsspielerein hat er ggf. noch eine ganz andere Strategie. Er fordert eine Sanktion nach der anderen heraus. Und am Ende des Tages hat er das europäische Finanz- und Wirtschaftssystem zerstört.
    Er sitzt auf 600 Mrd., davon lediglich 18% Dollar, der Rest andere Währungen und Gold. Er hat eine Staatsverschuldung von 18%.
    Seine Exporte nach DE beinhalten zu 59%ÖL/Gas, der Rest vor allem Metalle (z.B. Alu/Titan) und Getreide.
    Das Bäärbock will den Putin RUINIEREN mit Sanktionen. Ich fürchte, das mit dem ruinieren stimmt.
    Weiteres Beispiel: GB verweigert der Aeroflot den Überflug. Die Russen verwehren die Route nach Asiern über Sibirien. Am Ende werden wohl nur noch Asiaten von Europe nach Asien fliegen (mit China hat der Putin natürlich nicht geredet). Wer ruiniert also wen?

    Das alles nennt sich Realpolitik, Herr Matissek. Muss man nicht mögen …

    Noch einen schönen Tag
    RR

  12. Herr Matissek,
    Was Nazis und Ukraine angeht, muss ich ihnen mit Wissen – widersprechen.

    MH 17 wurde abgeschossen, weil sich der ukrainische Kampfflieger, für den die Rakete galt, dahinter
    versteckt hat. Einschüsse in die MH17 Maschine stammen eindeutig von dem Kampfjet (Abwehrmunition)

    Sie werden nie die Wahrheit erfahren, die es eigentlich nicht geben darf. Das wissen nur die Militärs.
    Deshalb würde ich solche Vergleiche gar nicht erst bringen.
    MfG

  13. Die „Ukraine“ ist ein illegales Konstrukt, schon seit 2014:

    https://english.pravda.ru/world/150449-russia_ukraine_war/

    Der legitime Präsident, Wiktor Janukowytsch, wurde mit Hilfe der NATO (nationalsozialistische Terrororganisation) aus dem Amt geputscht und durch eine der NATO genehme Marionettenregierung ersetzt (freilich gab es so eine Art „Wahl“ (mit vorher festgelegtem Ergebnis), daher waren hier auch keine unabhängigen Beobachter zugelassen->OSZE). Der Präsident der Ukraine ist nach wie vor der sich im russischen Exil befindliche Wiktor Janukowytsch, nur mit diesem muss Putin verhandeln.

    Putin muss die neo-faschistische Ukraine so lange bekämpfen, bis Wiktor Janukowytsch wieder die Regierungsgeschäfte übernehmen kann. Dann sofortiger Anschluß an Russland als Sonderverwaltungsgebiet.

  14. Ich gebe Ihnen in vielen Dingen recht. Die Völker der Ukraine und Georgiens sind selbstständige Völker und können auch ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten. Sie können Bündnisse eingehen mit wem sie wollen und die Staatsform wählen, welche sie für sich am besten geeignet halten. So geht dies konform mit dem Völkerrecht.
    Dieses Völkerrecht kommt aber nur zur Anwendung bei Mittelmächten und kleineren Staatsgebilden. Aber Russland, China und die USA begreifen sich als Supermächte und unterwerfen sich eben nicht dieser Rechtssprechung. Das ist sicherlich ungerecht, aber so war und ist es nun mal bei jeder Supermacht. So ist die Realität, und wer vor der „Haustür“ einer Supermacht als Gefahr wahrgenommen wird, der wird platt gemacht.
    Wenn also G.W.Bush 2008 der Ukraine und Georgien eine NATO Mitgliedschaft in Aussicht gestellt hatte, so musste das für Russland als Bedrohung wirken. Das russische Territorium ist dort nur ca. 400 km breit.
    Es ist nun mal so, die Anrainer einer Großmacht können sich mit dieser verbünden oder sie werden neutral.
    Alternativ kann man sich auf Papierverträge berufen und bezahlt dann den Preis oder man akzeptiert die Realität und diese ist traurigerweise kein Wunschkonzert.

  15. Auch wenn im Beitrag vieles Richtige zu Putin geschrieben wurde – Putin ist keinesfalls ein Heiliger. So sollte nicht vergessen werden, daß viele Unruhen/Kriege auf der Welt in-/direkt durch die USA (Geheimdienste/Militär) verursacht wurden und werden. Auch darüber sollte dann mit der gleichen Sorgfalt geschrieben werden.
    Wenn schon beide großen Lager betrachtet werden, dann können wir uns eingestehen, daß DE spätesten seit dem 2.WK niemals 100%-tig frei/selbständig war (und ist). – Warum haben die Siegermächte des 2.WK der Vereinigung der deutschen Staaten zustimmen müssen? Souveräne Staaten benötigen keine „Hilfspolizei“ für ihre Entscheidungen.
    Abgesehen davon:
    -ist der aktuell entfachte Krieg eine Ablenkung von Corona
    -dient der Krieg zur neuen Angsterzeugung
    -ist Putin (höchstwahrscheinlich) genauso ein Global Leader des WEF wie Baerbock, Merkel etc.
    Hinter den Kulissen arbeiten diese Leute zusammen gegen die Bevölkerung(en).

  16. Nur damit ich das auch richtig verstanden habe.

    Das Böse an Putin ist erkennbar an seiner Kontinuität: Tschetschenien, Inguschetien, Abchasien bzw. Ossetien und Ukraine.

    Hinter den vielen Kriegen eines NATO-Staates wie der USA (Iran, Kuba, Vietnam, Guatemala, Nicaragua, Chile, Panama, Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien …) steht hingegen kein Tiefer Staat, keine „epochenübergreifende interessenkonforme, homogene finstere Macht“, keine Globalisten, Lobbyisten, ja nicht einmal kriegsgeile Militaristen.

    „This is a memo that describes how we’re going to take out seven countries in five years, starting with Iraq, and then Syria, Lebanon, Libya, Somalia, Sudan and, finishing off, Iran.“ – General Wesly Clark, Video Interview am 02.03.2007

    Na und wenn schon, die USA von heute haben ebensowenig mit vergangenen Regime-Changing-Coups zu tun, wie die NATO, die zwar Libyen in Grund und Boden bombt, Zivilisten ermordet, Gaddafi pfählen lässt und auf all das auch noch stolz ist – die Wahl der Mittel war da weder „inakzeptabel, so fürchterlich inakzeptabel und anachronistisch, dass jede weitere Diskussion darüber entbehrlich würde“, noch war ihre Empathielosigkeit gegenüber dem libyschen Volk unerträglich.

    „Ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben.“ – Anders Fogh Rasmussen (Nato-Generalsekretär) am 21.10.2011

    Für das Böse fehlt hier eben schlicht die epochenübergreifende Kontinuität, denn Stoltenberg ist nun mal nicht Rasmussen, auch wenn er so ähnlich klingt.

    „Wenn es das Ziel des Kremls ist, weniger NATO an Russlands Grenzen zu haben, dann bekommen sie stattdessen mehr NATO.” – Jens Stoltenberg (Nato-Generalsekretär) am 18.02.2022

    Und mit ein bißchen Empathielosigkeit gegenüber den Opfern der illegalen NATO-Kriege ist die Integration im westlichen Bündnis auch schon „die Geschichte einer beispiellosen Friedensära, ein Segen und eine Erfolgsstory“, an die man glauben soll, wie Gänse an den höheren Sinn einer Daunenfabrik.

    Matrix ist ein Schmarren dagegen.

    • RE: Gier (nach NATO-Beschmutzung!) – Die früheren Kriege und Kriegsverbrechen der USA (so Ihre Beurteilung zu beidem da auch in jedem Falle stimmen mag oder nicht) haben mit dem jetzgen Putin-Krieg gegen die Ukraine NULL zu tun. Sie können daher auch keine Entschuldigung, Rechtfertigung sein für das, was Putin bisher und jetzt veranstaltete. Man muß schon einen völlig verdorbenen Charakter haben, um real Putins Krieg gegen ein frei sein wollendes Volk in seinem Beitrag auffälligst zu übergehen, also real zu billigen, wenn man nichts besseres zu tun, als stattdessen im verbohrten West-Haß die früheren Verbrechen des Westen auszubreiten. – Und wer wie Sie schon zum Jugo-Konflikt 1991-99 die Freiheit und das Leben der Völker grobest mißachtet hat und folglich lieber die serbische Mörderei und Vertreibungen (1 Mio. Jugos nach Mitteleuropa!) geduldet hätte, bei dem muß man dann sehr prüfen, ob auch seine Anklagen gegen die NATO/USA nicht vom gleichen Knick in der Optik und Mangel an Anstand getragen sind!!

      • Selektive Wahrnehmung ist ein Hund.

        Es geht hier gar nicht um die Verteidigung Putins – da gibt es nichts zu verteidigen – sondern um Matisseks geschöntes Bild des Westens, insbesondere der NATO-Staaten, die seit vielen Jahrzehnten immer wieder neue Regime-Changing-Coups starten, die aber mangels „epochenübergreifender Kontinuität“ mit vorangegangenen Coups nichts zu tun haben sollen – als gäbe es keine Fassadendemokratien, die epochenübergreifende Entscheidungen einiger weniger verschleiern.

        „Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.“ – Horst Seehofer (CSU) am 20.05.2010

        Die Integration im westlichen Bündnis auch noch als „die Geschichte einer beispiellosen Friedensära, ein Segen und eine Erfolgsstory“ hinzustellen, geht nun wirklich nur mit der Empathielosigkeit gegenüber den Opfern der illegalen NATO-Kriege, die auch Sie hier demonstrieren.

        Putin und seine Kriege werden irgendwann einmal weg sein – aber das Ende der illegalen NATO-Kriege werden wohl nur ihre Toten schon gesehen haben.

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