Samstag, 24. Februar 2024
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“Warum ist das eigentlich so?“

“Warum ist das eigentlich so?“

Österliche Erhellung zu manchen interessanten Hintergründen und Zusammenhängen (Symbolbild:Pixabay)

War es so? Oder doch anders?

1862 wanderte der junge Wiener Ingenieur Otto Kramm in die USA aus, in denen er sich sehr schnell einen fast schon legendären Ruf an zuverlässigen Konstruktionen erwarb. Im Lauf seiner langjährigen und breit gefächerten Tätigkeiten – immer als beratender Freelancer, aber niemals als Angestellter – kann man ihn durchaus und zu Recht als Erfinder der Projektarbeit bezeichnen. Mit Henry Ford verband Otto Kramm bereits in Fords Jugendjahren eine Freundschaft, die bis zu Kramms Tod im Jahr 1911 hielt, teilten beide doch leidenschaftlich die Idee, die technische Revolution mit Macht voranzutreiben: Der eine eher als Konstrukteur und Qualitätsfanatiker, der andere, um daraus Wohlstand für viele Leute zu generieren.

Gemeinsam mit Ford entwickelte Kramm die Idee und zeichnete verantwortlich für deren technische Umsetzung, Automobile “am Fließband” zu produzieren, um dem Automobil den Weg in die Breite der Bevölkerung zu ebnen. Wichtigste Idee bei dieser Fließbandproduktion war die Absicherung der gleichbleibenden Qualität der Autos, wenn sie das Fließband verließen. Deshalb richtete Otto Kramm am Ende der Produktionsstraße eine Kontrollstelle ein, die die Automobile an allen neuralgischen Punkten nochmals überprüfte. Anfangs übernahm Otto diese Endkontrolle noch höchstselbst und quittierte es, wenn ein Automobil seine Freigabe erhielt, mit seinem Kürzel “O.K.“. Schnell wurde bei den Arbeitern, deren Verdienst von diesem Kürzel abhing, dieses Kürzel zu einer Legende und eines der bekanntesten Wörter auf der ganzen weiten Welt – das “Okay“ war geboren. So besagt es jedenfalls eine der zahleichen Volksetymologien zur Entstehung dieses bekanntesten Wortes der Welt; allerdings erscheinen mir persönlich spätere Erklärungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die deutschsprachigen Wurzeln dieses Kürzels verschleiern wollten, die heute aber von amerikanischen Sprachwissenschaftlern als die “plausibelste” Lösung vertreten werden, eher an den Haaren herbeigezogen, da ich selbst die Geschichte von Otto Kramm viel realistischer finde.

Wer textete einen Großteil der bis heute populären Kinderlieder?

Der Mann, von dem ich als nächstes erzählen möchte, hat zusammen mit den Gebrüdern Grimm ab 1832 die Germanistik als akademisches Fach geschaffen. Gleichzeitig war er, in schlimmen Zeiten des übergriffigen Obrigkeitsstaates, einer der geistigen Väter der Revolution von 1848, was ihm übrigens im Vorfeld das Exil und später ein Berufsverbot einbrachte. Er wurde dann auf Vermittlung von der Prinzessin Marie zu Sayn-Wittgenstein und Franz Liszt, die ihn beide sehr verehrten, vom Fürsten von Ratibor als Bibliotheksleiter in dessen Kloster Corvey lebenslang angestellt. Nebenbei schuf er dabei die Grundlage für das heutige Bibliothekswesen (40 Prozent des Studiums sind tatsächlich bis heute den Erkenntnissen dieses Mannes zu verdanken!). Während seiner akademischen Tätigkeiten trat er bereits als Schriftsteller insbesondere im Verfassen von Liedertexten hervor und begeisterte die freiheitliche Jugend und die bürgerlichen Intellektuellensalons.

Mit seinen “Unpolitischen Liedern“ zog er 1841 den Zorn der Preußen auf sich und verlor deswegen seinen Professorentitel. Er schrieb über sechshundert Kinderlieder. Unter anderem sind in seinem Werk zu finden: “Ein Männlein steht im Walde“, “Der Kuckuck und der Esel“, “Alle Vöglein sind schon da“, “Summ, summ, summ, Bienchen summ herum“, “Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“, “Winter ade, scheiden tut weh“, “Abend wird es wieder“ und “Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Sein bekanntester Liedtext ist und bleibt notgedrungen das “Lied der Deutschen“, das viel später, fast einhundert Jahre nach seiner Niederschrift, zur deutschen Nationalhymne auserkoren wurde. Da er aus Fallersleben (zwischen Wolfsburg und Braunschweig gelegen) stammte, nannte sich Heinrich Hoffmann zur Unterscheidung von den zahlreichen anderen “Hoffmännern“- insbesondere vom Frankfurter Kinderarzt und Verfasser des berühmten “Struwwelpeter“ – zusätzlich noch “von Fallersleben“.

In welcher amerikanischen Stadt wird der deutschen Literaturfigur “John Maynard“ gedacht?

Eine berühmte Ballade von Theodor Fontane (1819-1898) trägt den Titel “John Maynard“. Die Ballade preist John Maynard, Steuermann des Passagierschiffs “Schwalbe“ auf dem Eriesee, auf dem gegen Ende einer Fahrt von Detroit nach Buffalo Feuer ausbricht. John Maynard verbleibt tapfer, „in Qualm und Brand“, auf seinem Posten, bis das Schiff das Ufer erreicht – und rettet so alle Passagiere – um den Preis seines eigenen Lebens. Tatsächlich gab es ein vergleichbares Unglück auf dem Eriesee im Jahr 1841 – der Steuermann hieß jedoch Luther Fuller und das Boot hieß “Erie“. Trotz der Widersprüche, die auch dem Versmaß geschuldet sein mögen, bildete das Unglück von 1841 die Vorlage für Fontanes Gedicht, das über viele Generationen für Gymnasiasten und Realschüler Pflichtlektüre war. Die Ballade endet mit den Versen:

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
„Hier ruht John Maynard. In Qualm und Brand,
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.”

In Buffalo fragten über mehr als hundert Jahre immer wieder deutsche Touristen an, wo John Maynards Ehrengrab der Stadt Buffalo zu finden sei. Deshalb wurde im Jahr 1997 direkt am Hafenkai eine Gedenkplatte mit der englischen Übersetzung des Gedichtes und einer kurzen Darstellung des tatsächlichen Ereignisses und dem oben bereits zitierten deutschen Originalschluss installiert.

7 Antworten

  1. und wenn nicht pack schon mal deine koffer …. hier bist du unerwünscht und lebst ungut in die zeitenwende….
    Garantie von Habeck:
    Energieversorgung sicher – auch ohne KKWs
    Epoch Times
    Am kommenden Samstag ist Schluss, die Kernkraftwerke in Deutschland sollen abgeschaltet werden. Laut Wirtschaftsminister Habeck sei die Energieversorgung sicher, das garantiert er.

  2. Sehr schöner Artikel!
    Und lenkt auf angenehme Weise ein wenig vom alltäglichen Nachrichten-Wahnsinn ab.

  3. Herzlichen Dank für den Lesegenuß dieser drei interessanten und kurzweiligen Geschichten, und bitte mehr davon! In der deutschen Geschichte gäbe es eigentlich so viel Interessantes zu entdecken, aber leider ist man jetzt, wo man mehr Zeit dafür hätte, überwiegend mit dem Politikdriß beschäftigt.

  4. OK kommt bekanntermaßen aus dem russischen und heißt: Очень хорошо.

    Was nichts anders bedeutet. 😉

    1. Ich kenne noch die Version, daß das Plattdeutsch sei, “Ollns kloar” – was auch nichts anderes bedeutet.

  5. Ein sehr netter Beitrag mit Geschmack auf mehr davon!

    Allerdings, daß – Sein bekanntester Liedtext ist und bleibt notgedrungen das “Lied der Deutschen“, –
    diese Tatsache als notgedrungen eingestuft wird, finde ich in seiner Formulierung völlig daneben!
    Das haben WIR nicht nötig. Abgesehen davon sollte man die Aussage im Lied “über alles” im richtigen Kontext bewerten. Sie sollte – im damaligen Zustand Deutschlands der Viel -und Kleinstaaterei – als das gesehen werden als das sie gemeint IST: Der Aufruf zum Zusammenhalt/Zusammenschluß und darüber alles zu setzen.
    Und nicht, wie es absichtlich als Überheblichkeit der Deutschen gegenüber der übrigen Welt dargestellt wird, und was leider die meisten Dummschafe akzeptieren!

    Rolf