Zum bunten Wutherbst

Erhebung der Massen: Es geht ans Eingemachte (Symbolbild:Pixabay)

Tut mir leid, mehr als Frontberichterstattung bleibt nicht. Ich gehe davon aus, dass ich eine Schreibpause einlege und mich der Existenzsicherung zuwende. Auch abgedunkelte Städte werfen ihre Schatten voraus. Es brechen die Dämme. Mittelstand und Handwerk im Flächenbrand. Tourismus, Kultur, Gastronomie, Sport nach drei Jahren Notbetrieb nun im endgültigen Spardiktat. Eine entgleiste Coronapolitik mit einem wirren Besessenen an der Spitze hat zu gigantischen Verschiebungen vom systemrelevanten flexiblen Arbeitsmarkt hin zu noch halbwegs sicheren Festanstellungen geführt. Jetzt fehlen nicht nur Fachkräfte, sondern überhaupt Personal. Und zwar überall. Ein Mangel, zu dem freilich die Willkommensbranche bis heute kein Sterbenswörtchen verliert, sondern wie eine per Autopilot gesteuert Maschine ihre Belehrungsbanner und Seenotrettungsmeldungen hochhält. Die Sozialausgaben befinden sich ebenso wie die Staatsquote, die Inflation und die Energiepreise auf Höchstständen der Nachkriegszeit. Schulen, Krankenhäuser, Pflegestationen schlagen Alarm. Ein täglich immer noch surrealer anmutendes Setting.

Oben irrt eine inzwischen kabarettreife Führungsriege ohnmächtig zwischen panisch zusammengezimmerten Rettungspaketen, Umlagen, Verstaatlichungen und dem plötzlichen Hoffen auf einen – bitteschön wärmenden – Klimawandel hin und her. Nicht, ohne dass gänzlich instinktbefreite Exemplare mit unbeirrt-dümmlichen Grinsebildchen von Sekt- und Maßkrugempfängen versuchen, ihren Status gewinnbringend unters Volk zu mischen. Das alles, während unten die letzten paranoiden CSD- und Karnevalsparaden so langsam in den Wutherbst übergehen. Doch die Unmutswanderungen leiden schon jetzt an ähnlicher Konzeptlosigkeit wie die ungelernten Abgesandten in Berlin, deren größte Sorge natürlich auch jetzt nicht dem ökonomischen Zusammenbruch und den verzweifelten Menschen im Land gilt, sondern dem drohenden Verlust der Deutungshoheit über das Desaster „an die Rechten“. Der sorgsam gepflegte Spaltpilz der linksurbanen politischen Eliten, dass jeglicher Protest gegen politische Geisterfahrten per se rechts und damit illegitim sei, wird den letzten Zuckungen der westlichen Demokratien vermutlich den Rest geben.

Isch over!

Ohnehin will ein großer Teil der Aufgescheuchten letztlich nichts weiter als möglichst schnell zurück ins Warme. Ein Leben, in dem Teilzeit, Homeoffice, Vorruhestand, Abfindungen, Sabbaticals und Afterworkparties den Rhythmus vorgeben. Besonders zart besaitete Grünwählerinnen teilen jetzt in einem subversiven Akt des Aufbegehrens auf der Nachbarschaftsapp „Nebenan” kleine Youtube-Tutorials zum Bau von Blumentopföfen. Andere laufen montags mit Friedenstauben durchs Viertel. Wieder andere wollen einfach Dampf ablassen. Dass sie einem gesetzmäßigen zivilisatorischen Verfall beiwohnen, der sich weder mit Weihnachtskerzen noch mit Friedensgebeten und auch nicht mit geöffneter Nord Stream 2 aufhalten lässt, ahnen sie möglicherweise. Aber mehr als der antrainierte Ruf nach Vater Staat, also nach der filzigen Fehlkonstruktion, die den Untergang über Jahrzehnte herbeigeführt und verwaltet hat, fällt kaum jemandem ein.

Klar, auf den LKW-Pritschen in den Stadtzentren kann man jetzt nicht mehr über Geo- und Geldpolitik, Globalisierung, den Zustand der Demokratie und das sensible Zusammenspiel zwischen Leistungsgesellschaft und Verteilungsgerechtigkeit debattieren. Das hatten kluge Menschen über viele Jahre versucht. Sie sind ein ums andere Mal an der umfassenden Wohlstandsverwahrlosung einer Mehrheit abgeprallt. Isch over! Es wird jetzt auch nicht darum gehen, endlich die Verantwortung derjenigen einzuklagen, die für diese Verantwortung mit einem Vielfachen des Durchschnittsverdienstes ihrer Auftraggeber bezahlt werden. Ein Erfolg wäre es allenfalls, marodierende Gewalt und Plünderungen durch nahkampfgestählte Horden zu verhindern. Nein, auf den Straßen will man jetzt nur noch wissen, wer die horrenden Rechnungen übernimmt, wie hoch die Einmalzuwendungen ausfallen und ob das 29-Euro-Ticket kommt, das einen zum Arbeitsamt bringt – wenn auch mit dem Duft all der feuchten Waschlappen, die jetzt das Warmduschen ersetzen. Die Frage ist allerdings überflüssig, denn die Antwort ist immer dieselbe: Wir!

9 Kommentare

  1. Wut resultiert aus einem Gefühl – Zorn aus dem Verstand!

    Ich fühle nicht, dass wir eine dumme Regierung haben – ich weiß es!

  2. Sie sorgen doch, für sich und ihr zukünftiges Wählerklientel. Man fragt sich doch schon lange, ob Berlin überhaupt noch zu Deutschland gehört. Da laufen noch ganz andere Dinge, die dem deutschen Steuerzahler doch die Augen öffnen müssten. Berlin, arm aber sexy, mit dem Geld, welches die Steuerzahler in den Geberländern schwer erwirtschaften müssen. In Berlin werden dann die Stuern so richtig zum Wohle aller Politnieten und ÖR-Granden verprasst https://www.bz-berlin.de/berlin/berlins-ex-abgeordnete-wollen-hoehere-pensionen und https://www.bz-berlin.de/berlin/luxus-vertraege-fuer-rbb-chefs-gelten-noch-immer Dafür wird aber die Herkunft der Straftäter gestrichen https://www.youtube.com/watch?v=anHAqZI77bc und alles andere ist ja auch in Deutschland seit neuem normal https://journalistenwatch.com/2022/09/21/islamische-maedchen-braut/ Schönes neues Deutschland Aber es ist nicht nur Berlin, Hannover hat da auch schon eine Idee https://www.tichyseinblick.de/meinungen/oeffentlicher-dienst-hannover-migrationsquote/ Das Video ist fast drei Jahre alt, aber heute ist es noch schlimmer. Merkel hat nur den Grundstein einbetoniert https://www.youtube.com/watch?v=RIBVqmdahWg

    • Wissen Sie, das ist nichts weiter wie schiere Verzweiflung, sich selbst zu belügen, sowas machen nur hoffnungslos Verzweifelte die die Realität nicht ertragen können und es ist auch sowas wie das Endstadium, quasi die letzte Panik vor dem Moment der Erkenntnis über die Wahrheit.
      Eine Sendung von Lanz mit S. Wagenknecht wurde gesperrt weil Wagenknecht überzeugend war und die Stimmungsmacher bloßgestellt hat, das ist nicht nur eine feige Zensur der 15 Milliarden teuren „Qualitätsmedien“, es ist vor allem ein Eingeständnis der ANGST!
      Man kann sich darüber ärgern, aber dafür gibt es keinen Grund, Zensur aus Feigheit und Angst, absurde Lügen das russisch sprechende und russischstämmige mit vorgehaltener Waffe gezwungen werden für einen Beitritt zu Russland zu stimmen, das ist endlos verzweifelt, schizophren, lächerlich, schwach, verräterisch…
      Es gibt dafür keine anderen Worte, diese Regierung ist besiegt, sie hat verloren und sie weiß es, viele hier aber nicht…

  3. Ich hoffe, daß es Millionen auf die Straße treibt ! Diese Regierung muß weg ! Alles andere wäre Selbstmord. Man kann sich ja mittlerweile „das Leben“ nicht mehr leisten ! Ich war noch nie demonstrieren, âber falls in Hanau oder Ffm Demos sein werden, bin ich dabei !

  4. 0,1% der Deutschen besitzen 20% des Vermögens. 10% über 2/3 des Vermögens.

    Politik -insbesondere Grüne- wird hauptsächlich für diese oberen 11% gemacht. Die sind noch Profitere der aktuellen „Krisen“, durch höhere Margen, höhere Dividenden etc. Von denen duscht auch keiner weniger oder nimmt einen Waschlappen. Die stellen die hauseigene Sauna an.

    Feudalismus 2.0

    Ach ja, Daxkonzerne in 2021 mit fast 300% Gewinnsprung,
    von 45,6 auf 128,5. Mrd. Euro. Mit Corona-Kurzarbeitergeld finanziert…

    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/firmenbilanzen-dax-konzerne-haben-2021-so-viel-verdient-wie-nie-zuvor/28210802.html

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  5. Mein bester Freund hat in den vielen Diskussionen der letzten 25 Jahre, seit wir uns kennen, den baldigen Niedergang des Systems immer dementiert:
    „Das werden WIR nicht mehr erleben.“
    Langsam dämmert aber doch…

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