Donnerstag, 23. Mai 2024
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Angriff auf Israels Rechtsposition und unsere Zivilisation (II)

Angriff auf Israels Rechtsposition und unsere Zivilisation (II)

Zerstörung der Häuser von Terrorfamilien durch die israelische Armee im Westjordanland (Foto:Imago)

Wie gestern in Teil I dieses Beitrags dargelegt, verweigerten die arabischen Nachbarländer Israels die Integration der aufgenommenen palästinensischen Flüchtlinge in ihren Ländern fast vollständig – trotz ethnischer, kultureller, sprachlicher und religiöser Kompatibilität. Sie entzogen sich damit der selbstverständlichen Verantwortung für die Folgen eines Krieges, den sie selbst ausgelöst hatten. Dieses pflichtferne Verhalten wurde allerdings erst durch vermeintlich gute westliche Einmischung möglich. Denn statt (wenn überhaupt) die arabischen Aufnahmeländer der Geflohenen dabei zu unterstützen, diese in ihre Gesellschaften und Arbeitsmärkte zu integrieren, errichtete die UNO-Tochterorganisation UNRWA rund 50 Flüchtlingslager, die unter stetiger Expansion bis heute fortbestehen. Aus 1948 gut 700.000 Geflohenen sind inzwischen etwa 6 Millionen anerkannte Flüchtlinge geworden. Dieser Anstieg hat einen organisatorischen und einen psychologischen Grund: Der organisatorische besteht darin, dass die UNRWA eine “Vererbung” des Flüchtlingsstatus zulässt, also die Enkel und Urenkel der damals Geflohenen als ebenfalls als “Flüchtlinge” betrachtet. Der psychologische Grund liegt in der fehlenden Selbstverantwortung, den ein betreutes Lagerleben mit sich bringt.

Diese Vorbedingungen bieten für Geburtenkontrolle keinerlei Anreiz, wie Beobachtungen in anderen Flüchtlingslagern weltweit bestätigen; im Gegenteil wird im raschen demographischen Zuwachs oft ein Mittel gesehen, politischen Druck zu erzeugen, also Demographie als Waffe einzusetzen. Die UNRWA hat 1948 eine Verantwortung übernommen, die ihr nicht zukam, und sie hat seit der Flüchtlingswelle von 1948 darin versagt, diese als Selbstverantwortung wieder in die Hände der betreuten Menschen zurückzulegen. Versagen lag jedoch auch auf Seiten der israelischen Politik vor: Der problematische demographische Trend war bekannt, doch dessen Zusammenhang mit dem Faktor Selbstverantwortung blieb fatalerweise unbeachtet. Andernfalls hätte man 1967 sofort einen palästinensischen Staat eingerichtet – um den Palästinensern mit der Souveränität auch die Verantwortung für ihr Gruppenterritorium sowie für sich selbst zu übergeben. Zu Unrecht gab und gibt es in Israel gegen einen unabhängigen Palästinenserstaat Sicherheitsbedenken, denn bei konsistent angewandten Umgangsregeln mit externen Kriegsgegnern hat eine militärisch klar überlegene Seite nichts zu befürchten.

Selbstdisqualifizierung der Vereinten Nationen

Diese Regeln haben seit jeher das Risiko eingeschlossen, dass ein Angreifer im Fall der Niederlage Territorium abtreten muss. So war die von der UNO verurteilte Annexion der Golanhöhen nach unablässigem Beschuss Galiläas eine sicherheitsstrategisch notwendige, moralisch gerechtfertigte und nach ihrem Umfang (weniger als 1 Prozent der Fläche Syriens) eher zurückhaltende Grenzkorrektur. Auch in diesem Fall waren es viel weniger radikale Araber, welche die eigentliche Bedrohung für den jüdischen Staat dargestellt haben und bis heute darstellen, sondern die sich vermeintlich “helfend” einmischenden Kräfte, unter denen sich die UNO mit einer nicht abreißenden Kette parteiischer Resolutionen besonders hervorgetan (und selbst disqualifiziert) hat. Denn es war die nicht zuletzt unter ihrem Einfluss künstlich verbogene „moralische“ Attitüde, die die arabische Seite viermal dazu ermutigt hat, sich militärisch (sowie ununterbrochen terroristisch) gegen die jüdische Heimstatt aufzulehnen und die Verantwortung für die Folgen dieser Gewaltanwendung zu übernehmen – namentlich für die Fluchtbewegungen der Nakba von 1948.

Ein weiteres Beispiel polarisierender Einmischung lieferte der britische Geheimdienst 1947, als er die ägyptische Regierung dazu aufforderte, sich auf ein Eingreifen bei der zu erwartenden israelischen Unabhängigkeitserklärung vorzubereiten. Denn ganz im Gegenteil wäre von den vormals verantwortlichen Kolonialmächten Großbritannien und Frankreich zu erwarten gewesen, dass sie die Entlassung der arabischen Länder in die Unabhängigkeit an eine strikte Bedingung knüpfen: Die Respektierung der jüdischen Heimstatt in Palästina. Doch ohne eine derartige friedenssichernde Auflage wurde fast allen arabischen Ländern bereits vor Israel die Unabhängigkeit gewährt; Ägypten etwa 1922, Irak 1932, Libanon 1943, Syrien und Transjordanien 1946. Als die USA 1991 in die Auseinandersetzung zwischen dem Irak und Kuwait und damit zwischen zwei nur in Ansätzen demokratischen arabischen Staaten eingriffen, gehörte zu den „beiläufigen“ Folgen der Befreiung Kuwaits, dass dieses rund 450.000 dort integrierte Palästinenser unter dem Vorwand der Komplizenschaft mit den Irakern von seinem Territorium vertrieb. Die Folge waren weitere heimatlose Palästinenser, die dafür missbraucht wurden, den moralischen Druck auf Israel zu erhöhen.

Geld bedingt politische Macht

Dass diese zweite palästinensische Nakba weder damals noch heute mediale Beachtung gefunden hat, bestätigt die zum Charakteristikum der westlichen medialen Ausrichtung gewordene unfaire Einseitigkeit. Wichtige Informationen jedoch aus dem Fokus zu halten und andere dafür stark zu überhöhen oder gar und unsachlich-parteiisch kommentiert zu präsentieren, ist Propaganda. Noch deutlicher gesagt: Es handelt sich um einen Informationskrieg. (Zur Klarstellung: Der kritisierte Filter ist dabei viel weniger einzelnen Medienredaktionen anzulasten als den vorgeschalteten großen Nachrichtenagenturen sowie dem allenthalben wirksamen Einfluss des großen Geldes, der beispielsweise mittels ausgewählter NGOs zur propagandistischen Macht wird.) Es ist ein unfairer Krieg gegen Israel und generell gegen westliche Nationen, der bereits einen grotesken Verlust der korrekten Maßstäbe herbeigeführt hat. Die Maßstabsverzerrung wiederum ist jedoch nur Teil eines größeren Paketes angesammelter Gefahren, die Israel von westlichen Kräften drohen.

Diese Gefahren detektiert man leichter, wenn man vorab die Werkzeuge identifiziert, die es erlauben, Geld in politische Macht umzusetzen. Das sind – neben vielen anderen und außer den erwähnten Medien und steuerbefreiten NGOs – in erheblichem Maße die UNO und deren Unterorganisationen am praktischen Standort New York, sowie ebenfalls zu weiten Teilen das westliche politische Establishment, insbesondere des Vereinigten Königreichs und der USA mitsamt deren militärisch-industriellen Komplexen. Die mindestens bis ins Jahr 1600 zurückzuverfolgende Durchdringung von Staatsmacht und Geldadel ist im Laufe der Zeit vielfach verfeinert worden. Nach außen abgeschlossene Gruppierungen wie etwa Logen, Schulkameradschaften von elitären Privatschulen oder Geheimbünde eignen sich hervorragend dafür, Personalpolitik zu betreiben sowie bestimmte der Geldherrschaft nützliche Narrative zu verbreiten. Und unter solchen Narrativen befindet sich seit weit über einem Jahrhundert die Märchengeschichte, dass die ultrareichen Oligarchen die Freunde und Beschützer des Judentums wären. Angesichts des zweifelsfrei vorliegenden politischen Einflusses der Finanzelite ist es leider nur ein kleiner Schritt zu der unsäglich diffamierenden Unterstellung, „die Juden“ wären auf dem Weg zur “Weltherrschaft”.

Kontraproduktive und schädliche Praktiken

Es ist offenkundig, dass die undemokratisch Mächtigen ein riesiges Interesse an dem Narrativ von ihrer engen Verbundenheit mit dem Judentum haben. Ein realistischer Blick identifiziert diese Bindung jedoch als eine Form von “Werkzeuggebrauch” – nämlich der Religionsgemeinschaft als lebendigen Schutzschild gegen jede Infragestellung ihrer Geldherrschaft. Zu diesem Zweck wird ein hirnrissiges Narrativ mit Vehemenz am Leben erhalten: Dass Kritik an den Finanzoligarchen versteckter Antisemitismus wäre. Ganz im Gegenteil werden so Millionen von Juden zu Kollateralopfern gemacht, indem diese dem Misstrauen und der Kritik ausgesetzt werden, welche berechtigterweise an die Adresse der Ultrareichen gerichtet sind. Es gibt eine reichliche Zahl von Befunden, welche das direkte Gegenteil von einer authentischen Verbundenheit der Oligarchen mit dem Judentum belegen. Dazu gehören die Finanzierung der Nazis seitens amerikanischer Banken, das konterkarierte jüdische Palästinaprojekt, die aktuelle Förderung einer antiisraelischen und antisemitischen Stimmung sowie die finanzielle und „moralische“ Förderung von Projekten, die Israel angeblich helfen, sich im Resultat aber als selbstzerstörerisch erweisen. Das betrifft generell die vermeintliche Verteidigung nationaler Interessen durch sich wiederholende harte Aktionen, die Israel in der Sache nicht weiterbringen, aber eine unversöhnliche Botschaft transportieren.

Ein einfaches Beispiel ist die Praxis, Häuser von Terroristenfamilien zu zerstören, was nur weiteren Hass verursachen kann. Ebenso kontraproduktiv war es, dem demokratischen Wahlsieg der Hamas im Gazastreifen 2006 mit lautstarker amerikanischer Unterstützung die Anerkennung zu verweigern, weil diese als Terrorgruppe eingestuft ist – als Folge eben solcher Maßnahmen aber auch eine bleiben muss. Andererseits und völlig gegen tatsächliche israelische Interessen wird tatenlos zugesehen, wie der Chef der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, permanent demokratische Rechtsstaatlichkeit mit Füßen tritt, etwa indem er seit Jahren die Parlaments- und Präsidentenwahlen verschiebt, mit “pay for slay” den Terrorismus prämiert und mit einer der korruptesten Verwaltungen der Welt jeden Ansatz zu einer gesunden Entwicklung eines aus eigener Kraft wirtschaftlich prosperierenden palästinensischen Gemeinwesens untergräbt. Auch die für das Ansehen Israels verheerende Anlage und Erweiterung jüdischer Siedlungen im Westjordanland wird zu großen Teilen von milliardenschweren amerikanischen, vermeintlich proisraelischen NGOs finanziert.

Grenzenlos nachgiebiges Appeasement

Die Gemengelage von neuen jüdischen zwischen vorhandenen palästinensischen Siedlungen mit Zäunen und Mauern dazwischen bietet eine Angriffsfläche für jene wachsende Gruppe von Kritikern, welche Israel als „Apartheidstaat“ diffamieren. Dass die Abtrennanlagen als Schutz vor Angriffen notwendig sind, geht in der perzeptuellen Wahrnehmung der Medienkonsumenten unter. Der Ausgang dieses „moralischen“ Disputs steht ohne eine Wiederherstellung der medialen Fairness bereits fest. Das beweist bereits die Tatsache, dass die Bürger in den Mainstream-Medien nichts über die unter Missachtung des Oslo-II-Abkommens konstruierten palästinensischen Siedlungen in der Area C erfahren, die voll von der EU finanziert werden. So erweist sich nicht nur der linke, auf grenzenlos nachgiebiges Appeasement hinauslaufende politische Ansatz als zukunftsuntauglich, sondern ebenso der rechte mit seinen Siedlungsprojekten in der Westbank abseits einer endlich abschließenden, grenzverkürzenden territorialen Ordnung.

Dabei verfügte und verfügt Israel bis heute über die legitime Rechtsposition, um eine solche Ordnung ganz in eigener Regie einzurichten: Nämlich den prinzipiellen Anspruch des jüdischen Staates auf das gesamte Territorium Palästinas als Teil der unanfechtbaren Nachkriegsordnung des Ersten Weltkrieges (und als fairen Preis für die Befreiung der arabischen Länder von türkischer Herrschaft), und ferner auch das Recht auf eine einseitig erklärte Nachkriegsordnung als Sieger von 1967, nachdem die UNO mit ihrer rechtsbeugenden Resolution 242 in dieser Funktion versagt hatte.

Historischer Umbruch unausweichlich

Definiert man Kapitalismus als die inoffizielle Herrschaft des großen Geldes und oligopolistische Verfälschung der fairen Marktwirtschaft, dann hatte Karl Marx Recht, als er das Scheitern dieses Systems an seinen Widersprüchen vorhersagte. Allerdings irrte er in der Ursache, die er in einer systembedingten Profitverminderung verortete, während das auf privilegierte Oligopole gestützte System im Gegenteil vor unseren Augen am Gigantismus seiner unfairen Extraprofite scheitert. Denn die Dimensionen der Geldströme, die unter anderem in die Kassen von (Pharma-)Konzernen und Zehntausenden angeblich wohltätiger NGOs fließen, sind nicht länger zu verheimlichen und wecken unausweichlich das oben erwähnte Misstrauen der Bürger. Die immer offenkundiger werdende Fehlleitung dieser Geldströme offenbart das Gegenteil einer wohlwollenden Gesinnung – nämlich kaltes Machtstreben und Menschenverachtung. Das altbekannte divide et impera (“teile und herrsche”) der autokratischen Machthaber früherer Zeiten konnte damit zu einer systematischen, psychologisch ausgekochten Strategie weiterentwickelt werden, bei der letztlich alle Nationen und Gruppen gegen irgendwelche anderen aufgehetzt werden. Die polarisierende Absicht verrät sich mitunter, wenn die gleichzeitige Unterstützung zweier Kriegsgegner bekannt wird, wie beispielsweise in der Iran-Contra-Affäre.

Der historische Umbruch steht unausweichlich bevor – entweder hin zu militaristischen Exzessen und einem Orwellschen Vorschriftenstaat unter der Kontrolle von Plutokraten,  oder hin zur Wiederherstellung authentischer Freiheit und Fairness im Geiste der amerikanischen Gründerväter, John F. Kennedys und Martin Luther Kings. In dieser Lage kommt Israel und dem Judentum eine entscheidende Rolle zu – als den einzigen, die ihre falschen Freunde mit dem vielen Geld davon überzeugen können, dass deren System zwar (zum zweiten Mal nach dem britischen Empire) ein riesiges Imperium hervorgebracht hat, das Imperium des großen Geldes nämlich – das aber erneut ohne jede Chance auf historische Nachhaltigkeit und Beständigkeit ist, weil es die Regeln der Evolution verletzt. Und Geschichte, zumindest in diesem Punkt lag Marx richtig, ist eine Variante der Evolution.

ENDE

2 Antworten

  1. In Israel ist es so – und zwar systemisch:

    Mit EU-Geldern gebaute Schulen für die Palästinser werden von den Israelis abgerissen, weil sie angeblich illegal errichtet wurden.

    Illegal errichtete Siedlungen der Israelis in der Westbank werden im Nachhinein von Israel legalisiert.

    Und überhaupt: Hui, im “Land ohne Volk” lebten ja Menschen! – Vielleicht wäre es besser gewesen, das vorher zu bedenken?

    Auch bevor man, wie Charlotte Knobloch vom Zentralrat der Juden in Deutschland raushaut, dass die Freiheit der Muslime in Deutschland auch die Freiheit der Juden sei, könnte man den Denkapparat einschalten… Allahu ackbar, Schweinebacke!