Montag, 24. Juni 2024
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Heimatlos zurück in der Heimat: Wenn selbst Reisen kaum noch heilt (II)

Heimatlos zurück in der Heimat: Wenn selbst Reisen kaum noch heilt (II)

Fassade: Eine Illusion von Heimat (Foto:privat)

Fortsetzung des vorgestern veröffentlichten ersten Teils 

Der herbstliche Abschied vom Süden verläuft auch nach ungezählten Reisejahren – und trotz eines damit zwangsläufig zusammenhängenden, quasi-ritualisierten Prozederes – nicht weniger emotional. Endlose Wärme, gefühlte Freiheit, das mediterrane „Grande Bleu“ und ein (natürlich so umfassend wie nur irgend möglich ausgereiztes) dolce-far-niente sind alles andere als hilfreich beim Bezwingen festsitzender Realitätsallergie. Mein gesetztes Ziel, frühmorgens Richtung Heimat aufzubrechen, scheitert kläglich. Nochmal kurz mit dem Handtuch vor zum Cap und bis Mittag geschwommen, unter wolkenlosem Himmel – bevor es nun unwiderruflich wieder gen Norden geht. In Nizza noch den Kofferraum mit Wein vollgeladen, denn der deutsche Winter ist bekanntlich lang und öde, dort feilgebotene, französische Tropfen qualitativ meist unterdurchschnittlich oder überteuert – oder beides. Im vorstädtischen Carrefour kreuzen bereits die ersten bemaulwindelten Neo-Coronisten, eingehüllt in beißend-alkoholische Desinfektionsmittelwolken, meinen Einkaufspfad und erinnern mich noch einmal schmerzlich-desillusionierend daran, dass ideologischer Wahn auch hinter den sieben Bergen auf mindestens sieben schlichte Zwerge trifft.

Das Var-Tal hinauf nehme ich wenig später Kurs auf genau jene Berge. Wieder gen Norden zu reisen, fühlt sich immer so an, als geht es nur bergauf – was hier allerdings nicht im übertragenen Sinn zu verstehen ist. Die Strecke gen Thüringen von hier aus über die Alpen (die ich noch dazu zweimal überqueren muss) ist natürlich länger als mein sanfter Hinweg vom Elsass hinab zum provencalischen Rhône-Tal, den ich im ersten Teil meines Reiseberichts erwähnte. Doch habe ich erstens keine Eile, zweitens bis heute die meisten Alpenpässe noch nie gesehen oder befahren, drittens ist gerade das Wetter über Gesamteuropa ein Traum in Sonne und Tiefblau und viertens würde mir ein Auftanken im abgelegenen Livigno-Tal für 1,38 Euro je Liter Diesel (man bekommt diesen Simpel-Treibstoff inzwischen überall hier unten nur noch für goldpreisige 1,94 bis 2,30 Euro) meinen 105 Liter-Tank mal wieder ohne Wutanfälle füllen.

Unbezahlbare Freiheit (Foto:privat)

Im Abendlicht auf dem 2.350 m hohen Lombarde-Pass anzukommen und diesen spektakulären Blick auf der Grenze Frankreichs zu Italien mit niemandem teilen zu müssen, ist mindestens atemberaubend. Schon hier oben bereue ich den Umweg nicht – auch nicht angesichts der Tatsache, dass noch 1.300 Kilometer Strecke vor mir liegen. Das Sturatal auf der anderen Seite ist im Vollmondschein ein Märchenanblick – und die Flusswiesen sind entspannter Schlafplatz, während mich die Bergeulen aus den Wäldern in den Schlaf buhuen.

Ab Cuneo befährt man die oberitalienische Tiefebene – und ehe man sich’s versieht, sind sie weg, die Berge. Abgeschiedene Gehöfte und winzige Ortschaften lockern die teils kerzengeraden Landstraßen auf – bis Milano. Dort bereue ich, keinen 100-Kilometer-Sicherheitsbogen gefahren zu sein, und verbringe zur Strafe zwei Stunden entnervt im zivilisatorischen Verkehrschaos, bis es endlich in freier Fahrt am Ostufer des Comer Sees erneut hinauf in die Alpen geht. Die Strecke hoch nach Livigno ist das Serpentinengekurbel nicht nur des günstigen Sprits, sondern vor allem der Ausblicke wegen wert, und am schwarzblauen Weltraumhimmel über dem 2.383 Meter hohen Flüelapass meint man bereits die ISS vorbeifliegen zu sehen. Ich weiß, es gibt noch höhere Pässe – aber die Klarheit dieser letzten Septembertage vermittelt hier geradezu Achttausender-Gefühle. Unten in Davos kommt dann langsam die Bodenhaftung wieder – und ich kann blöderweise an nichts anderes denken als den Orwellschen Reset-Guru K. Schwab, der hier alljährlich vor der Welttransformationssekte seinen messianischen Gottesdienst zelebriert. Mit der örtlichen Brachial-Architektur kann ich darüber hinaus auch nichts anfangen.

Landschaften wie Traumwelten (Foto:privat)

Das wie ein sauber abgelecktes Bonbon zwischen Schweiz und Österreich klebende Liechtenstein wird von mir der überschaubaren Länge nach durchfahren; dann geht’s noch ein paar Restkilometer durch österreichische Grenzdörfchen – und am Bodensee-Eck wieder auf die (noch) gebührenfreie, deutsche Autobahn gen heimatliches Thüringen. Von der Dauerbaustellen-Perlenkette mal abgesehen, hat das nächtliche Gleiten auf dieser Piste eher Autopilot- als echte Reisequalität, insbesondere nach meinen (nun leider hinter mir liegenden) alpinen Kurvenfreuden.

Nach der Grenze setzt das Grübeln ein

Während der noch zu bewältigenden fünf tristen Stunden bleibt somit viel Zeit zum Grübeln und Sinnieren über das, was von meiner einstigen Heimat noch übrig ist – und ob es sich überhaupt noch dorthin zurückzukehren lohnt. Doch „Ulm“ steht bereits auf einem blauen Schild, und ich merke, wie die Wirklichkeit jenen letzten Gedanken längst überholt hat.

Gerade noch geflohen aus dem Revier der größtenteils Angepassten, der Mitläufer und Dünnbrettbohrer, geht‘s also nun wieder mitten rein in den sich täglich perfektionierenden Überwachungspferch des besten Deutschlands, das wir je hatten. Dieses Gefühl überwiegt gerade alles andere; ich kann’s nicht ändern. Doch weiß ich, dass ich auch heimkomme in ein latent-schlummerndes Netz aus stillen und in ihren Refugien zurückgezogen ausharrenden Rebellen, die ihre innere Bitternis gegen ein maligne wucherndes Kontroll- und Vorschriftsmonster noch nicht in angemessen-notwendiger Form zu artikulieren oder besser: zu manifestieren imstande sind. Das Leben sei ein großes Heimweh, las ich im vergangenen Frühling in einem Text – und davon, daß es gesünder und besser sei, uns in uns selbst zurückzuziehen; bei uns und unseren Liebsten zu bleiben. Weil wir gegenwärtig noch zu Wenige sind im Kampf gegen die seelenlosen, globalistischen Transformer, die unser Land zu einem Freiluftgehege mit kontrolliertem Auslauf dekonstruieren wollen. Ich halte mich, aus seelischen Gesundheitsgründen, oft selbst an diese Vorsichtsregel. Aber das Netz der Aufgewachten langsam wachsen zu sehen, gibt etwas Hoffnung.

Panzer bei Nacht und Nebel

Hinter Nürnberg auf der A9 plötzlich eine kilometerlange Schwertransportkarawane vor mir. Viel Blaulicht und “gefanzerte Paarzeuge” (wie Annalenchen diesen Geleitschutz nennen würde). Geleitschutz für Sattelschlepper. Auf den Sattelschleppern: Fanzer. Also Panzer. Ein Dutzend oder mehr. Notdürftig in Planen gehüllt, von denen sich manche gelöst haben, was den Blick auf deren Inhalt freigibt, während ich eine Weile nebenher rolle, bis ich von einem der Gefanzerten nervös angeblinkt werde. Eine sprichwörtliche Nacht-und- Nebel-Aktion. Ich schätze mal vorsichtig, ab Hof geht’s dann wohl gen Osten. „Keine Waffen in Kriegsgebiete!“ hieß ja das grüne Dauermantra, und: „Aus historischer Verantwortung werden wir keine Waffen an die Ukraine liefern!“. Inzwischen mag es Außen-Baerchi aber, schwere Waffen dorthin zu liefern – getreu nach „Politik für Fortgeschrittene, Kapitel 1: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“. Professionelle, deutsche Politik so greifbar zu erleben, macht diese nächtliche Heimfahrt dann doch noch etwas kurzweiliger – vermag es allerdings nicht mehr, mich auf leichtere Gedanken zu bringen.

Welcome back”…, sage ich mir leise, während ich meinem treuen Diesel nochmal die Sporen gebe, als ich die thüringische Grenze passiere. Der Kloß- und Bratwurstäquator; das „grüne Herz“ und Zentrum Deutschlands. Home sweet home! Meine französische Playlist (der aufmerksame Leser ahnt es anhand der ungewohnten Anglizismen) ist längst abgelaufen – und etwas rührselig singt gerade Chrystal Gayle ihren (mittlerweile 47 Jahre alten) Country-lastigen Hit „I’m ready for the times to get better“. Gutes, ohrwurmiges Stück, mit der besonders optimistischen Zeile: „Changes are coming, no doubt“ – und ich möchte ihr so gern glauben. Apropos Lebensmitteläquator: Heimkommen heißt nun auch Rückkehr in ein Land, in welchem wir schon bald mit einer Viertelmillion Euro Strafe belegt werden, wenn wir ungenehmigt und einmal zu viel im Monat unter freiem Himmel unsere Thüringer Bratwürste auf den klimaschädlichen Rost legen (Bayern hat hier ja gesetzlich den Anfang gemacht). Ordnung muss sein – Brauchtum hin oder her.

Rückkehr in einen Petz- und Schnüffelstaat

Heimkommen… – jetzt habe ich einmal davon angefangen. Vor 35 Jahren bin ich geflohen aus einem Spitzelland verknöcherter, sozialistischer Kontroll-Wahnies, um im anderen Teil dieses geteilten Landes in Freiheit zu leben – und heute kehre ich heim in ein zerfallendes, sich auflösendes Ideal, auf direktem Weg befindlich in einen neuen, öko-sozialistischen Schnüffelstaat. Mit dem neuen Verpetzerschutzgesetz (euphemistisch verbrämt als „Hinweisgeberschutzgesetz“) ist faktisch eine neue Hexenjagd eröffnet. Die Regenbogen-Ampel erhebt damit das Denunzieren im ganzen Land zur Bürgerpflicht. In jedem Bundesland werden inzwischen Petzstellen für Denunzianten aufgebaut. Ein Klima des Misstrauens und der Einschüchterung, vermutlich weit schlimmer noch als zu finstersten Corona-Zeiten, wird damit auf den Weg gebracht. Wahrscheinlich läuft im Staatsfunk-Abendprogramm bald das “Denunziantenstadel” – mit Verratespiel und anschließendem Verpfeifkonzert!

Währenddessen kündigt der Krake Google ein weltweites Verbot unabhängiger Medien in den Suchergebnissen an – was nicht nur bedeutet, dass man Texte wie diesen in Bälde nicht mehr findet, sondern auch keine kritischen Ansichten zum Thema Klima, Migration, E- Mobilität; Gender, Globalismus, C-Impfung, und Öko-Internationalsozialismus. Die globalistisch-konforme, ohnehin für ihre Spitzelei berüchtigte Firma Microsoft („Philanthrop“ Bill Gates lässt grüßen) droht ab sofort in ihren neuen „Richtlinien“ jedem Nutzer mit Sperrung, Konto-Löschung und Verlust all seiner Daten, der „Hassrede“ oder „anstößige Inhalte“ in seinen Windows-PC tippt. Wie „Hass“ und „anstößig“ erst ausgelegt werden, wenn die von MS angekündigten, „speziellen Seiten“ für die Regierungen eingerichtet sind, über die diese ihre Zensurbegehren privilegiert übermitteln können – dazu bedarf es vermutlich nicht sonderlich viel Phantasie. Von der (wahrscheinlich ohnehin bald verstaatlichten) Autoindustrie mag ich gar nicht anfangen. In allen Neufahrzeugen soll nun die online geschaltete „Blackbox“, zur Pflicht werden – eine Schnüffelsoftware, die das gesamte („Fehl“-) Verhalten des Fahrers permanent aufzeichnet und an eifrige Auswerter meldet. Der Staat wird dein Beifahrer – das ultimative Sicherheitsgefühl…

Ein Ökohöllen-Gesamtkunstwerk

Meine Reiserückkehr ist inzwischen vor allem ein Heimkommen in ein zerfallendes Land, in welchem, zusätzlich zu aller Spitzel- Kontroll- und Regelpest, in naher Zukunft vermutlich Autos und Flugzeuge als Teufelswerk der Prä-Transformationsära verboten, ganze Großstädte zu Tempo-20-Rikscha-Zonen verbarrikadiert und über kurz oder lang erst Fleischverzehr, dann Haustierhaltung und schließlich der Genuss von kohlensäurehaltigem Mineralwasser mit Freiheitsstrafe belegt werden. Wo final vermutlich sogar falsches Atmen, entweder mit Zwangsarbeit auf der Ökofarm oder gleich mit dem Tod durch öffentliche, forcierte CO2-Intoxikation aus der Gasflasche, geahndet wird. Lachen Sie nicht – wir sprechen uns bald wieder! Weit vorher noch wird allerdings die Habecksche Heizungs-Gestapo an der Haustür klingeln, um zu kontrollieren, ob die allerneueste Kopfgeburt des grün-roten Berliner Klimakindergartens vorschriftsgemäß exekutiert wurde. Parallel dazu wird die Photovoltaik-Pest mit Hochdruck weiter um sich greifen.

Die beruhigend-vertrauten, tonfarbenen Ziegeldächer der thüringischen Dörfer – ohnehin bereits allumfassend umringt von immer gnadenloserer Windrad-Verspargelung – werden in Bälde ebenso der Vergangenheit angehören, wie ein seit Jahrtausenden freier Blick über Hügel und Wälder. Mit dem Charme siliziös- halbleitender Tristesse spiegeln fortan Millionen der solaren Fortschrittsplatten ihre schwarz-kalten Reflexe kreuz und quer durch die einst idyllischen, heimatlichen Täler und Auen, um mit ihrem jämmerlichen Wirkungsgrad deren naiv-vertrauensseligen, mit ein paar lächerlichen Subventionen geköderten Neueigentümern wenigstens ein paar müde, aber wenigstens ökogerechte Watt in ihre aseptisch-sterilen Niedrigenergie-Habitate einzuspeisen.

Deutschland zu einem „besseren Ort“ machen

Wenn sich in Kürze noch das landesweite Dauersurren der Wärmepumpen-Kompressoren monoton in das neo-dadaistische Dämmwahn-, Sechsfachverglasungs-, Kaminverbots-, Zwangsbelüftungs-, Nachhaltigkeits-, Ökohöllen-Gesamtkunstwerk einreiht, ist das flächendeckende Grüne Reich endlich vollstreckte Realität geworden. Fast – muss man hier ergänzend anfügen. Denn da geht selbstverständlich noch was! So wie London es gerade mit seiner gebührenpflichtigen Abzock-„Umweltzone“ (die faktisch nun die gesamte Stadt einschließt) vorzeichnet, sollen derlei „Smart Cities“ wohl zum Standard der westlichen Welt werden. Dort hat dann das demobilisierte und dauerüberwachte Nutzvolk in seinen keimfreien 15-Minuten-Quartieren eingepfercht auszuharren – im regelmäßigen Sirenengeheul der dann allwöchentlichen Klima-, Viren- oder Straf-Lockdowns. Ein dystopisches Zuchthausnetz aus links-einfältigem Kleinklein, auf das nicht einmal Orwell und Huxley gekommen sind.

Und ich frage mich einmal mehr, hier auf meinem Heimweg, ob eigentlich wirklich niemand merkt, wie gerade eine kleine Minderheit von als „Philanthropen“ getarnten Sadisten und Größenwahnsinnigen im Zeitraffertempo einen ökosozialistischen Gulag für ihre Subjekte, also für uns, errichtet? Sind nicht all jene Schwab-, Soros-, und Gates-Komplizen, die mit ihrem fanatischen Sendungsbewusstsein „beseelt davon sind, die Welt zu einem besseren Ort zu machen“, erfahrungsgemäß genau jene Monster, die Menschen mit gänzlich anderen Lebensvorstellungen die Welt zur Hölle machen? Dieses Deutschland „auf dem Weg zu einem noch besseren Ort“ zählt, laut „Reporter ohne Grenzen“, in Sachen Pressefreiheit mit Platz 21 mittlerweile übrigens nur noch zur Kategorie der „zufriedenstellenden Lage“. Die gebetsmühlenartige Einheitspropaganda der staatlichen, vom Volk bezahlten “Sendemastanstalten” (eine nicht geschützte, aber verbreitenswerte Wortschöpfung des geschätzten Autorenkollegen Rocco Burggraf) vor Augen, weiß ich ehrlich gesagt nicht, was hier „zufriedenstellend“ ist. Vielleicht kennt ja das Löschteam von Facebook, welches über die letzten drei Jahre bereits ein gutes Dutzend meiner Artikel mittels Sperre dem davon nichts ahnenden Leser vorenthielt, die überzeugenden Argumente, es mir genau zu erklären?

Soziale Zensurmedien und Erziehungsfernsehen als Einheitsbrei

Seit nunmehr einem dreiviertel Jahr habe ich mich aus den „sozialen“ Medien zurückgezogen, schreibe nicht mehr auf Facebook & Co., nachdem sie zu regimekonformen Zensur- und Spitzelkammern umfunktioniert wurden. Substanzlos-debile Selbstdarstellungs- und Zeitvernichtungsbühnen wie der chinesische Datensauger TikTok sind mir ein innerer Gräuel. Und auch mit Instagram – zu 90 Prozenzt genutzt von brummkreiselnden Egomanen, Lackaffen, Modeopfern und KI-plastinierten Selfie-Barbies, die mit ihren peinlichen „Stories“, die nichts anderes sind als per Filter-App aufgehübschte, nervtötend belanglose Klick-Baits, auch noch dem allerdümmsten „Influencer“-Trend auf den Leim gehen – bin ich bisher nicht warm geworden. An die einstmals intelligente und individualisierbare Komplexität von Facebook vor dessen Zensur- und Lösch-Orgie zu Niederhaltung „falscher“ Meinungen reichen die neuen, kunterbunten Bling-Bling-Medien nicht im Entferntesten heran.

Eine Hoffnung ist immerhin das vom Freiheitsgeist Elon Musk entkettete, ehemalige Twitter, welches nun unter „X“ auch wieder die Bezeichnung „Informationsmedium“ verdient. Im besagten Zwangsgebührenfunk laufen ohnehin nur noch Erziehungsfernsehen und schlichteste Gehirnwäsche; und selbst auf Netflix, Amazon & Co. tröpfelt nur noch woker, politisch korrekter Einheitsbrei mit Schwarzen, Schwulen, Lesben und undefinierbaren Etwassen aus dem Stream – mit öden Plots und Dialogen, so amüsant und prickelnd wie feuchtes Knäckebrot. Aber Infantilisierung, Nudging und „Haltung“ siegen ohnehin längst allerorten über Anspruch und Qualität; insofern ist dies letztlich nur eine schlüssige und konsequente Entwicklung. Ich habe diesen Mist jedenfalls längst gekündigt; seit nunmehr 30 Jahren gibt es in meinen vier Wänden ohnedies keinen Fernseher mehr.

Heimkehr in meine „Lichtstadt“

Aber ich schweife ab. Nachts, allein im Auto, gehen bisweilen die Gedanken mit mir durch. Schon steht „Jena“ auf dem Autobahnschild… das ging jetzt schnell. Eintausendzweihundertfünfzig Kilometer und sechzehn Stunden Fahrt, größtenteils Landstraße und Alpen, liegen hinter mir – faktisch nonstop. Ich fahre gern, aber so langsam reicht’s dann auch. Noch 30 Kilometer bis zu den Toren meiner Heimatstadt, die sich ja laut offiziellem Amts-Terminus seit ein paar Jahren „Lichtstadt“ nennt. Auf der seit DDR-Zeiten beleuchteten Stadtautobahn herrscht jetzt nachts Dunkelheit. Auch allen einst weithin leuchtenden Sehenswürdigkeiten der Saalestadt wurde der Strom abgedreht. Die „Lichtstadt“ der Dichter, Denker, Philosophen und Erfinder ist finster geworden. Dieser grün-symbolpolitische, aber dafür gut sichtbare Unfug spart im Jahr, wie ich hörte, das Strom-Äquivalent von 10 Wohnungen ein. In einer 120.000 Einwohner-Stadt. Beeindruckend, nicht wahr?

Wieder zu Hause. Angekommen in der stillen, herbstlichen Dunkelheit der frühen Morgenstunden. Der kleine Ort im Wald am Stadtrand schläft noch, nur meine treue Katzendame begrüßt mich schnurrend. Ein paar Stunden Schlaf, dann einen großen Heimkehr-Kaffee.

Vertrautes Stillleben: Wieder zurück (Foto:privat)

Der Morgen dämmert, bei Nachbars kräht der Hahn. Aus meinem umgeschlagenen Hosenbein rieselt Sand aus Antibes auf den Fußboden. Kurz die Nachrichten am Phone durchgescrollt; in ein paar Artikeln festgelesen – und umgehend bereut, das Ding überhaupt angeschaltet zu haben. Weshalb in diesem Land stets innerhalb weniger Dekaden durch eine Handvoll besessener, messianischer Terminatoren alles immer wieder in irgendein fanatisches Extrem kippt, ist mir ein Dauerrätsel. Warum es stets Lethargie, Dumpfheit und schlichte Einfalt eines offenbar großenteils somnambulen Volkes sind, die zuverlässig den Nährboden für jene von ihnen selbst auserwählten Lügner und Zerstörer liefern, ist logisch nicht mehr nachvollziehbar. Die in wenigen Tagen anstehenden Wahlen in Bayern und Hessen werden diese Einschätzung höchstwahrscheinlich erneut bestätigen. Da kommt kein „Abstrafen“, kein „Erdrutsch“ und keine „klare Kante“. Ein paar „wagemutige“ Prozentchen in Richtung „böses Naziblau“ – ansonsten ein „Weiter so“, ich wette drauf.

Den Kaffee austrinken und wieder verschwinden?

Man möchte den Kaffee austrinken, die Tasche zurück ins Auto werfen und auf der Stelle wieder verschwinden. Nur wohin…? Spontan muss ich an Reinhard Meys Zeilen in seinem bitterbösen „Heimatlos“-Lied denken. Er schrieb es wahrscheinlich in einer ähnlichen Frühstückskaffee-Situation: „(…) Ein scheiss Gefühl / Du findest kein Asyl / Du bist nackt und bloß / Heimatlos.“ Wer wirklich meint, aus diesem Kasperletheater Deutschland, in dem längst Greta, Wachtmeister, grünes Krokodil und Großmutter gegen Rechts das Klatsch-Publikum in Schach halten, fliehen zu können, weil irgendwo ein vermeintlich anspruchsvolleres Stück gespielt wird, der hat keine Ahnung von der großen Bühne namens Globalismus. Ich habe selbst ein Jahrzehnt in Irland gelebt; Freunde und Bekannte von mir wohnen heute in Kroatien, Panama, Australien, den USA, Schweden, Israel, Frankreich, Italien und der DomRep. Etwas verdruckst loben natürlich alle die Vorzüge ihrer jeweiligen Destination; die Ehrlicheren unter ihnen indes erwähnen auch die Schattenseiten. Ein Herz für alle, die den Schritt gewagt haben oder bestrebt sind, ihn in Bälde zu wagen, habe ich dennoch. Denn wer sich die Welt – laut Alexander von Humboldt – nicht selbst angeschaut hat, dem sollte man bekanntlich in Sachen Weltanschauung nach wie vor keinen allzu großen Glauben schenken.

Die gelebte Erfahrung, gepaart mit einer Beobachtungsgabe, die sich der rosaroten Brille schon länger entledigt hat, zwang jedoch gewiss nicht nur mich zu erkennen, dass ein edles und gerechtes Shangri-La nirgendwo dort draußen per se existiert. Eine echte “Flucht” funktioniert längst nicht mehr… es sei denn man flieht in Gegenden, wo man bereit ist, für immer ein Fremder unter Fremden zu sein. Der alte, wei(s)se Mey schreibt daher nicht grundlos weiter:
(…) du spürst, du mußt dich schleunigst hier vom Acker machen. Aber du kannst nicht gleichgültig zuseh’n, wie sie das Volk bescheißen, Du hast lang genug geknurrt, jetzt kriegst du Lust, zu beißen! / Und wo wolltest du denn auch hin, wenn deine Wut verraucht?
Hier hast du lebenslänglich und hier wird dein Zorn gebraucht!

Was ist eigentlich Heimat?

Trotz immer unvollständiger verrauchender Wut, trotz unstillbaren Fernwehs nach Weite und Freiheit bedeutet mir die Vertrautheit meines heimatlichen Tals mehr, als die meisten angesichts meiner wenig euphorischen Heimkehrbetrachtungen ahnen; ebenso die liebgewonnene Dauerbaustelle meines mittelalterlichen Hofes, jenes sentimental machende, wild-romantisch-imperfekte Refugium inmitten einer sich rasant ins Unerträgliche verändernden Welt. Diese letzte, windschiefe, aber nichtsdestotrotz standhafte Konstante aus Holz und Lehm in einer Zeit, in der nahezu nichts mehr Bestand zu haben scheint, ist mir Notanker und Ruhepol. Begriffe wie „Zuhause“, „Tradition“, „Wurzeln“ und – allen voran – „Heimat“ sind für mich zudem kein „Nazi-Sprech“, sondern gelebte Gewissheit und verlässliche Eckpfeiler meines Daseins – und das sage ich aus der inneren Schau eines anderthalb Jahrzehnte im Ausland gelebt habenden Expatriates.

Ja, sie werden irgendwann kommen und uns auch unsere Refugien zu nehmen versuchen. Sie sind längst dabei, neue Gesetze zu erfinden, neue Regeln zu etablieren, zu enteignen, zu vertreiben, auszusortieren. Sie werden versuchen, zu teilen und zu herrschen – so wie sie es immer taten, wenn ihnen der Allmachtsdünkel zu Kopf stieg, während ihnen Realitätssinn und Bodenhaftung abhanden kamen. Diesen selbsternannten, dekadenten „Weltrettern, deren krude Dogmen seit jeher nur plumpe Tarnung für ihren egozentrisch- narzisstischen Geltungswahn sind, dürfen wir uns nicht kampflos ergeben. Je mehr wir aufgrund des Geschehens im Außen stetig heimatloser werden, umso mehr ist es geboten, unsere innere Heimat zu stärken. Unsere äußere Heimat kann verleumdet, bestritten, negiert und zerstört werden; doch unsere innere Heimat bleibt unberührbar. Wir können sie aufsuchen, sie durchstreifen und Halt in ihr finden. Sie ist Sicherheit, Schutz und Garant. Sie ist vor allem eines: Identität. Das heißt: Nicht vom Acker machen. Nicht gleichgültig zusehen. Den Zorn bewahren – und, wenn nötig, anfangen zu beißen! Damit wir irgendwann die Tür unser inneren Heimat öffnen können und wissen: Ich bin wieder zu Hause.


Ende

11 Responses

  1. Heimat, was ist das? Die Heimat, wo ich aufgewachsen bin, also in den 60/70ern, die existert nicht mehr. Alles wurde aufgegeben, die Freiheit, Meinungsfreiheit! Beinahe überall diese schrecklichen Windmühlen in der Natur. Dann diese einfältigen Besserwisser und Denunzianten! Waaaaaas, du bist nicht egimpft, diese armseligen Gestalten, die meinen, Mensch zu sein. Dieses Land kehrt zu 1933 zurück, das spürt man. und mit solch einem Land möchte ich nichts zu tun haben.

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  2. Sie können Ihre Streckenführung wählen, wie Sie wollen, ich wäre die Küstenautobahn von Frankreich nach Italien gefahren und dann von Genova aus nach Norden (die Trassierung dea Autobahnabschnittes ist wüst) weiter nach Milano (da stehen Sie auf der Autobahn nur im Berufsverkehr im Stau) weiter nach Norden über den kleinen St. Bernadino, durch die Schweiz und dann im Rheintal auf die österreichiche Seite, sind bei Dipoldsau nur wenige km Landstrasse, Weiter nach Norden bei Lindau nach Deutschland.

  3. Lieber Herr Schneidereit
    Ich kann jedes Ihrer Worte unterschreiben. Bei jeder Rückfahrt die gleiche Frage: Was soll ich noch hier? Das ist nicht mehr Deutschland, das ist ein dysfunktionales, pseudomarxistisches, durchgewoktes Irrenhaus. Wann ich das letzte mal ein Gefühl von “Heimat” hatte? In Dänemark. Die wenigen Bunten konnte man an einer Hand abzählen, alles war sauber, in den Innenstädten lungerte niemand rum, und die Leute lächelten. Wir werden nächstes Jahr wieder hinfahren; diesmal in die Städtchen, in denen wir uns nach einem Haus umsehen werden. “Das heißt: Nicht vom Acker machen.” Sorry, aber wenn wir Glück haben, bleiben uns noch 20 Jahre mit guter Gesundheit. Die werden wir nicht in der größten Freiluftirrenanstalt Europas verbringen. In 4 Jahren sind wir weg. Und unseren Kater nehmen wir selbstverständlich mit.

  4. Verehrter Jörg Schneidereit, gerade jetzt in der Früh beim Lesen wurde mir klar, daß mich der Stil ihrer Reisebeschreibungen an die Bücher des den großen Helmut Domke erinnert. Auch er würdigte große Teile Südfrankreichs neben weiteren Regionen. Aber bei ihnen kommen zwangsläufig eingestreute Noten zur Politik mit hinzu. Was war das zu Helmut Domkes Zeiten noch schön, als man das Politische ausblenden konnte. Heutzutage ist es leider unmöglich, es sei denn man schriebe ein rein fiktionales Werk. Vielen Dank auch für das Stilleben mit ihrer Katzendame, die mich sehr an unsere Lilou erinnert. Auch sie begrüßte uns immer freudig, wenn wir zurückkamen. Ein kleines Lebewesen, das sich viel ehrlicher freut als es die meisten Menschen können.

  5. Danke, einfach nur danke für diese wohltuende und für mich absolut nachfühlbare Betrachtung.

  6. Lieber Herr Schneidereit, danke für Ihren einfühlsamen Reisebericht mit den Gedanken zum Thema“ Heimat „ am Ende, der mich besonders berührt hat, denn ich bin nicht weit entfernt von Jena seinerzeit in Thüringen aufgewachsen. In den achtziger Jahren habe ich einen Neuanfang im Westen dieses Landes gestartet; durchaus erfolgreich. Als sich vor zwanzig Jahren die berufliche Gelegenheit bot, in die alte Heimat zurückzukehren, musste ich erkennen: Diese gab es nicht mehr; auch die Menschen und ihre Mentalität waren mir fremdgeworden; wohl weil man sich selbst auch verändert hatte. Aber auch das inzwischen vereinigte Deutschland war nicht mehr das Land, weswegen ich die DDR seinerzeit verlassen hatte. Also habe ich die zweite Hälfte meiner beruflichen Laufbahn im Ausland verbracht, um nun als Ruheständler wiederum in einem anderen Land unter südlicher Sonne sesshaft zu werden.Frankreich ist es nicht, obwohl Ihr Bericht viele Reiseerinnerungen geweckt hat- die Islamisierung des Landes wirkte allerdings schon vor über 15 Jahren abschreckend.Dass man im Ausland, trotz teilweise guter Kontakte zu Einheimischen, stets Fremder unter Fremden bleiben wird- nun, damit muss man leben und versuchen, sich so gut es geht mit der Sprache und der Geschichte der Wahlheimat vertraut zu machen. Den Globalisten zu entkommen, wird schwierig genug,überall.

  7. Seit 20 Jahren warnt der CIA schon mehrfach vor einem Bürgerkrieg in Europa – ausgelöst durch den Islam
    Bereits im April 2008 hatte Kopp Online exklusiv über eine geheime Studie der CIA berichtet, nach der die CIA intern spätestens um das Jahr 2020 in vielen europäischen Ballungsgebieten Bürgerkriege erwartet. Den Autoren wurde damals »Panikmache« und nicht belegbare »Spekulationen« vorgeworfen. Zu jenem Zeitpunkt war die CIA-Studie noch als geheim eingestuft. Nun ist CIA-Chef Michael Hayden selbst an die Öffentlichkeit getreten – und warnt eindringlich vor den sich abzeichnenden Bürgerkriegen im Herzen Europas. In Deutschland fallen laut CIA unter die gefährdetseten Gebeite

    Teile des Ruhrgebietes (namentlich erwähnt werden etwa Dortmund und Duisburg),
    Teile der Bundeshauptstadt Berlin,
    das Rhein-Main-Gebiet,
    Teile Stuttgarts,
    Stadtteile von Ulm
    sowie Vororte Hamburgs.
    Ähnliche Entwicklungen sieht die CIA für den gleichen Zeitraum in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Dänemark, Schweden und Italien. Die Studie spricht von »Bürgerkriegen«, die Teile der vorgenannten Länder »unregierbar« machen würden. Hintergrund der Studie sind

    Migrationsbewegungen
    der mangelnde Integrationswille von Teilen der Zuwanderer,
    die sich »rechtsfreie ethnisch weitgehend homogene Räume« erkämpfen
    und diese gegenüber allen Integrationsversuchen auch mit Waffengewalt verteidigen würden.
    Die CIA prognostiziert schon im Jahr 2006 vor diesem Hintergrund, dass Teile Europas »implodieren« und die Europäische Union in ihrer derzeit bekannten Form wohl auseinander brechen werde.
    https://www.anonymousnews.org/deutschland/cia-chef-michael-hayden-erwartet-buergerkrieg-in-deutschland/

    CLankriege, Mafiakriege,Revierkämpfe, religiöse Konflikte, importierte ethnische Konflikte, STaat gg Extremisten in ganz Europa…

  8. Ein Text, in dem aus Worten Bilder werden und die wunderschönen Bilder melancholisch flüstern… Danke, herzlichen Dank für diese sinnvolle, sinnliche Gedankenreise zwischen den Zeiten, zwischen den Orten, zwischen Aufbruch und Aussicht, zwischen hoffnungsloser Verzweiflung und verzweifelter Hoffnung, zwischen Gehen und Bleiben, zwischen all den Fragen, die bleiben werden…
    Ein Text, der bleibt.
    So wie die gar nicht Wenigen, die sich nicht (nur) in sich zurückziehen sollten und nicht vom Acker machen, nicht weg gehen, sondern rausgehen und sich finden…
    Herzlich, ein weiterer Thüringer, nahe bei Ihnen, sehr nahe… viel näher als die vielleicht 50 oder 150 km, je nach Umweg, auf dem man die schönsten alten Häuser entdeckt und Aussicht hat… auf Aufgewachte…

  9. Mir kamen deutliche Zweifel als Sie – das muss so an der westlichen Ecke des Vogtlands gewesen sein – einen “Country Song” aufgelegt haben.

    Schneidereit’s Katze, Gasherd und Kaffeekessel machten dann aber alles wieder gut.

  10. Danke, Danke! Herrliche Fahrt von da unten hoch. Bin auch schon mal abends von Nizza los. Allerdings über Gap. In Digne-les-Bains übernachtet und im Dunklen frühmorgens los, beim Bäcker, wo alle einheimischen Früharbeiter frühstückten, Kaffe und Gebackenes ergriffen, um dann bei Sonnenaufgang über den Blayeul zu fahren. Weiter über Grenoble und dann die herrliche Autobahn über den Seen in der Schweiz entlang. Bin genauso ein Durchfahrer und habe meistens das Radio aus. Gedanken nachhängen, im Dunklen. Ich musste dann aber noch ein Stückchen weiter bis DD. Habe mich aber vor Jahren schon vom heimischen Acker gemacht. War nicht mehr das wofür ich damals ausgereist bin. Kann Ihre Gedanken dazu vollends nachvollziehen. Erfreuen Sie sich an Ihrem Hof, basteln Sie daran, das macht glücklich! Mir geht es zumindest so hier. Weit weg hilft doch.