„Spasten und Cineasten”: Die Ukraine-Festspiele von Cannes

Der Verteidiger der freien Welt und seine zugeschaltete Cannes-Claque (Foto:Imago)

Inzwischen gibt es bald keine sportliche, kulturelle oder gesellschaftliche Veranstaltung mehr, die ohne rituelle Ukraine-Andacht auskommt, ohne einleitende Haltungs-Honneurs für die Helden im antirussischen Abwehrkampf oder am besten gleich die obligatorische Live-Schalte nach Kiew, wo sich der Kriegspräsident Selenskyi nach kurzen Teleprompterfloskeln mit Standing Ovations abfeiern lässt. Selbst die altehrwürdigen Filmfestspiele zu Cannes sind inzwischen zum Teil dieser penetranten Schmierenkomödie geworden, einer Inszenierung, die es selbst wohlmeinenden Zeitgenossen und entschiedenen Kritikern der russischen Invasion schwer macht, Sympathien für die Opferseite und ihre westlichen Solidarität-Groupies zu empfinden.

Zum Auftakt der diesjährigen Festspiele wurde eine Zombie-Komödie gezeigt”, leitete die ARD gestern ihren Einspieler zur Cannes-2022-Kurzreportage ein. Gemeint war damit zwar der Eröffnungsfilm, doch der Satz traf ebenso gut auf das zu, was die Zuschauer im Großen Festspielsaal an der Riviera dann tatsächlich als erstes zu sehen bekamen: Selenskyi live und in Großformat, mit Uniform, martialischer Armbinde und „Ukraine“-Aufnäher, gewohnt spartanisch unrasiert und mit patriotischen Gesten, so, wie man ihn seit bald drei Monaten alltäglich aus seinen Grußbotschaften auf Großdisplays vor Parlamenten und Sälen kennt. Er wirkte hier wie eine aus der Zeit gefallene Figur, wie ein Warlord der dritten Welt, der in die gelackte aristokratische Grandezza des selbstgerechten europäischen Kulturbetriebs virtuell hineinbrach und sich dort seine Tagesdosis Jubel abholte. Der Nachschub an Geld und Waffen darf nicht abreißen, hurra! Moralspastiker triumphieren über Cineastik.

Infame Durchpolitisierung

Diese infame Durchpolitisierung nunmehr auch eines der weltrenommiertesten Filmfestivals (nachdem dasselbe zuvor auch schon mit Fußballspielen, Volksfesten und Gesangswettbewerben geschah) beweist die atemberaubende Heuchelei einer europäischen Kulturszene und Boheme, die einmal mehr unter Beweis stellt, dass ihr Menschenleben gar nichts bedeuten – es sei denn eben, sie lassen sich politisch instrumentalisieren. In Syrien krepierte mindestens das Zweihundertfache, im Jemen rund das Hundertfache an unschuldigen Zivilisten wie bislang in der Ukraine mit ihren bisher knapp 3.500 zivilen Opfern – doch nie in all den Vorjahren wurde wegen der dortigen Kriege ein solcher Bohei und Medienwirbel betrieben. Doch weil die politisch-medialen Mind- und Agendasetter es diesmal anders beschlossen haben, hört und sieht man nichts anderes mehr als Blau-Gelb und „Stand with Ukraine”.

Auch der erste gezeigte Festivalbeitrag in Cannes, der Selenskyis Showeinlage folgte – die besagte Zombie-Komödie -, blieb nicht vom totalen Gesinnungskrieg gegen Russland verschont: Der Streifen von Regisseur Michel Hazanavicus mit Romain Duris in der Hauptrolle sollte ursprünglich den Titel „Z“ tragen; weil dieser Buchstaben inzwischen jedoch als eine Art modernes Hakenkreuz gilt, mit dem die russischen Invasionslaster in der Ukraine bemalt sind, wurde der Film in „Coupez!“ umbenannt. Da steht das „Z“ dann wenigstens am Ende.

Kriegshelden und exkulpierte Vorzeige-Russen

Dass in Cannes Filmkunst ebenso Nebensache blieb, so wie beim „European Song Contest” musikalische Leistung und jurorische Fairness keine Rolle spielten, wird durch den Umstand belegt, dass die russische Delegation dieses Jahr gleich von vornherein ausgeschlossen war, ebenso wie alle russischen Wettbewerbsbeiträge – es sei denn, sie kamen von als unverdächtig beleumundeten  „Putin-Kritikern” und „Dissidenten”. Ab wann man als solcher gilt, ob es bereits  genügt, in einer westlichen Talkshow das Maul gegen die Kreml-Junta aufgemacht zu haben, oder ob dazu ein überstandener mutmaßlicher Giftgasangriff mit VX oder Nowitschok notwendig ist, wurde nicht weiter definiert. Im Fall von Kirill Semjonowitsch Serebrennikow jedenfalls, dem russischen Regisseur des Wettbewerbsbetrags  „Tschaikowsky’s Wife”, genügten sein Exil in Berlin, ein Aufenthalt im russischen Knast und eine Strafandrohung von sechs Jahren Lagerhaft aus der alten Heimat, um ihn als exkulpierten Vorzeige-Russen in Cannes willkommen zu heißen.

Cannes-Festspieldirektor und Filmregisseur Thierry Fremaux begründete diese selektive Apartheid – von der nur putinfeindliche Exilrussen ausgenommen sind, die öffentlich dem Moskauer Satan abschworen -, mit einer „moralischen Verpflichtung” der Kunstschaffenden und der unbedingten Solidaritätspflicht gegenüber dem ukrainischen Volk. Wenn das die Maßstäbe sein sollen, die fortan allerorts gelten sollen, dann wäre es das Aus für internationale Veranstaltungen, Werkschauen und Wettbewerbe – weil praktisch jeder Staat irgendwie, irgendwo, irgendwann seine skandalisierungsfähigen Leichen im Keller hat und empörungsträchtig gegen die Spielregeln der anderen verstößt, wenn man die passenden Vorwürfe konstruiert. Man kann über die politischen Abgründe entweder im Sinne der Völkerverständigung und kulturellen Annäherung diplomatisch hinwegsehen, was im konkreten Fall hieße, Kunst und Politik sauber zu trennen. Oder man bleibt unerbittlich und ordnet die Kunst der Politik unter – auch wenn das bedeutet, dass sich damit die Reihen der Akzeptierten lichten und der Veranstaltungszweck zur Farce wird.

33 Kommentare

  1. Ganz allmählich würde ich an eurer Stelle etwas vorsichtiger argumentieren. Von wegen „Kriegspräsident “ Seöensky,etc. Was ist hingegen Putin? Der Friedensfürst?
    Ich würde echt empfehlen, eure Füsse etwas stiller und weniger martialisch zu halten. Ihr blamiert euch nur!

    • Sie vergessen wohl, was der eigentliche Hintergrund dieses Krieges ist! Nicht ein altes Hegemoniebestreben Russlands, sondern die ständigen Überfälle und Ermordungen russisch-stämmiger Ostukrainer! Den Überfällen der Asow-Brigaden sind seit 2014 über 14.000 Menschen zum Opfer gefallen, darunter viele, viele Kinder! Aber darüber wird geschwiegen!

    • Ach? Würdest du uns raten? Bist du der unverschämte Botschafter, der aggressivbe Aussenminister oder gleich St. Selenksyi himself, der uns warnt? Wisse, dass nicht alle den Unsinn glauben, den der MS absondert. Wir sind nicht alle doof! Ein geflügelter Witz macht die Runde: „Ich wollte mich auch im Ukraine-Konfikt freiwillig melden!“ „Und? Warum hast du nicht?““Die Russen sagen, sie haben schon genug Männer!“

    • Je länger der Krieg andauert, umso mehr offenbart sich das wahre Gesicht dieser in olivgrün gekleideten Marionette in Kiew. Hier blamiert sich keiner der noch selbst über diese verfahrene Situation nachdenken kann und möchte. Das hat auch nichts mit einer Befürwortung von „Putins“ (als ob er der Einzige in Russland wäre der diese Politik macht?!) Aktionen zu tun, ganz im Gegenteil. Beide Seiten bekleckerten sich bisher wahrlich nicht mit Ruhm und man kann sich mittlerweile ernsthaft fragen wem überhaupt eine Verlängerung des Krieges nützt -> Weder dem ukrainischen Volk, Russland noch der EU. Herr Matissek weist nur auf diese Situation hin. Genau wegen diesem leicht polemischen Charakter lese ich diese Texte hier auf Ansage, auch wenn ich nicht immer der gleichen Meinung bin. Leider wird man heutzutage gezwungen Polemik einzusetzen, mit sachlichen Argumenten ist dieser Welt nicht mehr beizukommen. Deswegen auch die Kritik an diesem Herren in grün und das aufgebauschte Drumherum das im Westen momentan von Dorf zu Dorf getragen wird. Das Adjektiv Zelenyy aus dem ukrainischen ins Deutsche übersetzt heißt übrigens GRÜN! :))) Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. haha

    • Was stimmt denn daran nicht? Ich würde diesen Kasper als Kriegspräsidenten-Attrappe oder US-Marionette bezeichnen!

  2. Überaus geschmacklos und noch beschämender wieviele Menschen diesem vorgegebenen Narrativ der Propaganda zum Opfer fallen. So sehr ich solche Seite wie Jouwatch schätze, der Zug ist abgefahren. Nur noch wenige Schritte zur offenen Barberei.

    • Also ich mag ehrlichen Journalismus sehr! Wer der Wahrheit nicht verträgt, sollte besser Bild und Spiegel lesen!

  3. Die Kokaine wird Fussballweltmeuster 2022 gewinnt die Tour de France und den New York Marathon und den Triathlon auf Hawaii dazu dir nächsten 10 Jahre alle Lotto 6er welch ein Zufall

  4. In dem Moment, wo sich die Kunst der Politik unterordnet, wird sie völlig bedeutungslos. Sie braucht kein Mensch mehr und erfüllt auch nicht mehr ihre Funktion, nämlich den Menschen mit ihren Mitteln aufzuklären und ihn wach zu rütteln.

  5. Die russischen Verluste an Soldaten und Material sind mehr als doppelt so hoch wie die ukrainischen und die Kampfmoral liegt am Boden. Die ukrainische Armee kämpft intelligenter, weil sie sich schon vor Jahren von der starren Sowjetstrategie gelöst hat, die schon in allen vorigen russischen Kriegen schlecht funktionierte. Russland hat jetzt schon so viele Soldaten verloren wie die Sowjetunion im Afghanistankrieg. V. Putin hat hier sein eigenes Afghanistan und das wird sein Ende sein. Russland bekommt immer grössere Probleme die Verluste auszugleichen, so schnell lassen sich Raketen und Panzer nicht produzieren, Soldaten erst recht nicht. Die Ukraine bekommt immer bessere Waffen und wird der russischen Armee Tag für Tag überlegener.

  6. All diese Dinge sind insbesondere eines: Der tragische Spiegel einer Gesellschaft, die einst mit Bildung und Aufklärung begann und nun mit Dekadenz und Werteverfall endest.

  7. Elendski wird von einer israelischen PR Agentur gemanagt und somit hat Lawrov mit seinen beschuldigten nicht Unrecht und zudem sind ukrainische Oligarchen mit jüdischen Hintergrund nach Israel mit ihrem zusammen gerafften Vermögen geflüchtet und finanzieren die Rechten Kämpfer. Elendski seine Masche ist ein auf arm und unschuldig zumachen. Daher sein Auftreten in Pullover oder grünem Unterhemd. Der Westen hängt wie bei einem Popstars an seinen Lippen und alles was er von sich gibt, wird für bare Münze und unwiderrufliche Wahrheit genommen. Keiner oder kaum einer hInterpretation und die Lückenpresse scheint in den Diensten der Ukraine zu stehen. Die Truppen von Mariupol wurden evakuiert, was nicht stimmt, die haben sich ergeben und auch kein Wort über den Festgenommen 4 Sterne General, einem Admiral aus der USA. So wie es aussieht bezahlnicht wir die Zeche für alles, weil sich die Ampelregierung vor ihm in den Dreck wirft. Eine Waffenlobyistin die mit dem Doppelnamen von der FDP und die Grünen tun sich dabei besonders hervor, alles n Korrupten in den Rachen zuschmeißen. Hat die Bundesregierung überhaupt Kenntnis, woie gelieferten Waffen abgeblieben sind, die USA haben dies schon öfters getan. Denn gerade die handlichen Waffen, die sich im Rucksack verstauen lassen, sind schon für wenige 1000 Dollar auf den Schwarzmarkt in der Ukraine zuhaben. Nun fürchtet man, daß diese in andere Krisengebiete wie dem Nahen Osten oder Afghanistan gelangen oder noch schlimmer den Russen in den Händen fallen können. Achso, warum reist kein Journalist vom Spiegel oder den ÖRR nicht in den Donbass oder Mariupol, Angst davor, daß sie auf die ukrainische Todesliste kommen?

  8. Nun kam heute in den Nachrichten ,,,das die Ukraine schier aus dem Häuschen ist …weil die ,,Asow-Kämpfer“ vor Gericht gestellt werden sollen….bei einer Verurteilung auf russ. Boden drohen nur langjährige Haftstrafen. In den Repuliken Donezk u. Lagansk jedoch die Todesstrafe (durch erschießen)
    Da könnten sich notorische Kriegshetzer aus D doch ,,schützend“ vor diese ,,Kämpfer“ stellen….
    Selensky jedenfalls …düst dann nach Florida(?) zu seinen Milliarden/Villa/Familie.

  9. Bei allem, was da geboten wird, sind vier Aspekte nicht zu übersehen:

    Die Ukraine hat es auf dem „billigsten“ Weg (für sie bzw. die dort Herrschenden) geschafft
    1. in die Nato zu kommen (daran bestehen keinerlei Zweifel mehr) und
    2. sie hat es dadurch auch geschafft, demnächst (ein bisschen Gepänkel muss noch sein) in die EU zu kommen. Und das alles nahezu kostenfrei, da die Kosten der „Kriegsinvestitionen“ (Infrastruktur) von den Ländern der EU und insbesondere Deutschland übernommen werden. Da sage noch einer dieser Präsident tauge nichts!

    3. Die USA sind nun auch dank Finnland auch weiter im Norden direkt an Russland „dran“.

    4. Alle Welt hasst jetzt Russland – und Russen.

    So sehen Kriegsziele und Zeitenwende wirklich aus!

  10. Propaganda ist der Füllstoff für Hohlköpfe. In der Filmindustrie gibt es dafür scheinbar großen Bedarf.

    • Die Film“industrie“ war immer Propagandainstrument, egal ob Hollywood, die UFA unter Göbbels oder die DEGETO heute.

  11. Russland soll sich endlich überlegen warum die Nachbarn immer schreiend davonlaufen, wenn es um die Ecke kommt…

    • Deutschland sollte sich endlich überlegen, warum alle auf der Welt sein Geld wollen, es aber dennoch nicht leiden können (siehe z. B. ESC).

  12. So ändern sich die Zeiten. Jetzt sind Nazi-Kommandeure wieder in. Egal, Hauptsache in Cannes ist man dabei gewesen. Krank, krank und nochmals krank.

  13. EU-Kommission schlägt gemeinsame Schulden für Ukraine-Aufbau vor
    https://www.mmnews.de/wirtschaft/182158-eu-kommission-schlaegt-gemeinsame-schulden-fuer-ukraine-aufbau-vor

    Die EU-Kommission beziffert die bisherigen Kriegsschäden in der Ukraine auf “Hunderte Milliarden Euro” und hält es für nötig, dass die Union “einen Hauptteil” der Kosten für den Wiederaufbau trägt. Sie schlägt den Staaten deshalb in einem ersten Plan vor, ein Sondervermögen aufzulegen oder den Finanzrahmen für die Zeit bis 2027 nachträglich aufzustocken, berichtet die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”. Die Staaten könnten der Ukraine dann durch eigene zusätzliche Beiträge helfen oder indem die Kommission weitere gemeinsame Schulden aufnimmt, heißt es in dem Plan, der an diesem Mittwoch beschlossen werden soll.

    Wörtlich heißt es in dem acht Seiten langen Papier, das die weiteren Beratungen der Staats- und Regierungschefs strukturieren soll: “Angesichts der Größenordnung von Krediten, die wahrscheinlich benötigt werden, könnte die Kommission jedoch auch autorisiert werden, die Finanzierung der Kredite im Namen der EU auf dem Kapitalmarkt aufzunehmen.” Als Vorbild wird ausdrücklich auf den Corona-Wiederaufbaufonds verwiesen, bei dem dies erstmals geschehen war. Grundsätzlich darf die Kommission Ausgaben nicht aus Schulden finanzieren, sondern nur aus Beiträgen der Staaten oder anderen Einnahmen. Seit Kriegsbeginn hat die Europäische Union 4,1 Milliarden Euro aufgewandt, um der Regierung in Kiew, vertriebenen Menschen und Staaten zu helfen, die der Ukraine ihre Waffen überlassen.

  14. Wenn ich diesen Kasper in seinen Che Guevara Klamotten sehe, muss ich jedes Mal grinsen. Ähnlich geht es mir auch wenn ich die zweitklassigen Ex-Boxer sehe!

    Bei uns werden Nazis verfolgt und dort bekommen Sie die große Bühne. Was stimmt da nicht?

  15. wenn das so weitergeht,
    werden bald unsere Vorfahren rehabilitiert,
    anno 1941,mit der Präventivkriegthese gegen Russland,
    und alte Wochschauberichte demnächst mit der „Goldenen Ukraine“ ausgezeichnet,

Kommentarfunktion ist geschlossen.